Nutzer erhalten Nachnahmesendungen der Platinum Card Services. / Artikelbild: Makistock - Shutterstock.com
Nutzer erhalten Nachnahmesendungen der Platinum Card Services. / Artikelbild: Makistock - Shutterstock.com

Immer wieder erhalten Nutzer Nachnahmesendungen von Platinum Card, ohne etwas bestellt zu haben – was hat es mit diesen Schreiben auf sich?

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Wir erhielten Anfragen zu diesem Statusbeitrag, der vor einer neuen Betrugsmasche warnt:

Es geht dabei um ein Einschreiben, das per Nachnahme von PLATINUM CARD kommt. Der Empfänger soll dafür 99,90 Euro bezahlen.

Der Faktencheck

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtete 2017 über ähnliche Nachnahmesendungen von VeriPay.

Verbraucher meldeten aufdringliche Anrufe und erhielten Kreditkartenrechnungen sowie Inkassoschreiben per Post.

Laut Carmen Friedrich, Teamleiterin des Marktwächters Finanzen in der Verbraucherzentrale Sachsen, erhielt die Verbraucherzentrale Beschwerden aus acht Bundesländern. Der Anbieter VeriPay war ihnen im Zusammenhang mit der Vermittlung von sogenannten Schufa-freien Krediten und Prepaid-Kreditkarten schon länger bekannt.

„Nach eigenen Angaben waren die Betroffenen sich dabei nicht bewusst, in irgendeiner Form eine kostenpflichtige Kreditkarte bestellt zu haben“,

so Friedrich.

Betroffene erhielten nach den Anrufen ähnliche Nachnahmesendungen, die an die 100 Euro kosteten.

Ein Jahr später berichtete der Verbraucherdienst e.V. im November 2018 über zahlreiche Verbraucher, die sich zuerst auf Internetseiten (beispielsweise „sofort.credit“) nach einem „Kredit ohne Schufa“ umgeschaut hatten und kurz darauf eine MasterCard via Nachnahme erhalten hatten.

Hierbei geht es um Nachnahmesendungen von „Platinum Card Services Ltd.„, die laut Kenntnis des Verbraucherdienstes das Inkassobüro Euro Collect GmbH mit der Beitreibung der offenen Beträge beauftragt.

Verweigert man die Annahme der Nachsendung, folgte nach kurzer Zeit eine Zahlungserinnerung und Bestellbestätigung. Die Überweisung soll in diesem Fall an die VERIPAY BV gehen (siehe oben „Nachnahmesendungen VeriPay“). In der besagten Nachnahmesendung ist die beworbene MasterCard nicht enthalten, sondern nur Zugangsdaten für ein Portal namens PAYPRO (www.paypro.sg).[sic Verbraucherdienst e.V.]

In den Unterlagen zur Bestellung ist ein sogenannter „Voucher“ enthalten – ein Gutschein, der üblicherweise für eine bereits bezahlte Leistung erstellt wird. Mittels der Daten des Vouchers soll die bestellte MasterCard auf dem Portal PAYPRO aktiviert werden. Wichtig zu wissen: erst in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen wird deutlich, dass es sich bei der MasterCard um eine PrePaid-Karte handelt, die vor Gebrauch erst einmal aufgeladen werden muss.[sic Verbraucherdienst e.V.]

Der Verbraucherdienst warnt ausdrücklich:

Sollten Sie ein Zahlungsaufforderungen bzw. Mahnung von der Platinum Card Services Ltd., Veripay B.V. oder gar durch ein Inkassounternehmen erhalten haben, sollten Sie unbedingt reagieren. Es handelt sich dabei um keinen Fake, der in der Ablage Papierkorb landen sollte. Handeln Sie jetzt und nutzen Sie unsere Kontaktmöglichkeiten.

Weitere Informationen zu „Platinum Card Services“

Auch der Verbraucherschutz erhielt im Jahre 2016 einige Anfragen zur Platinum Card Services und kontaktierte das Unternehmen.

Unter anderem stellte der Verbraucherschutz folgende Fragen:

Welche Unterlagen erhalten die Verbraucher mit der Post?

