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Was soll ich bloß mit meinem Erbe tun? Oh! Ich verschenke es natürlich an jemand Fremdes auf Facebook!

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Wir erhielten eine Warnung vor einem “Erbe”, das Facebook-Nutzern angeboten wird.

Dafür muss man bestimmte Bedingungen erfüllen, um in den Genuss mehrerer Millionen Euro zu kommen.

Es geht um folgendes Angebot, das von Fake-Profilen verschickt wird:

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Bild im Klartext:

Danke Lieber Freund für die Annahme meiner Freundschaftsanfrage, meine Entscheidung, Sie zu kontaktieren, ist, weil ich vor kurzem mit Lungenkrebs diagnostiziert wurde und der Arzt sagte, dass ich weniger als 6 Wochen habe, um zu leben. Da mir diese plötzliche Nachricht angekündigt wurde, habe ich in der Vergangenheit über mein Leben nachgedacht. Es ist schmerzhaft, dass wir nach 26 Jahren friedlicher Ehe mit meinem verstorbenen Ehemann Malachi das einzige Kind verloren haben, das unseren zahlreichen Reichtum geerbt hätte. In der Vergangenheit habe ich angemessene Spenden an die Opfer des Erdbebens in Haiti und kürzlich an dieselben Opfer in Japan und Thailand geleistet. Jetzt, wo sich meine Gesundheit allmählich verschlechtert, kann ich das nicht mehr alleine tun. Ich möchte unbedingt die armen und bedürftigen Menschen erreichen, aber ich würde es vorziehen, dies mit Hilfe einer freundlichen Person fortzusetzen. Ich möchte, dass Sie die folgenden Fragen beantworten: (1) Bist du eine gottesfürchtige Person? (2) Wenn ich Ihnen (15,5) fünfzehn Millionen fünfhunderttausend US-Dollar spende, können Sie es sinnvoll einsetzen, um meinen Herzenswunsch zu erfüllen, armen Menschen um Sie herum zu unterstützen? (3) Werden Sie eine Wohltätigkeitsstiftung im Namen meines Mannes und 1 eröffnen? Ich möchte, dass du in meiner Gedenkstätte ein mutterloses Babyhaus aufstellst, wenn ich weg bin, dann halte 50% für deine Mühe. Bitte antworten Sie mir so bald wie möglich.

Diese Art von Angebot ist uns bereits sehr vertraut. Denn seit Jahren versuchen Kriminelle, gutgläubige Internet-Nutzer um ihr Geld zu bringen.

Es handelt sich also zu 99,9% um einen BETRUGSVERSUCH!

Die Nigeria-Connection und der Vorschussbetrug

Solche Angebote wurden in der Vergangenheit zuhauf verschickt. Sei es per Email oder auf dem Weg über Soziale Netzwerke… am Ende wollen diese Betrüger an euer Geld.

Neu ist diese Betrugsmasche daher nicht, jedoch nach wie vor sehr aktuell.

Verschickt werden solche Betrugsversuche unter anderem von der so genannten Nigeria Connection, die ihre Opfer um den Finger zu wickeln versucht, um dann durch die entstandene emotionale Nähe um einen finanziellen Vorschuss bitten zu können.

Meldet man sich also auf das oben genannte Angebot, kann man sich zu fast 100% sicher sein, dass man erst mal Transaktionsgebühren von mehreren Tausend Euro zu berappen hat, ehe man in den Genuss eines Millionen-Erbes kommt – oder auch nicht, denn es wird höchstwahrscheinlich kein Erbe geben.

Die Nigeria Connection ist aber keine strukturierte Organisation, sondern es handelt sich hierbei um verschiedene Gruppen von afrikanischen Betrügern. Diese Betrüger leben zum Teil in Europa und zum anderen Teil in Nigeria.

Diese Internetbetrüger haben sich auf Kreditkartenbetrug, Dokumentenfälschung, Vorschussbetrug uvm. spezialisiert und sind seit geraumer Zeit auch mit vielen Fake-Profilen auf Facebook unterwegs.

Sie kontaktieren ahnungslose Facebook-Nutzerinnen, gewinnen ihr Vertrauen und geben nach einiger Zeit vor, sich in einer finanziellen Notlage zu befinden.

