Faktencheck: Grünen-Politikerin verteidigt Mord an vergewaltigter Studentin?

Faktencheck: Grünen-Politikerin verteidigt Mord an vergewaltigter Studentin?

Von | 31. August 2018, 10:24

Das angebliche Zitat von Petra Klamm-Rothberger – ein Fake der Sonderklasse!

Bereits Anfang des Jahres kursierte eine mutierte Version diesen Fakes durch die sozialen Netzwerke. Und was bekanntlich in das Internet gelangt, bleibt auch dort und wird von Zeit zu Zeit wieder hervorgekramt.

Da wundert es nicht, dass dieser Fake erneut umgeht:

Screenshot by mimikama.at

Screenshot by mimikama.at

Grünen-Politikerin verteidigt Mord an vergewaltigter Studentin:

In der Heimat des Täters werden vergewaltigte Frauen zum Tode verurteilt.
Deshalb musste er sie nach der Vergewaltigung töten. Für diese kulturellen Unterschiede müssen wir Verständnis haben.

Der Faktencheck

Wie bereits erwähnt, ist uns dieses Bild schon länger als Fake bekannt. Kollege Andre schrieb im März 2018 folgendes:

Es handelt sich bei dem folgenden Bild übrigens um einen meiner Lieblingsfakes. Das liegt an der kompletten Geschichte, die zu diesem Fake gehört. Doch beginnen wir von vorne: Wer hinter dem folgenden Sharepic die skandalöse Stellungnahme einer GRÜNEN Politikerin vermutet, ist einem Fake aufgesessen:

“Grünen-Politikerin verteidigt Mord an vergewaltigter Studentin” lautet die Falschmeldung. Doch Vorsicht! Ein Screenshot dieser Falschmeldung hat ein Eigenleben entwickelt. Abgekoppelt von seiner Quelle und der ursprünglichen Intention ist dieser Screenshot nicht mehr zu verstehen und kann die eigentliche Wirkung, zu welcher er erfunden wurde, nicht mehr leisten.

Dieser Screenshot tauchte zum ersten mal im Dezember 2016 auf. Selbst wenn man die Herkunft des Screenshots NICHT kennt, so kann man ihn problemlos als Fake identifizieren. Drei mehr oder weniger einfache Punkte beweisen, dass es sich um eine Fälschung handelt:

Screenshot by mimikama.at

Screenshot by mimikama.at

1. Der Name

Es gibt keine Politikerin der GRÜNEN, die diesen Namen trägt. Eine einfache Google-Suche nach dem Namen bringt kein Ergebnis in dieser Richtung [1].

2. Der Tweet

Zugegeben, heute hätte das so funktioniert, jedoch im Dezember 2016 war das noch nicht machbar: Twitter hatte seinerzeit eine Begrenzung von maximal 140 Zeichen pro Tweet, dieser angebliche Tweet liegt mit 164 Zeichen weit darüber.

3. Das Foto

Die Suche nach dem Gesicht hat ergeben: Es handelt sich um ein sogenanntes Stockfoto, also ein Bild aus einer Bilderdatenbank. Dieses Foto ist beispielsweise bei Pixabay zu finden und wird auf einer Vielzahl von Webseiten verwendet [2].

Herkunft

Was man an dem Sharepic leider nicht mehr erkennen kann, ist seine Herkunft! Dieser Fake wurde ursprünglich auf einer Webseite mit dem Namen Moselkurier veröffentlicht.

Dieser Moselkurier war jedoch eine geplante Aktion, mit der klar gemacht werden sollte, wie einfach es ist, auf erfundene Nachrichten hereinzufallen. Um nicht enttarnt zu werden, haben die Macher des Moselkuriers die gesamte Szenerie in einer Fake-Fake Story verpackt. Nach den damaligen Angaben der Seite “Moselkurier” war im Impressum ein “Alfonso Mbambe” als Inhaber genannt. Hierzu gibt es auch ein ganz tolles Erklärvideo, wer dieser Alfonso sein soll:

Dieses Video ist natürlich ebenso Unsinn. Die Webseite “Moselkurier” wies zwar Mbambe als Inhaber aus, doch eine Suchmaschinensuche nach der Impressumsanschrift enthüllte das ganze Unterfangen. Die Impressumsanschrift war in diesem Falle die Adresse der Turbokultur GmbH in Berlin.

Es handelte sich also ursprünglich um ein Fake-Fake Projekt. Dieses hat jedoch im Nachhinein eine ganz eigene Dynamik bekommen: Unbekannte Dritte haben von dem Bild einen Screenshot gemacht und diesen losgelöst vom alten Kontext verbreitet. Sprich: Jemand hat dieses Story für WAHR genommen und nicht erkannt, dass es sich um eine bewusst herbeigeführte Irreführung handelte.

Turbokultur

Und wer ist nun Turbokultur?

Als Bastard aus Filmproduktion und Web-Agentur ist Storytelling im Netz unsere Spezialdisziplin. Von Comedy-Show bis Opinion Leading schrauben wir schon etwas länger am deutschen Internet.

Turbokultur mit Sitz in Berlin: Erinnert sich noch wer an die Masters of Germany? Stammt aus demselben Haus.

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