Einen “Aktivierungsbogen”, mit dem Sie PLATINUM bevollmächtigen, zu den beiliegenden Karten-AGB und Konditionen eine Mastercard bei einem Kartenemittenten der Wahl zu bestellen und einen Kredit bei einem Kreditbroker zu beantragen. Dieser ist zu unterschreiben und mit Ausweiskopie zurückzusenden.

Ist es die Karte, für die per Nachnahme 59,90 Euro gezahlt werden müssen? Oder sind 98,90 Euro zu zahlen? Oder 96,60 Euro?

Bei www.firstgold.de ist die Ausgabegebühr 49,90 EUR und die Versandkosten von 10,00 EUR = 59,90 EUR per Nachnahme zu zahlen.
Bei anderen Angeboten ist es möglich, dass auch die Jahresgebühr für das erste Jahr vorab per Nachnahme gezahlt wird (zusammen 98,90 EUR), eben so wie es auf der jeweiligen Bestellseite angegeben ist.

Reicht es, wenn ich das Schreiben nicht abhole und somit dem “Vertrag” widerspreche?
Die Annahmeverweigerung reicht nicht.

Seit dem 13.6.2014 hat sich die Rechtslage geändert, der Widerruf muss ausdrücklich erklärt werden. Eine Annahmeverweigerung reicht nicht mehr aus:
http://www.it-recht-kanzlei.de/wirksamkeitsanforderung-verbraucherwiderruf.html

Erklärung des Widerrufs durch den Verbraucher

Nach dem früher geltenden Widerrufsrecht ist die Ausübung des Widerrufsrechts durch den Kunden ohne eindeutige Erklärung gegenüber dem Vertragspartner möglich. Es reichte damals auch die Nichtannahme einer Lieferung oder deren kommentarlose Rücksendung durch den Verbraucher. Dies ändert sich sich mit dem 13.6.2014 nunmehr. Verlangt wird zumindest eine Erklärung des Kunden, dass er sein Widerrufsrecht ausübt.

Die Faxnummer für den Widerruf lautet 0180-5012254 (0,14 EUR / min. aus dem Festnetz, maximal 0,42 EUR aus dem Mobilfunknetz).

Alle Kontaktmöglichkeiten findet man in der jeweiligen Widerrufsbelehrung und unter platinum-group.de/kontakt-platinum-services-gmbh-aachen/

Besonders einfach geht es mit dem Helpdesk:

support.platinum-group.de/

Adressen für den Widerruf:
Platinum Card Services Ltd. (Benelux)
Stationsplein 8-K
6221 BT Maastricht
The Netherlands

Headoffice UK:
Platinum Card Services UK Ltd.
483 Green Lanes
N13 4BS London
England

Hotline: 0800-0005833
Fax: 0180-5014139
0,14 Euro pro Minute aus dem Festnetz; maximal 0,42 Euro pro Minute aus den Mobilfunknetzen
Platinum Card Services UK, Limited ist eine Private Limited Liability Company
(englische Gesellschaft mit beschraenkter Haftung) mit Sitz in London,
die in England und Wales nach dem Companies Act von 1985 mit der
Eintragungsnummer 08425497 gegruendet wurde

Der detaillierte Artikel kann unter Fragen und Antworten zur Kreditkarte vom “Platinum Card Services” eingesehen werden.

Ergebnis:

Seit Jahren erhalten Nutzer immer wieder Nachnahmesendungen von VeriPay oder Platinum Card Services, nachdem sie sich nach einem „Kredit ohne Schufa“ erkundigten. Viele Nutzer waren sich nach eigenen Angaben dabei nicht bewusst, eine Kreditkarte bestellt zu haben.

Der Verbraucherdienst empfiehlt, sich mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen und die Schreiben nicht zu ignorieren, da es sich um keinen Fake handelt. Ein Widerruf muss ausdrücklich erklärt werden – eine Verweigerung der Annahme reicht nicht aus.

Verbraucher, die eine solche Nachnahmesendung erhalten haben, können diese dem Verbraucherdienst, dem Verbraucherschutz und der Verbraucherzentrale melden.

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