Die Mitleidsmasche auf Facebook

Mitleidsmasche auf Facebook: „Ich habe Krebs und spende mein Vermögen“

Von | 10. Oktober 2019, 10:28

In Facebook-Gruppen und auch auf privaten Profilen erscheinen immer wieder Beiträge von Nutzern, die scheinbar ihr Vermögen spenden wollen.

Diese Beiträge sind zumeist in schlechtem Deutsch verfasst und sollen vor allem erst einmal Mitleid erzeugen. Üblicherweise hat die Person, die namentlich eigentlich nie mit dem Beitragsersteller gleich ist, unheilbaren Krebs, stirbt bald, möchte ihr Vermögen spenden und gibt eine E-Mail Adresse als Kontakt an.
Was jedoch so traurig klingt, ist in Wahrheit eine perfide Mitleidsmasche.

Dies ist einer dieser Beiträge:

Ein Mitleidsmasche-Beitrag auf Facebook

Screenshot: mimikama.at

Der Text lautet:

„Hallo,

Mein Name ist die 75-jährige Celines Somorne, die an einem Krebs erkrankt ist, der inzwischen ein Ende hat. Die Ärzte sagen mir, dass ich nur noch wenig Zeit zum Leben habe. Ich bin zurzeit zu Hause im Krankenhaus und habe keine Kinder. Ich weiß nicht, wer mein Vermögen gespendet hat, das einen Wert von über 800.000 Euro hat. Ich möchte mein Geld an eine Waise, eine Organisation oder eine reife und verantwortungsbewusste Person geben, die wirklich davon profitieren kann. Das macht mich stolz und beruhigt mein Herz, weil ich nicht möchte, dass mein Geld in der Bank bleibt und wird der Staat nach meinem Tod. Wenn Sie an meinem Vorschlag interessiert sind, antworten Sie mir bitte, damit ich Sie mit meinem Notar für den Spendenprozess in Kontakt bringe.

Adress email: celinessomorne g mail c o m

Meine aufrichtigen Grüße“

Interessant an dem Profil, welches diese Statusmeldung postet, ist in diesem Fall, dass es sich um einen Mann handelt, der bei genauerer Betrachtung anscheinend aus einem französischsprechenden Teil Afrikas kommt und sich oft im Kongo und in Bali aufhält. Exakt dazwischen liegt der afrikanische Staat Nigeria, den er zwischen seinen Reisen durchquert, und das gibt uns auch das Stichwort, worum es bei dieser Mitleidsmasche wirklich geht.

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Vorschussbetrug der „Nigeria Connection“

Meldet man sich also auf das oben genannte Angebot per Mail, kann man sich zu fast 100% sicher sein, dass man erst mal Transaktionsgebühren von mehreren Hundert bis zu Tausenden Euro bezahlen soll, ehe man in den Genuss der genannten Spende kommt – oder auch nicht, denn es wird höchstwahrscheinlich keine Spende geben.

Verschickt werden solche Betrugsversuche unter anderem von der so genannten Nigeria Connection, die mit der Mitleidsmasche ihre Opfer um den Finger zu wickeln versucht, um dann dank der entstandenen emotionalen Nähe um einen finanziellen Vorschuss bitten zu können.

Dabei handelt es sich aber nicht um eine fest strukturierte Organisation, sondern mit „Nigeria Connection“ werden die verschiedenen Gruppen von afrikanischen Betrügern bezeichnet, die teilweise in Nigeria, teilweise aber sogar in Europa leben. Sie haben sich auf Kreditkartenbetrug, Dokumentenfälschung, Vorschussbetrug, Romance Scamming uvm. spezialisiert und sind seit geraumer Zeit auch mit vielen Fake-Profilen auf Facebook unterwegs.

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Fazit

Es wird kein Erbe bzw. wie in diesem Falle keine Spende geben. Auch sonst gibt es eher kaum jemanden im Internet, der so liebenswürdig und freundlich ist und unbedingt sein Geld verschenken möchte.

Eher verschenkt ihr euer Geld, wenn ihr auf solche Angebote eingeht.

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