"Organmafia" in Hamm unterwegs? - Fake!
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Alle Jahre wieder… ist im Sommer die „Organmafia“ unterwegs. So auch dieses Jahr, wie die Polizei NRW Hamm berichtet und betont, dass es sich um einen Fake handelt.

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So schreibt die Polizei NRW Hamm auf ihrer Facebookseite:

#FakeNews#Bulgarische #Organmafia im Bereich #Hamm unterwegs – „Alter Hut“ in neuer Stadt

Folgende Story kursiert aktuell in den sozialen Medien, insbesondere in der einen oder anderen WhatsApp-Gruppe:

Unbekannte würden im Bereich Hamm Kinder in Fahrzeuge locken, um sie zu entführen, zu töten und anschließend ihre Organe auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Die Polizei habe gesagt, dass es sich bei den Tätern um die bulgarische Organmafia handeln würde.

Das sind Fake-News und das sind die Fakten:

Bei uns ist seit Jahren nicht ein einziger Fall bekannt geworden, indem Kinder entführt wurden oder werden sollten. Auch irgendwelche Ermittlungen oder Festnahmen haben in dieser Sache nicht stattgefunden.

Wenn eine so schwere Straftat wie Kindesentführung stattfindet, berichten sowohl wir als auch die Medien darüber.

Wer auch immer die Nachricht verfasst und verbreitet hat, lügt und schürt damit unnötig Ängste, insbesondere bei Eltern.

Diese Form einer Fake-News ist nicht neu. Auch andere Städte und Gemeinden wurden in der Vergangenheit schon mit solchen Meldungen „konfrontiert“.

Ist das echt ein „alter Hut“?

Aber so richtig alt! Die angebliche bulgarische Organmafia beschäftigt uns schon, seit es Mimikama gibt, also seit 2011. genau genommen berichteten wir im Oktober 2011 darüber.
Aber die Geschichte ist noch viel älter: Die erste Version einer solchen Geschichte, die wir bei unseren Recherchen haben ausfindig machen können, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Dabei ging es um ein Kind, was bei einer Feierlichkeit abhanden kommt und mit ausgestochenen Augen gefunden wird.

Sie sind überall!

Zeit und Ort wechseln, die Komponenten sind jedoch immer dieselben: Männer, vorzugsweise mit südländischem Aussehen, wahlweise aus Rumänien oder Bulgarien, sind mit Transportern unterwegs, um Kinder zu fangen. Oftmals sind diese Nachrichten auch mit einem angeblichen Beweisfoto zweier junger Männer in einem weißen Transporterversehen. Im Jahre 2014 erreichte diese Hysterie vor organklauenden Ausländern einen solchen Höhepunkt, dass wir dazu einen ständig aktualisierten Artikel schrieben.

Screenshot Mimikama.at
Screenshot Mimikama.at

Was soll das also?

Es wird mit den Urängsten der Menschen gespielt, indem eine Begebenheit geschildert wird, die man niemals erleben möchte. Das treibt die Leser dann auf Facebook und auf WhatsApp zum Teilen an. Per se nicht verwerflich, aber der „Peter und der Wolf“ Effekt ist nicht von der Hand zu weisen: Kursiert wirklich mal eine echte Warnmeldung, geht diese im Sumpf der sinnfreien Kettenbriefe voller urbaner Legenden unter.

Daher sollte vom Teilen solcher Beiträge generell abgeraten werden, es sei denn, es handelt sich um eine offizielle Warnmeldung z.B. der Polizei. 

 

 

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