Mit Nadeln in die Fingerkuppen oder ins Ohr stechen, um einen Schlaganfall zu behandeln?

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Ein halb registrierter Teaser auf Facebook zeigt eine Nadel mit einem roten Faden und behauptet in der Schlagzeile, dass man mit einer Nadel im Falle eines Schlaganfalls ein Leben retten kann. Was ist da dran?

Zuerst einmal sollten wir klären, was ist ein Schlaganfall?  Ein Schlaganfall ist eine schlagartig auftretenden Durchblutungsstörung des Gehirns, bei der es zu einem lokalen Auftreten von Sauerstoffmangel und Mangel an Nährstoffen (Glukose) kommt, bei dem dann Hirngewebe abstirbt. Etwa 80-85% der Schlaganfälle sind sogenannte ischämische Infarkte, bei denen ein Blutgefäß plötzlich voll verschlossen ist.

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(Screenshot: Facebook)

Jeder Schlaganfall ist eine lebensbedrohliche Situation und muß sofort ärztlich betreut werden. Die Behandlung zielt immer darauf ab, die Durchblutung wieder herzustellen und den Schaden am Gehirn so klein, wie möglich zu halten, dass kann nur medizinisches Fachpersonal.

Symptome eines Schlaganfalls (aus flexikon.doccheck):

  1. Sehstörungen
  2. Sprachstörungen
  3. Lähmungen und Taubheitsgefühl
  4. Kopfschmerzen
  5. Schwindel und Gangunsicherheit
  6. besonders bei Frauen: Gliederschmerzen, Übelkeit, Schluckauf

Wie kann ich einen Schlaganfall in wenigen Sekunden erkennen? Mit dem FAST-Test!

F – A – S – T steht dabei für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).

Der Test gehört mittlerweile auch in Deutschland zur Grundausbildung von Rettungspersonal. Die meisten Schlaganfälle lassen sich so innerhalb weniger Sekunden feststellen.

  • Face: Bitten Sie die Person zu lächeln.
    Ist das Gesicht einseitig verzogen? Das deutet auf eine Halbseitenlähmung hin.
  • Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen.
    Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, sinken oder drehen sich.
  • Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen.
    Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
  • Time: Wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.

Erste Hilfe: Jede Sekunde zählt!

Je früher einem Schlaganfallpatienten fachgerecht geholfen wird, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden. Durch geeignete Erste Hilfe-Maßnahmen und sofortiges Alarmieren des Rettungsdienstes können daher wertvolle Sekunden gespart werden. Falls möglich, merken Sie sich den Zeitpunkt, zudem die ersten Schlaganfallsymptome aufgetreten sind. Dies ist wichtig für den Rettungsdienst und die weiteren Therapiemöglichkeiten.

Rettung alarmieren und erste Hilfe leisten bei einem Schlaganfall:

  • Sofort den Notruf 112 (Österreich: 144) wählen, auf den Verdacht eines Schlaganfalls hinweisen, die Fragen der Leitstelle beantworten und warten, bis diese das Gespräch beendet.
  • Den Betroffenen beobachten, nicht alleine lassen, ihn beruhigen und mit ihm sprechen.
  • Gegebenenfalls beengende Kleidung lockern, Zahnprothesen entfernen.
  • Nichts zu Essen oder zu Trinken geben, da das Schlucken gestört sein könnte!
  • Ist der Betroffene bei Bewusstsein, mit etwa 30 Grad erhöhtem Oberkörper ruhig lagern, zum Beispiel mit einem Kissen im Rücken.
  • Bei Erbrechen oder Bewusstlosigkeit: Den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen, immer wieder Puls und Atmung kontrollieren.
  • Können Sie keinen Puls oder keine Atmung feststellen, legen Sie den Betroffenen  auf dem Rücken auf eine harte Unterlage (zum Beispiel den Boden) und beginnen Sie unverzüglich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen
  • Teilen Sie dem Notarzt beziehungsweise dem eintreffendem Rettungsdienst die beobachtete Symptomatik und die Vorerkrankungen des Patienten mit. Geben Sie wenn möglich auch eine Liste der Medikamente mit, die der Betroffene einnimmt sowie die Uhrzeit des Auftretens der ersten Schlaganfallsymptome

    https://www.schlaganfall-hilfe.de/notfall

Und was ist nun mit den Nadeln?

Im vorliegenden Artikel wird nun davon berichtet, man solle Nadeln in die Fingerkuppen stechen, bis Blut kommt. Oder man solle die Ohren massieren und in diese mit einer Nadel einstechen und dann mehrere Minuten warten, bis man ins Krankenhaus fährt oder einen Arzt holt.

DAS KANN LEBENSGEFÄHRLICH FÜR DEN PATIENTEN SEIN, WEIL JEDE SEKUNDE ZÄHLT!!!

Weniger die Nadeln, aber das Warten ist immens gefährlich. Zudem gibt es keine ausreichenden Studien zur Akutbehandlung von Schlaganfällen mittels Akupunktur, denn um das handelt es sich hier.

Selbst die der alternativen Medizin sehr zugewante Carstens-Stiftung kommt bei Akupunktur und Schlaganfall zu folgendem Fazit:

„Das Phänomen des „Publication Bias“ scheint bei der Akupunkturbehandlung des Schlaganfalls besonders ausgeprägt.
Ein Großteil der veröffentlichten Studien weist erhebliche wissenschaftliche Schwächen auf, die die Aussagekraft der meisten Studien stark einschränken.
Die Datenlage zur Akupunkturbehandlung des Schlaganfalls ist aus diesen beiden Gründen bei weitem nicht so gut wie es der reine Zahlenvergleich von positiven und negativen Ergebnissen vermuten lässt. Diesem Fehler ist auch die WHO aufgesessen.
Derzeit gibt es keine fundierte Erkenntnis, dass Akupunktur in der rehabilitativen Behandlung des Schlaganfalls sinnvoll ist. Es muss offen bleiben, ob eine möglichst direkt nach dem Schlaganfall einsetzende Akupunkturbehandlung erfolgreich ist, hierzu gibt es zu wenige Studien.
Die Frage nach Nebenwirkungen der Akupunktur spielt bei der Schlaganfallbehandlung sicherlich eine untergeordnete Rolle. Sie ist weitgehend ungeklärt.“

(carstens-stiftung.de)

Also ein dringender Hinweis, bei Verdacht auf Schlaganfall, immer den FAST-Test machen, die Rettung rufen und die empfohlenen Erstmaßnahmen durchführen. Im Normalfall bleibt dann keine Zeit mehr für Nadeln in Fingerkuppen und das ist auch vielleicht ganz gut so. Denn beim Schlaganfall gilt immer: Jede Sekunde zählt!

Autorin: Anke, Mimikama.at

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