Faktencheck: Pillen im Kuchen sollen zu Lähmung führen

Faktencheck: Pillen im Kuchen sollen zu Lähmung führen

Von | 14. November 2019, 10:08

Ein Video auf Facebook zeigt angeblich „Lähmungs-Pillen“ in einem Kuchen. Der Hersteller distanziert sich von dem Videomaterial.

Aktuell erhalten wir öfter Anfragen zu einem Video, in dem ein Kuchenriegel ausgepackt und zerbröselt wird. Im Inneren des Kuchen befinden sich zwei Pillen. Angeblich sollen diese Tabletten Lähmungserscheinungen auslösen:

Screenshot by mimikama.at

Screenshot by mimikama.at

Ist darüber was bekannt? In den Süßigkeiten sollen Pillen sein, die eine Lähmung verursachen.

Der Faktencheck

Das Video ging Anfang November 2019 viral – das macht den Anschein, es würde sich um eine lokale Sache handeln. Tatsächlich aber wurde das Video laut den Faktencheckern teyit im Irak aufgenommen.

Wie die Kollegen von Snopes berichten, wurden die zwei kleinen Pillen in einem Luppo Kokosnusscreme-Riegel gefunden. Der Kuchen stammt von einem türkischen Hersteller namens Sölen.

Jedoch ist unklar, was genau das Video zeigt und auch nicht, wie die Tabletten in den Kuchen kamen und ob sie wirklich zu Lähmungen führen.

- Werbung -
Aktuelles Top-Thema: Getrennte EDEKA-Kassen für deutsche und polnische Kunden? 

Teyit führte eine gründliche Analyse des viralen Materials durch und konnte das Originalvideo ausfindig machen, welches am 28. Oktober 2019 auf YouTube hochgeladen wurde:

Aufgrund der Sprache, Sorani, die gegen Ende des Clips hörbar ist, vermutet das Faktencheck-Portal, dass es höchstwahrscheinlich in einer kurdischen Region im Nordirak aufgenommen wurde. Auch die Marke des Huhns, die in der Kühltruhe zu sehen ist, ist in dieser Region weit verbreitet.

Ein Sprecher von Sölen bestätigte Teyit, dass der Luppo Coconut Cream-Kuchen speziell für den Export hergestellt wird und in der Türkei kaum zu bekommen ist. Zudem legt der Hersteller seine Qualitätsprüfung offen dar und betont, dass die Produkte nach der internen Kontrolle noch einmal durch eine unabhängige Prüfung geht und schließlich ein letztes Mal vom Zoll kontrolliert wird.

Eine Manipulation müsse also im Ankunftsland passiert sein.

- Werbung -

Im hochauflösenden Video sehe man desweiteren, dass der Kuchen beim Auspacken Löcher in der Schokoladenglasur aufweist, was natürlich kein eindeutiger Beweis dafür ist, dass tatsächlich jemand die Süßigkeit präpariert hat. Entscheidend sei auch, dass einige Filtrationssysteme, die zur Herstellung der Teig-, Sahne-, Schokoladen- und anderen Füllungen verwendet werden, Partikel mit einer Höhe oder Breite von mehr als 700 Mikron (0,7 Millimeter) blockiert.

Der Produktionsprozess sei auch vollständig automatisiert, was bedeutet, dass die Komponenten jedes Snacks „von Menschenhand unberührt“ sind.

Laut Teyit gehen Journalisten aus der Region davon aus, dass die Manipulation der Kuchen politisch motiviert sein könnten. Zum Beispiel um eine populäre türkische Marke als Teil der anhaltenden kurd-türkischen Spannungen zu diskreditieren.

In einem Statement an Snopes distanziert sich Sölen entschieden von diesem viralen Video und man werde rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen einleiten.

Fazit

Es ist unklar, wie die Pillen in den Kuchen kamen und ob sie wirklich gesundheitsgefährdend sind. Eine Möglichkeit besteht darin, dass der Kuchen bewusst manipuliert wurde, um Zuschauer in die Irre zu führen und ein türkisches Produkt zu diskreditieren.

Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass es sich bei den gezeigten Objekten wirklich um Tabletten handelt. Der Kuchen wird zudem speziell für den Verkauf im Irak hergestellt und ist in anderen Ländern relativ schwer zu bekommen.

Wir brauchen deine Unterstützung
An alle unsere Leserinnen und Leser! Wir haben keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten offen halten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama auch weiterhin geben
. Hier kannst Du unterstützen: via
PayPal, Steady oderPatreon

Aktuelles:

- Werbung -