Die Hauptzielgruppe solcher Betrüger unterliegt dabei einem recht festgelegten Beuteschema:

  • Weiblich
  • Halbwegs intelligent (muss zumindest über gute Englischkenntnisse verfügen)
  • Alleinstehend
  • Mittleren Alters (sehr junge Frauen verfügen noch über keine finanziellen Ressourcen)

Auf dem Profilfoto des ausgesuchten Opfers muss ein klar erkennbares, lächelndes Gesicht zu sehen sein, denn die Betrüger beziehen sich in den ersten Kontaktversuchen darauf.

Welche Merkmale haben solche Betrüger?

Eine ganz genaue Beschreibung ist leider nicht möglich, da diese Kriminellen äußerst kreativ vorgehen und sich natürlich auch den Gegebenheiten anpassen.

Jedoch gibt es einige Grundkriterien, auf die man achten kann, um sich selbst zu schützen:

  • Altersmäßig dem Opfer angepasst
  • Vorgebliche berufliche Tätigkeit eher im mittleren Management
  • Angeblich geschieden, aber wesentlich öfter verwitwet, Kinder im Schulalter alleine zu versorgen oder ebenfalls verstorben
  • Im Facebook-Profil nicht besonders informativ und keine sichtbaren Postings
  • Vorgespielt empathisch

Und so gehen sie vor:

  • Erstkontakt via Nachricht. Die gesamte Kommunikation erfolgt in Englisch.
  • Profilbild: nicht unattraktive Erscheinung, aber auch kein „Adonis“, im Falle von Erbschaften, sehr betagte liebenswürdige Menschen
  • Berichtartiger Lebenslauf, z. B. „Meine Eltern starben bei einem Unfall, meine Frau bei der Geburt unseres Kindes.“
  • Ausfragen des anvisierten Opfers (= Suche nach Schwächen)
  • Liebesschwüre, die kein realer Mann nüchtern von den Lippen bringen würde.
  • Es tritt ein unvermitteltes Ereignis auf, z. B. „Piraten kommen“ (= skurilste Version). Oft ist die Geschichte aber dennoch in sich schlüssig als Begründung für eine daraus folgende Notlage..
  • Bitte um finanzielle Leihgabe (Betrag im vierstelligen Eurobereich) unter Einsatz von massivem, emotionalen Druck und unter Vorlage sog. „Beweise“ als Datei
  • Nach Gelderhalt – Geld weg und unbekannter Verehrer natürlich auch oder frühzeitig verstorben und kein Anrecht mehr auf das Erbe

Was kann ich tun, wenn mir so jemand schreibt?

Leider handelt es sich bei dieser Form von Betrug rechtlich gesehen um eine Art “Graubereich”.

Der Schaden, den ein solcher Betrüger anrichten kann, ist leider in der Praxis bis dato kaum behebbar, deshalb sollte man seine potentiellen Internet-Bekanntschaften ganz genau unter die Lupe nehmen.

  • Gebt nicht zu viele Informationen von euch Preis
  • Nehmt suspekte Freundschaftsanfragen nicht an
  • Falls es schon passiert ist: Eigene Kontakte verstecken
  • Vorsicht mit Informationen über die eigene Person: Seine Ängste, Träume, familiäre Situation und dgl. erzählt man auch nicht der Kundschaft vor der Kasse im Geschäft, wenn diese fragen würde.
  • Misstrauen bei relativ schneller Anwendung von Kosenamen und dem Begriff „Liebe“ durch das unbekannte Gegenüber ist angebracht
  • Für Mutige: Das Ganze abkürzen und entweder die eigene Ankunft ankündigen oder gleich fragen, wie viel Geld er denn bräuchte!
  • Für Vernünftige: Blockieren und zur Hilfe anderer zukünftiger Opfer eine Meldung bei der fb-Seite „… „ machen.

Zusammengefasst:

Es wird kein Erbe geben.

Auch sonst gibt es eher kaum jemanden im Internet, der so liebenswürdig und freundlich ist und unbedingt sein Geld verschenken möchte.

Also tut es ihnen gleich und verschenkt nicht blindlings Geld an Internet-Bekanntschaften, die ihr noch nie real gesehen habt!

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