Die Katze mit dem zweifarbigen Gesicht

Von | 28. Februar 2018, 12:07

Diese Katze ist keiner Fantasie entsprungen, auch wenn sie Narnia heißt – es gibt sie wirklich!

Wir erhielten Anfragen zu einer Facebook-Seite, auf der eine Katze zu sehen ist, die ein zweifarbiges Gesicht hat.

Auf der einen Seite ist es schwarz, auf der anderen Seite “rauchblau”. Es ist wirklich faszinierend, welche Überraschungen die Natur bereit hält.

Es geht um Narnia:

Quelle: Chatterie de la Grâce

Und ja. Diese Katze – pardon – dieser Kater ist ECHT!

Die Zuchtstätte Chatterie de la Grâce gibt es wirklich. Sie liegt in Frankreich und gehört Stéphanie Jimenez. Sie züchtet die Rassen British Shorthair und British Longhair.

Narnia wurde am 28.03.2017 geboren und hat sogar seinen eigenen Instagram Account.

Sein außergewöhnliches Aussehen regt viele Menschen an, darüber nachzudenken, wie diese spezielle Färbung zustande gekommen sein könnte.

Das führt uns in den Fachbereich der Genetik:

Hinweis:

Die Fellfarben der Katzen werden über das X-Chromosom vererbt. Da Kater XY haben und auf jedem Schenkel des X-Chromosoms eine Farbe stehen kann und das Y quasi leer ist, gibt es beim Kater nur zwei Farben, grundsätzlich.

Chimären-Katze

Bei einer Chimäre handelt es sich um einen Organismus, der aus genetisch unterschiedlichen Zellen/Geweben aufgebaut ist. Dieses Mischwesen stellt trotzdem ein einheitliches Individuum dar.

Das würde im Falle von Narnia heißen, dass sich mindestens zwei Embryonen im Mutterleib zu einem neuen Embryo zusammengesetzt haben müssten:

Also wie kommt einen solche Färbung überhaupt zustande?

Dies wird klar, wenn wir das Beispiel einer klassischen weiblichen Schildpatt-Katze verfolgen, in den Farben Orange und Schwarz:

Weibliche Säugetiere besitzen zwei X-Chromosomen, männliche hingegen ein X- und ein Y-Chromosom.

Wird der Nachwuchs weiblich, wird ein X-Chromosom von der Mutter sowie ein X-Chromosom vom Vater aktiviert. Und jetzt wird es spannend: Ist ein X-Chromosom Träger der Farbe Orange und das andere “nicht Orange”, kann es zu dieser Schildpatt-Färbung kommen.

Bei der Zusammensetzung des Fells wird die aktuelle Zelle immer “gefragt”, welches der beiden X-Chromosomen aktiviert werden soll. So sind während der embryonalen Entwicklung bis zum Zeitpunkt der Festlegung des Geschlechts beide X-Chromosomen wichtig und aktiv. Wurde das Geschlecht nun ausgebildet, wird eines der beiden X-Chromosomen in den Zellen deaktiviert. Das heißt, in manchen Zellen wird das Chromosom der Mutter, in anderen das Chromosom des Vaters behalten.

Und nun bilden sich zwei separate Zelllinien aus. In der einen ist das X-Chromosom der Mutter aktiv, in der anderen das des Vaters.

Bei den Katern ist es nun so, dass diese ja nur ein X-Chromosom haben und daher haben sich zwei Chromosomensätze vermischt, indem zwei Embryonen miteinander verschmolzen sind.

Das nennt man nun eine echte Chimäre!

Klinefelter-Syndrom

Das Klinefelter-Syndrom ist eine Besonderheit im Chromosomensatz und kommt bei allen Säugetieren, auch beim Menschen, vor.

Hier ist der Chromosomensatz der Geschlechtschromosomen XXY und daher gibt es ein Chromosom mehr.

Auch diese Katzen entwickeln sich ganz normal zu Katern, aber auch diese Kater, wie auch bei der Chimäre, sind unfruchtbar.

Hier ist es dann so, wie bei den Katzen, jede Zelle aktiviert ein X-Chromosom und da eben zwei da sind, gibt es auch die Möglichkeit von mehr als zwei Farben.

Was nun bei Narnia der Fall ist, könnte nur eine Genanalyse ergeben, aber im Grunde ist es auch egal, denn dies ist eine wirklich wunderschöne Laune der Natur.

Venus und Narnia

Und Narnia stellt keineswegs die erste Internetsensation einer “two faced cat” dar.

Vor einigen Jahren ging Venus viral. Bei ihr ist nicht nur die spezielle Gesichtsfärbung eingetreten, sondern sie punktet auch noch mit Heterochromie, bei der ein Auge eine andere Farbe hat, als das andere.

Wer nicht genug bekommen kann von Narnia und seiner besonderen Färbung, hier ein kurzes Video, als er noch ein Kätzchen war:

Und auch in die thailändischen Nachrichten hat es der stattliche Brite geschafft:

Weiterführende Themen:

XXY-Syndrom bei Schildpattkatern

Autoren: Anke M. und Kathrin H. – mimikama.at

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