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Gerade in der heutigen Zeit, mit der Fülle an Informationen, ist es oftmals schwierig Wahrheit von Fiktion zu unterscheiden. Insbesondere bei kontroversen Themen gibt es, je nach politischer und sozialer Grundeinstellung, verschiedene Sichtweise, was auch völlig verständlich und in weiten Teilen auch in Ordnung ist.


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Jede „Seite“ wirft dann der anderen Seite gezielte Manipulation vor. So auch in dem Fall des Mitte März verunfallten NPD Politikers Büdingen, aus dem Wetteraukreis in Hessen. Die „Frankfurter Rundschau“ berichtete dazu zwei Syrische Flüchtlinge wären die ersten gewesen, die ihm Ersthilfe geleistet und ihn aus dem Autowrack gezogen hätten.

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NPD Politiker und Flüchtlinge, es ist nicht weiter verwunderlich, dass sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete. Der Polizeibericht als nüchterne Quelle [1] gibt zunächst gar keine Informationen dazu:

Fahrt endet am Baum

Büdingen: Ein 29-jähriger Altenstädter kam am heutigen Morgen, gegen 09 Uhr, mit seinem VW auf der Bundesstraße 521 zwischen Altenstadt und Düdelsheim aus noch ungeklärter Ursache von der Fahrbahn ab. Dort prallte der PKW gegen einen Baum, wobei der Fahrer sich schwer verletzte. Ein Krankenwagen verbrachte ihn in ein Krankenhaus. Der PKW musste abgeschleppt werden.

Nach Aussage der Frankfurter Rundschau [2] gibt es zu diesem Unfall nun die Geschichte um die helfenden Flüchtlinge. Diese sind jedoch nicht beweislich festgehalten, wir betonen an dieser Stelle: es handelt sich um Aussagen!

Noch bevor ein Rettungswagen am Unfallort eintraf, war Jagsch nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Büdingen von zwei Flüchtlingen aus dem Auto gezogen und notdürftig versorgt worden. Als schließlich die Polizei am Unfallort eintraf, waren die Ersthelfer bereits weitergefahren.

Am 27.03.2016 erschien dann auf dem Blog des Publizisten Ramin Peymani eine andere Darstellung, so sollen zwar syrische Flüchtlinge anwesend gewesen sein, aber die Ersthilfe hätten sie nicht geleistet, dies habe dem Verfasser gegenüber auch ein Feuerwehrmann bestätigt [3]. Eben wohl aus jener Feuerwehr, die gegenüber Frankfurter Rundschau die Rettung durch Flüchtlinge erwähnt haben.

[…]Ich war überrascht von der Bereitwilligkeit, mit der die von mir kontaktierten Vertreter der beteiligten Einsatzkräfte sowie die Mitarbeiter der Behörden Auskunft gaben. Und so ist es offenbar abgelaufen: Zum Zeitpunkt des Unfallgeschehens am Morgen des 16. März 2016 befuhren auch zwei Busse mitAsylbewerbern der Erstaufnahmeeinrichtung in Büdingen die Bundesstraße 521. Einer der Busfahrer stieg aus, um am verunglückten Fahrzeug zu sehen, was getan werden könne. Er rief seinen Kollegen zu sich, um ihm zu helfen, den verunglückten Fahrer loszuschnallen und aus dem Auto zu befreien. Später stiegen auch einige Asylbewerber aus den Bussen und traten hinzu. Die „Rundschau“ beruft sich in ihrer Darstellung von den syrischen Rettern auf einen Feuerwehrmann, der jedoch – wie er mir mitteilte – lediglich gehört hatte, wie ein Dolmetscher auf Befragen durch einen Sanitäter angab, der Fahrer sei losgeschnallt worden.[…]

Demnach wären die Busfahrer die Retter gewesen.

Informationen aus dpa Pressemeldung

Bereits am 22.03.2016 in der „WAZ“ und am 24.03.2016 in der „Augsburger Allgemeinen“ fand man eine Textpassage nach der ein Sprecher der freiwilligen Feuerwehr Bündingen den Vorfall, wie von der Frankfurter Rundschau geschildert, bestätigt.

[…]Die beiden Retter des hessischen NPD-Politikers Stefan Jagsch hätten zu einer Gruppe Asylsuchender gehört, die zufällig in zwei Bussen am Unfallort vorbeifuhren, sagte am Dienstag ein Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Büdingen und bestätigte damit einen Bericht derFrankfurter Rundschau..[…]

(Aus der Augsburger Allgemeinen [4])

[…] Ein mit seinem Auto verunglückter Politiker der rechtsextremen NPD ist bei Büdingen im Wetteraukreis (Hessen) von zwei syrischen Flüchtlingen aus dem Wrack gezogen worden. Die beiden Retter des hessischen NPD-Politikers Stefan Jagsch hätten zu einer Gruppe Asylsuchender gehört, die zufällig in zwei Bussen am Unfallort vorbeifuhren, sagte am Dienstag ein Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Büdingen und bestätigte damit einen Bericht der „Frankfurter Rundschau“. […]

(Aus der WAZ [5])

Beide Zeitungen bekommen einen Teil ihrer Meldungen von der dpa, so auch in diesem Fall, welcher Teil aus dem Bericht jetzt aus dem dpa Text stammt und welcher selber recherchiert wurde, können wir nicht genau sagen.

Der Autor selbst

Der Journalist Hanning Voigts, Redakteur bei der Frankfurter Rundschau, war derjenige, der den ursprünglichen Artikel verfasste. Er war es ebenso, der die erste Recherche zu dem Thema vollzog. In seinem privaten Blog beschreibt er sehr ausführlich, was er damit ausgelöst hat [6].

Ich machte mich an die Arbeit, telefonierte einmal quer durch die Wetterau und hatte Erfolg: Polizei, Feuerwehr und andere Beteiligte bestätigten mir meine Informationen und nannten weitere Details. Weil ich trotzdem nur wenige Fakten hatte und sowieso kein Platz in der Zeitung vom nächsten Tag war, wurde nur ein schmaler Text aus meiner Recherche, kaum mehr als eine Meldung.

Der Blogartikel ist zwar etwas länger, aber dafür recht detailreich.

Direkt gefragt

Tatsache ist, dass Hanning Voigts Recherche und die Veröffentlichung von Ramin Peymani sich gegenüber stehen, daher werden wir als dritten Weg versuchen, jetzt selber an entsprechende Informationen zu kommen. Wir werden Kontakt mit den Behörden vor Ort, aber auch mit der beteiligten freiwilligen Feuerwehr aufzunehmen. In der Pressemitteilung der Polizei ist keine Rettung durch Flüchtlinge vermerkt, im Grunde ist dort gar keine Rettung durch Dritte vermerkt, insofern ist da alles offen.

Bis hier hin stehen sich hier zwei Meinungen gegenüber, die wir weder in die eine noch in die andere Richtung beurteilen wollen und können, aber wir bleiben für Euch am Ball und sobald es Neuigkeiten zu dem Verlauf gibt, ergänzen wir es hier durch ein Update.

 

(Jens & Andre)