Diese Art der Zitate entstehen durch die Nutzung verschiedener Techniken und stellen am Ende keine echten Zitate dar, sondern eine verdrehte Darstellung von Inhalten.

Politiker-Zitate: Fakes, Wahrheit, aus dem Kontext gerissen?

Von | 22. Mai 2019, 14:55

Immer wieder erreichen uns Anfragen in Bezug auf Aussagen, die Politiker gemacht haben sollen.

Und oft ist tatsächlich nicht klar, woher genau das Zitat stammt, ob dies wirklich so gesagt oder einfach aus dem Kontext gerissen wurde.

Wie u.a. diese Aussagen, die Jürgen Trittin, Sieglinde Frieß, Çigdem Akkaya, Daniel Cohn-Bendit, Robert Habeck, Katrin Göring-Eckardt, Renate Künast, Stefanie von Berg zugeschrieben werden.

Diese Art der „Zitate“ entsteht durch die Nutzung verschiedener Techniken und sie stellen am Ende oft keine echten Zitate dar, sondern eine verdrehte Darstellung von Inhalten. Das beeinflusst die eigene Meinungsbildung erheblich und untergräbt die Aussage tatsächlich gemachter Zitate.

Welchen Wahrheitsgehalt haben also die nachfolgenden 8 „Zitate“?

Screenshot / Facebook / Mimikama.at

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Genaue Analyse der Zitate:

Jürgen Trittin

Screenshot by mimikama.at

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Es geht nicht um Recht oder Unrecht in der Einwanderungsdebatte, uns geht es zuerst um die Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils in diesem Land.

Dieses Zitat ist erfunden.

Es handelt sich hierbei um ein frei erfundenes Zitat, das von der Braunschweiger Zeitung am 2. August 2016 als Leserbrief abgedruckt wurde. Nach Beschwerden von Lesern prüfte die Braunschweiger Zeitung das Zitat. Angeblich soll es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) am 2. Januar 2005 erschienen sein, woraufhin die Braunschweiger Zeitung bei der FAS nachfragte – das Ergebnis: Dieses Interview hat es nie gegeben. Es handelt sich um kein FAS-Zitat, es ist frei erfunden.

Quellen:
Correctiv
Braunschweiger Zeitung

Sieglinde Frieß

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Ich wollte, dass Frankreich bis zur Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.

Dieses Zitat ist aus dem Kontext gerissen.

Es handelt sich hierbei um den Teil eines Zitats von Kabarettist Wolfgang Neuss. Frieß zitierte ihn 1989, um auszudrücken, dass „in Zukunft das zu verhindern wäre, was derzeit noch Wahres in dem Zitat von Wolfgang Neuss steckt“.

Nachzulesen im Plenarprotokoll des Deutschen Bundestages vom 5. September 1989 auf Seite 11758.

Quelle:
Correctiv

Çigdem Akkaya

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Die Leute werden endlich Abschied nehmen von der Illusion, Deutschland gehöre den Deutschen.

Dieses Zitat stammt aus einem Interview.

Ende der 90er hatte Akkaya der WAZ ein Interview gegeben. Nach eigenen Angaben drückte sie sich jedoch nicht gut aus und hatte aus Zeitgründen nicht darauf bestanden, das Interview vor dem Druck nochmals zu sehen. Sie betont, dass sie damit gemeint hat, dass „Rechtsradikale sich von der Illusion verabschieden müssten, Deutschland gehöre nur den Deutschen.“

Quelle:
Correctiv

Daniel Cohn-Bendit

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Wir, die Grünen, müssen dafür sorgen, so viele Ausländer wie möglich nach Deutschland zu holen. Wenn sie in Deutschland sind, müssen wir für ihr Wahlrecht kämpfen. Wenn wir das erreicht haben, werden wir den Stimmenanteil haben, den wir brauchen, um diese Republik zu verändern.

Für dieses Zitat gibt es keinen Beleg.

Das Zitat kursiert seit Jahren im Netz. Unter anderem berichtete auch Der Westen, im Jahre 2015 darüber und weist auf fehlende Quellen zur Herkunft des Zitats hin.

Quellen:
Correctiv
Der Westen

Robert Habeck

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Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.

Dieses Zitat stammt aus seinem Buch Patriotismus: ein linkes Plädoyer.

Habeck hatte diesen Satz auf Flyer gedruckt und 2019 in der Ortschaft Glashütte (Erzgebirge) aufhängt – darunter „Dieser Mensch besucht am 12. März Nomos Glashütte“. Die Uhrenmanufaktur Nomos Glashütte bietet ihren Mitarbeitern Workshops an (anonym), um politische Aussagen zu überprüfen. Habeck hat über sein 19-jähriges Ich gesprochen – und geschrieben – und darüber, wie er damals die Bedeutung des kommunistischen Zusammenbruchs nicht begriff.

Quellen:
Der Tagesspiegel
Leseprobe des Buchs „Patriotismus: ein linkes Plädoyer“
Wikiquote

Katrin Göring-Eckardt

Screenshot by mimikama.at

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Natürlich gehört der Islam zu Deutschland, und natürlich gehören Muslime zu Deutschland. Und ich finde, darüber können wir ganz schön froh sein. Es wäre sehr langweilig, wenn wir nur mit uns zu tun hätten.

Dieses Zitat stammt aus einem Radio-Interview.

Es handelt sich hiebei um einen Teil der Antwort in einem Radio-Interview mit rbb radioeins im Zuge der Bundestagswahl 2017. Ab Minute 09:03 geht es um die Beantwortung von drei verschiedenen politischen Forderungen. Göring-Eckardt antwortet hierbei auf eine Forderung der AfD.

Quellen:
rbb radioeins Radio-Interview

Renate Künast

Screenshot by mimikama.at

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Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher mal türkisch lernen!

Dieses Zitat ist verdreht.

Die genaue Detailanalyse zu diesem Zitat findest du hier.

Stefanie von Berg

Screenshot by mimikama.at

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Es ist gut so, daß wir Deutsche bald in der Minderheit sind.

Dieses Zitat ist eine Fehlinterpretation.

Die genaue Detailanalyse zu diesem Zitat findest du hier.

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