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Ein augenscheinlich spektakuläres Bild macht seit kurzem die Runde. Dabei handelt es sich um ein Selfie, was der Pilot eines Business-Jets anscheinend im Flug bei offenem Cockpitfenster mit Sauerstoffmaske und Selfie-Stick gemacht hat. Ist dies nun echt oder eine Fotomontage?

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Edit, 05.10.2017 12:39 Uhr: Flugzeugtyp korrigiert.

Um dieses Bild geht es:

War da nicht mal was?

In der Tat gab es einen ähnlichen „Stunt“ schon mal vor einer Weile. Damals haben die Spiegelungen in der Sonnenbrille verraten, dass es sich um einen Fake handelte.

Aber was ist nun mit diesem Bild? Immerhin haben wir es hier mit einer wild wehenden Krawatte und einer Sauerstoffmaske zu tun…

Sehen wir uns dies mal genauer an

Eine fotoforensische Analyse ist zunächst nicht eindeutig. Rauschanalyse und Fehlerverteilung (Errorlevel) sind unauffällig, jedoch lässt die sogenannte „Principal Component Analysis“ eine Bearbeitung vermuten. Hier ist das Flugzeug gegenüber dem Hintergrund bei einem entsprechenden Betrachtungsmodus mehr abgesetzt als eigentlich zu vermuten.


Also schauen wir als nächstes auf die Bildelemente. Im Fall vom März 2016 waren es Spiegelungen in der Sonnenbrille, die uns auf die richtige Spur brachten. Gibt es hier vielleicht etwas vergleichbares?

Der Pilot

Sieht man sich die Haare des Piloten genauer an, so fällt auf, dass diese für den Fahrtwind, der bei einer derartigen realen Situation vorhanden wäre, erstaunlich ruhig liegen. Auch dass er bei einer derartigen Geschwindigkeit einen Selfie-Stick ruhig halten kann, ist sehr verwunderlich bis unmöglich. Man halte einmal auf der Autobahn den Arm aus dem Seitenfenster, um sich einen Eindruck zu verschaffen.

Hinzu kommt, dass in dem Falle, dass der Selfie Stick dem Piloten aus der Hand fliegt, dieser im schlimmsten Fall im Triebwerk landen würde, was einen Triebwerksausfall und schwere Schäden an der Maschine zur Folge hätte. Kein Mensch, der noch halbwegs bei Trost ist, würde so etwas riskieren.

Das Flugzeug

Allem Anschein nach handelt es sich bei dem Maschine um ein Business Jet der Dassault Falcon 2000, wie uns ein versierter Leser richtig mitgeteilt hatte.

Der sogenannte „Stall Speed“, bei dem ein Strömungsabriss, ein sogenanntes „Überziehen“ einsetzt, liegt bei 85 kts, das entspricht 158 km/h. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass ein Pilot die Geschwindigkeit absichtlich derart reduziert.

Eine weitere Kennzahl ist die sogenannte Vmc, die minimale Geschwindigkeit, bei der das Flugzeug noch manövrierfähig bleibt. Diese liegt bei 90 kts, also ca. 167 km/h. Dabei sich derart aus dem Fenster zu lehnen, ist unmöglich, erst recht nicht mit einem Selfie-Stick.

Desweiteren fällt auf, dass der Air Intake Fan, das Schaufelrad der Turbine sich nicht, oder nur sehr langsam dreht, es sind einzelne Schaufeln zu erkennen.

Weiter fällt auf, dass das Höhenruder am Leitwerk in einer Position steht, die bei dieser Fluglage keinen Sinn ergibt. Dem Höhenruder zufolge müsste das Flugzeug sich dabei in einen steilen Sinkflug begeben.

Perspektivisch vermisst man auch die rechte Tragfläche des Flugzeugs, die zumindest teilweise sichtbar sein müsste.

Fazit

Es handelt sich nach gesundem Menschenverstand unter Berücksichtigung aller technischen Aspekte um einen Fake, eine Fotomontage einer Situation, die, ähnlich wie 2016 schon, am Boden gestellt und später in Photoshop zusammengebaut wurde.

Wie der Pilot die Krawatte zum Fliegen brachte, ist hier letztendlich das einzige „Rätsel“, das noch zu lösen bliebe, jedoch gibt es hier eine Menge „Spielereien“, mit denen man dies bewerkstelligen könnte, beispielsweise die GPU, mit der ein Strahltriebwerk am Boden mithilfe von Pressluft „angeblasen“ werden kann (external bleed air), bis die Geschwindigkeit des Luftstroms im Triebwerk ausreicht, damit dieses selbsterhaltend läuft. Es kann natürlich auch einfach sein, dass der Pilot die Krawatte selbst hochgeworfen hat, oder irgendein anderer Trick verwendet wurde. In einer im Bild erkennbaren Flughöhe wurde dies jedoch sicherlich nicht aufgenommen.

Autor: Rüdiger, mimikama.at