Unter dem Titel “verschwiegenes Drama” zeigt sich derzeit auf beispielhafte Weise, wie sich per “Stille-Post” Verfahren und Auslassung von Informationen ein verzerrtes Bild einer Situation entwickelt.

- Sponsorenliebe | Werbung -

Diese verzerrte Situation entsteht durch die folgende Meldung, welche sich auf einen Pfarrer bezieht, der sich in Erfurt angezündet habe und kein TV-Medium darüber berichtet habe.  Es handelt sich hierbei um den recht kurzen Inhalt eines Blogs mit dem Namen “Deutschland-Lüge. Hier liest man einen Artikel mit der Überschrift “Verschwiegenes Drama am Reformationstag in Erfurt: Pfarrer verbrennt sich selbst aus Angst vor dem Islam! – uncut-news.ch”  [1]:

Während am vergangenen Dienstag fast überall in Deutschland, teilweise mit großem Pomp der Reformationstag begangen wurde, ereignete sich in Erfurt ein Drama. Kein TV-Medium hat – meines Wissens nach – Quelle: Verschwiegenes Drama am Reformationstag in Erfurt: Pfarrer verbrennt sich selbst aus Angst vor dem Islam! – uncut-news.ch

Das ist auch bereits der komplette Text des Artikels. Auffällig ist der abgebrochene Satz zum Ende dieser Kurzinformation, man merkt, dass dieser Text gekürzt ist. Auf Facebook zeigt sich dieser Artikel in folgender Optik:

image

Quellhopping: von Quelle zu Quelle

Dieser Blogeintrag hinterlässt nun dass Gefühl, dass sich am letzten Reformationstag (31.10.2016) ein Pfarrer selbst verbrannt hat, da er Angst vor dem Islam hat. Parallel dazu liest sich ein “Lügenpresse” Vorwuf heraus, da niemand darüber berichtet hat.

Aufgrund des abgebrochenen Satzes schaut ist es sinnvoll, die angeführte Quelle anzuschauen. Diese nennt sich “uncut-news.ch” und dort ist der Artikel tatsächlich ganze 2 Sätze länger, man hat also gekürzt. Die etwas längere Version auf “uncut-news” trägt zusätzlich jene Sätze [2]:

Kein TV-Medium hat – meines Wissens nach – darüber berichtet.

Zu absurd, zu surreal ist das für die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.

Das ist geschehen:

Der 73-jährige Pfarrer im Ruhestand, Roland W.,  übergoss sich während eines Kantatengottesdienstes zur Feier es Reformationstages  in einer Baugrube des….

Dieser Artikel hinterlässt denselben Inhalt und schreibt den Medienvorwuf deutlich aus: niemand habe darüber berichtet. Ebenso wird die Information um den Pfarrer in den direkten Kontext zu der Flüchtlingspolitik der “Bundesregierung” gesetzt.

Doch auch “uncut-news” ist nicht die ursprüngliche Quelle, sie haben diese Information ebenso in verkürzter Version von anderer Stelle übernommen. Ohne groß Umschreibungen oder Erklärungen sind lediglich die letzten zwei Worte auf “uncut-news” mit einem Link untermalt. Kein Hinweis darauf, wohin es geht und auch DASS verlinkt wird.

Die Reise geht an dieser Stelle auf den Webblog des Publizisten Guido Grandt. Hier findet man nun den ursprünglichen Artikel, der von den anderen beiden Blogs übernommen wurde. Jedoch titelt der Autor über dem Artikel vom 04. November 2016 [3]:

Bereits 2006+++Verschwiegenes Drama am Reformationstag in Erfurt+++Pfarrer verbrannte sich selbst aus Angst vor dem Islam!

Während am vergangenen Dienstag fast überall in Deutschland, teilweise mit großem Pomp der Reformationstag begangen wurde, fand ein Drama seine Vergessenheit, das sich schon vor 10 Jahren abgespielt hat:

Der 73-jährige Pfarrer im Ruhestand, Roland W.,  übergoss sich während eines Kantatengottesdienstes zur Feier es Reformationstages  in einer Baugrube des Augustinerklosters mit Benzin  und zündete sich selbst an.

Ebenso wird hier angegeben, dass es sich bei dem Foto lediglich um ein Symbolbild handelt. Mit diesen neuen Informationen ergibt sich nun ein neues Bild, welches in dem historisch korrekten Kontext dann auch Parallelfundstellen aufweist. So schrieb der Spiegel am 01. November 2006 [4]:

Pfarrer verbrennt sich aus Angst vor dem Islam

In einem Erfurter Kloster hat sich ein evangelischer Geistlicher selbst verbrannt. In Abschiedsbriefen an seine Frau gibt er als Motiv Sorge vor der Ausbreitung des Islam an. Vorgesetzte, Kollegen und Bekannte sind entsetzt.

Fassen wir also zusammen:

Verfälschung durch Auslassen von Informationen

Aufgrund des Auslassens wichtiger Informationen gewinnt die Meldung um den Erfurter Pfarrer zum einen eine neue Dramatik, da sie oftmals historisch falsch einsortiert wird, zum anderen wird ein falsches Bild über die Berichterstattung dargestellt, denn NATÜRLICH hat niemand in den letzten Tagen diese “News” vertrieben, da sich der Pfarrer bereits vor über 10 Jahren anzündete.

Vor 10 Jahren dagegen gab es Medienmeldungen, hier ein kleiner Auszug:

Weiterführende Ursachensuche:

Selbstverbrennung eines Pfarrers Das Fanal, das keiner versteht

-Mimikama unterstützen-

Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

Kannst du uns bitte einen kleinen Gefallen tun? Mehr Menschen denn je lesen die Artikel von mimikama.at, aber die Werbeerträge sinken rapide. Anders als andere Organisationen haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten so offen wie möglich halten. Der unabhängige Enthüllungsjournalismus von mimikama.at bedeutet jedoch harte Arbeit, er kostet eine Menge Zeit und auch Geld. Aber wir tun es, weil es wichtig und richtig ist, in Zeiten wie diesen Internetnutzer mit transparenten Informationen zu versorgen. Wir hoffen, dass du es schätzt, dass es keine Bezahlschranke gibt: Unserer Auffassung nach ist es demokratischer für Medien, für alle zugänglich zu sein und nicht nur für ein paar wenige, die sich dieses "Gut" leisten können. Durch deine Unterstützung bekommen auch jene einen Zugang zu diesen Informationen, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben.

Folgende Unterstützungsmöglichkeiten bieten wir an: via PayPal,via Steady