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Müssen Kinderwagen in Berliner Verkehrsbetrieben jetzt extra zahlen?

Von | 10. September 2018, 10:47

In Berlin sollen seit einigen Tagen für Kinderwagen extra Fahrkarten gelöst werden, so berichtete im April bereits die Seite „Journalistenwatch“. Knallhart recherchiert oder  schwarzgefahren?

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Viele Berliner Mütter sind verunsichert, wie die Anfragen an uns zeigen. Gibt es nun Extra-Fahrkarten? Müssen Fahrkarten für Fahrräder zusätzlich gelöst werden? Und stimmt das überhaupt, was „Journalistenwatch“ da schrieb?

Screenshot Jouwatch

Screenshot Jouwatch

Bevor wir uns auf die Auflösung machen, möchten wir einen Satz auf der Seite, welche tendentiell gegen Migranten berichtet und für Bücher des Kopp-Verlags wirbt, herausstellen.

Screenshot Jouwatch

Screenshot Jouwatch

„Die auf journalistenwatch.com veröffentlichten Artikel und Daten sind mit größter Sorgfalt recherchiert.“

Die Quelle

Laut der Seite stammt diese Information aus einer Pressemitteilung der BVG. Wenn man sorgfältig recherchiert, schaut man natürlich erst einmal direkt bei der BVG nach, bevor man irgendwo abschreibt. Dort lässt sich jedoch eine solche Pressemitteilung nicht finden.
Also zurück zum Artikel: Wo hat „JouWatch“ denn diese Meldung her?

Freundlicherweise wurde die Quelle direkt verlinkt, so dass die Leser selbst nachlesen können. Tatsächlich findet sich auf einer Seite namens „Blitz-Kurier“ genau jene Meldung wieder.
Schauen wir mal kurz, auf welche anderen Artikel auf der Seite verwiesen wird:

Screenshot mimikama.at

Screenshot mimikama.at

Aha. Der Chefredakteur der BILD soll durch einen Wirsing ersetzt werden, Spuren von Syrern finden sich in Thunfisch und eine AfD-Wählerin erzählt von ihrem harten Leben als Profi-Hasserin. Klingt ja alles sehr seriös, oder?

Scrollen wir noch einmal auf der Seite ein wenig nach oben, denn da ist ein Textkasten, der auch „JouWatch“ hätte auffallen müssen:

Screenshot mimikama.at

Screenshot mimikama.at

„Dieser Zeitungsartikel wurde mit Paul Newsman erstellt. Hier kann jeder innerhalb von Sekunden eigene Satire oder Scherzartikel in verschiedenen fiktiven Magazinen veröffentlichen. Daher solltest du diesen Artikel auf gar keinen Fall als seriöse Quellenangabe nutzen.“

Nochmal deutlich: Das war ein Scherzartikel auf einer fiktiven Nachrichtenseite.

Fazit

Über Artikel von „Journalistenwatch“ berichteten wir bereits mehrfach. Ob es um Muslime geht, die angeblich den jodelnden Nachbarn verklagen oder um hasserfüllte Artikel gegen eine Kriminalpsychologin: Die Artikel sind tendentiell gegen Migration gerichtet, offen subjektiv und reißerisch, durch die Bank weg schlecht recherchiert und woanders abgeschrieben. Teilweise werden auch einfach nur vereinzelte Facebook-Postings als Quelle angegeben.

Also nein, Mütter müssen auch weiterhin keine Sonderfahrkarte für Kinderwagen kaufen. „JouWatch“ fiel auf eine Seite rein, mit der jeder selbst fiktive Artikel erstellen kann, die aber auch auf diesen Seiten kenntlich macht, dass es nur fiktive Nachrichten sind.

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