Organspende iPhone

Organspende durch Erwerb eines iPhones – Die große Verschwörung?

Von | 29. Januar 2020, 13:02

Derzeit kursiert ein Video auf YouTube und Facebook in dem behauptet wird, dass durch den Erwerb eines Apple iPhones und der Benutzung der Health App die stille Zustimmung zur Organspende gegeben wird.

Das Wichtigste über Organspende und iPhone in Kürze:

  • Video kritisiert iPhone und App
  • Benutzung der Health App macht nicht automatisch zum Spender
  • Staaten regeln Organspende unterschiedlich

Laut dem Video wird durch Erwerb und Benutzung eines iPhones und der darauf automatischen installierten Health App die stille Zustimmung zur Organspende gegeben.

Außerdem wird die Theorie in den Raum gestellt, dass durch Spende von Organen und Blut ein Teil der Persönlichkeit, Traumata und Seele auf den anderen Menschen übertragen werden, die bei einer etwaigen Reinkarnation dann fehlen.

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Der Ursprung des Videos liegt auf YouTube, es wird jedoch ebenso auf Facebook verteilt und von der Warnung begleitet, dass man die entsprechende App auf dem iPhone nicht nutzen sollte.

Der Faktencheck:

In Deutschland herrscht nach wie vor die Zustimmungsregelung, das bedeutet die Bereitschaft ein oder mehrere Organe nach dem ärztlich festgestellten Hirntod nur durch ausdrückliche Zustimmung erfolgen kann. Nach Zustimmung erfolgt die Ausfolgerung eines Organspendeausweises. An dieser Stelle muss ausdrücklich festgehalten werden: Schweigen gilt in Deutschland nicht als Zustimmung! Eine andere Zustimmung außer über den Erwerb eines Organspendeausweises ist nicht möglich. Selbst wenn Apple in ihrer AGB völlig absurderweise die Zustimmung der Organspende festlegen würde, so könnte daraus keine rechtliche Wirkung erwachsen, da dies nicht den deutschen gesetzlichen Regelungen entspricht.

In Österreich herrscht die Widerspruchsregelung. Hier ist also jeder Organspender, der nicht ausdrücklich einer Organspende widerspricht und sich hierfür in das entsprechende Register eintragen lässt. Auch dies hat mit der Health Apple App nichts zu tun, sondern ist vom österreichischen Gesetzgeber geregelt. Theoretisch wäre also ein Widerspruch auf der Health App (so es denn möglich wäre) nicht gesetzeskonform und würde ignoriert werden.

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An dieser Stelle ist kurz festzuhalten, dass die Funktion der Organspende in der Health App allen voran für den amerikanischen Markt gedacht war und nur amerikanische Nutzer sich für die Organspende via iPhone melden können.

Um an dieser Stelle jegliche Zweifel auszuräumen. Stirbt ein Deutscher in Österreich oder Amerika sind die dortigen Krankenhäuser trotzdem nicht berechtigt, Organe zu entnehmen, da diese Regelungen nur für eigene Staatsbürger gelten. Selbst die stillschweigende Zustimmung über die Health App würde an dieser Regelung nichts ändern.

Organspende staatlich geregelt

Die Diskussion über Organspende ist in den letzten Wochen auch in Deutschland emotional geführt worden. Anstoß gibt die jährlich erscheinende Statistik von Organspendern und Appellen von Krankenhäusern, dass eine dauerhafte Knappheit an Spenderorganen herrscht.
2019 ist die Zahl der Spender in Deutschland von 955 (2018) auf 932 geschrumpft. Jeder Spender ermöglicht im Schnitt drei Menschen ein Überleben mit seinen gespendeten Organen. Insgesamt wurden 2019 bei einer Einwohnerzahl von ca. 80 Mio. Menschen 2995 Organe gespendet.

In Österreich ist (bedingt durch die Widerspruchslösung) die Situation anders. Hier wurden 2018 bei einer Einwohnerzahl von ca. 8 Mio.(also einem Zehntel der deutschen Bevölkerung) 795 Organe gespendet.

Aus diesem Grund gab es auch den Vorstoß des deutschen Gesundheitsminister Jehns Spahn in Deutschland eine ähnliche Regelung einzuführen um die Spenderanzahl zu erhöhen.

Rechtlich gesehen darf die Spende eines Organs in beiden Ländern nur freiwillig und unentgeltlich geschehen und Organe dürfen nur nach festgestelltem Hirntod nach ärztlicher Freigabe entnommen werden.

Anmerkung

Der zweite Teil des Videos ist einem Faktenchecking schwer zugänglich. Es gibt keine fundierten wissenschaftlichen Studien, die eine Übertragung von Charakteristika oder Traumata (die nicht das Organ selbst betreffen, wobei dieses dann vermutlich unbrauchbar für eine Transplantation wäre) nachweisen konnten.

Die Existenz einer Seele oder Reinkarnation ist einem Faktenchecking schwer zugänglich und kann an dieser Stelle nicht behandelt werden.
Tatsache ist jedoch, dass durch einen einzelnen Organspender im Schnitt drei Menschen eine neue Lebenschance erhalten und jedes Jahr viele Spender monatelang vergeblich auf den rettenden Anruf warten, sondern versterben.

Zusammengefasst dienen Videos wie dieses eher zur Panikmache und Clickbait, und widersprechen jeder gängigen gesetzlichen Grundlage und entbehren jeglicher faktischen Grundlage in Hinsicht auf Organspenden und Übertragung von Charakteristika und Traumata durch Blut- oder Organspenden.

Verweise:

Autor Alexander Herberstein

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Faktencheck: Behauptungen über die Organspende (HIER)

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