“Britains First” und eine Landtagsabgeordnete des Landes Baden-Württemberg prangern eine Frauenversteigerung auf offener Straße an. Beide begehen dabei jedoch einen grundlegenden Fehler: sie schauen nicht auf die Herkunft und den Sinn des Videos. Wäre jedoch sinnvoll gewesen.


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Das Video zeigt einen “Rädelsführer”, der in ein Megaphon brüllt. Hinter ihm sieht man eine Gruppe von Frauen stehen,  vollständig bedeckt und miteinander verkettet. „Wir haben vier Frauen für Sie heute hier,“ schreit der Mann, „und wir sind hier, um sie mit freundlicher Genehmigung des Islamischen Staates zu verkaufen.“. Doch haben wir es hier mit einer echten Versteigerung von Frauen auf den Straßen Londons zu tun?

Nicht allein in England sind augenscheinlich die Hintergründe dieser Versteigerung unbekannt: auch in Deutschland gilt augenscheinlich Nachholbedarf dafür, wie man mit Videos und Bildern umgeht. Auch deutsche Politiker sollten ein wenig mehr Sorgfalt ausüben, wenn es um die Analyse von Inhalten geht.

So veröffentlichte die Landtagsabgeordnete Dr. Christina Baum auf ihrer Facebookseite folgendes Statement:

Das kann doch nicht wahr sein, oder ?
London scheint zu stimmen, aber das dort ein Mann im Anzug vorbei geht, ohne einzugreifen …

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Wir schaffen Klarheit!

Liebe Seite Britain First, liebe Frau Dr. Baum, es handelt sich hierbei um keine echte Versteigerung, sondern genau um das Gegenteil. Dieses Video zeigt eine Protestveranstaltung gegen den IS vom 14. Oktober 2014 in London, bei der auf das Schicksal junger Frauen aufmerksam gemacht werden sollte, die als Sexsklavinnen im IS verkauft werden. Es ist also ein gestellter „Islamic State sex slave market“, so im Original. Die BBC hatte seinerzeit ausführlich darüber berichtet [1]:

Ari Murad, who works with the Kurdish campaign group, tells BBC Trending he thinks there is a lack of awareness about what is happening in the country. „Some of the stories were so horrific, we had to do something about it,“ he says. „I’m pretty sure the public are sympathetic, but they don’t know what’s going on.“

Auf Youtube findet sich unter dem Titel “ISIS Sex Slave Market In London (Protest)” eine Ausführliche Version des Protestes:

Update:

Mittlerweile ist das Video auf der Facebookseite der Landtagsabgeordneten verschwunden.

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