Faktencheck: Migranten drehten auf der Sea Watch 3 ein Musikvideo mit dem Rapper 2Nasty

Faktencheck: Migranten drehten auf der Sea Watch 3 ein Musikvideo mit dem Rapper 2Nasty

Von | 9. August 2019, 15:34

Was hat es wirklich mit dem Musikvideo des Rappers „2Nasty“ auf sich? Wir haben mit dem Pressesprecher von Sea-Watch gesprochen.

Die Behauptung, zu der wir immer wieder Anfragen erhielten, lautet: „Afrikanische Migranten drehten auf der Sea Watch 3 ein Musikvideo mit dem Rapper Nasty. Bilder die das ARD Fernsehteam zurückhielt. Passte nicht zum Framing der notleidenden Flüchtlinge“ 

Screenshot: Facebook / Mimikama.at

Screenshot: Facebook / Mimikama.at

Stellungnahme von Sea-Watch.

Wir von Mimikama haben Sea-Watch mit der Behauptung konfrontiert und von Chris Grodotzki, Pressesprecher von Sea-Watch e.V., folgende Stellungnahme dazu erhalten:

Die Person hinter dem Rapper-Pseudonym „2Nasty“ war als IT-Techniker Teil der Crew der Sea-Watch 3, auf der Mission vom 09. bis 29. Juni 2019. Während des 17-tägigen Stand-Offs, während dem der Sea-Watch 3 die Einfahrt in den nächsten sicheren Hafen, Lampedusa, und die Anlandung der Geretteten Menschen verweigert wurde, nahm “2Nasty” einige Videoschnipsel auf, in denen er rappte und Gäste mit ihm tanzten und sangen.

Später veröffentlichte er Teile der Videos auf seinen Social Media-Kanälen, ohne das Sea-Watch Medienprotokoll für Crewmitglieder zu beachten. Er wurde von Sea-Watch gebeten, die Videos wieder offline zu nehmen, da sie nicht die hohen repräsentations-ethischen Standards erfüllen, die wir für Veröffentlichungen von unserer Seite oder von Seiten unserer Aktivist*innen erwarten – aus einem ganz einfachen Grund:

Unsere Gäste, die Menschen, die wir auf See antreffen und retten, sind die Menschen, um die es in dieser Geschichte gehen sollte. Sie sind die Held*innen und gleichzeitig die Betroffenen des Ausnahmezustandes an der europäischen Mittelmeer-Grenze. Sie erleiden, überwinden und nehmen unfassbare Herausforderungen auf sich, um sich selbst und ihre Lieben zu retten. Sie sollten NICHT als Backup-Tänzer*innen für weiße, westliche Musiker*innen dargestellt werden. (Wir wissen, dass diejenigen, die an diesem Video teilgenommen haben, dessen Erstellung zugestimmt haben. Viele der teilnehmenden Personen haben das Singen und Tanzen, als Ausdruck ihrer Selbst, auf dem Schiff aus freien Stücken und von sich aus eingebracht. Dieses Video transportiert jedoch keine solche selbstbestimmte Botschaft, sondern reduziert die Menschen auf Hintergrund-Tänzer*innen.)

Wir haben andere Aufnahmen von Gästen und Crew, die sich auf verschiedene Weise positiv ausdrücken (durch Gesang, Lachen, Tanz, Gebet etc.), die wir gerne teilen und zeigen, weil sie den Geist der Solidarität an Bord unseres Schiffes sichtbar machen und die Stärke und Würde der Menschen viel besser darstellen als ein einseitiger Foto-Stream von Traurigkeit und Verzweiflung.

Nur weil Menschen sich in einer Notlage befinden, bedeutet das nicht, dass sie keinen Trost in positiven Gefühlsausdrücken finden und versuchen sich aufzuheitern. Gerade wenn man tage- und wochenlang an Bord eines Schiffes verbringen muss, braucht man Beschäftigung und Ablenkung, und wir sind froh und dankbar für die Kreativität vieler unserer Besatzungsmitglieder (und der Gäste selbst), solche Möglichkeiten zu schaffen, z.B. durch die Organisation von Musik-Sessions, Sportübungen und Spielen an Bord unseres Rettungsschiffes.

Abgesehen davon gab es natürlich viele Menschen, die nicht am Rap-Video teilnahmen, schließlich ist nicht jede*r immer in der gleichen Stimmung und Verfassung. Andere Menschen, von denen wir berichteten, dass sie suizidal und in einem alarmierenden psychologischen Zustand waren traten im Video nicht in Erscheinung. Sie wurden von unserer Crew in einer abgeschirmten, nicht-öffentlichen und vertraulichen Umgebung betreut.

Pressesprecher von Sea-Watch e.V: Chris Grodotzki

 

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