Mit Satire einen Hitlergruß rechtfertigen?

Mit Satire einen Hitlergruß rechtfertigen?

Von | 2. September 2018, 17:21

In den letzten Tagen tauchten viele verschiedenen Erklärungen auf, welche die gezeigten Hitlergrüsse in Chemnitz rechtfertigen sollten.

Nun ist ein Meme aufgetaucht, welches beweisen soll, dass einer der Männer ein Statist des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sei. Das ist sehr interessant, denn es ist mittlerweile der zweite Erklärungsversuch, diesen Mann als bewusst eingesetzten Störer darzustellen (siehe: „Faktencheck: Fotojournalist Thomas Victor und der Nazi in Chemnitz” hier).

Jetzt ist es auf einmal eine angebliche Stellenausschreibung des BAMF, in der korpulente Personen für Demonstrationen gegen rechts und Proteste gegen Abschiebung gesucht werden, die zeigen soll, dass der abgebildete Mann nicht das sein soll, was er darstellt.

Screenshot Mimikama.at

Screenshot Mimikama.at

Diese Stellenanzeige kennen wir bereits und daher können wir recht deutlich sagen, dass der Mann KEIN bezahlter Statist des BAMF ist.

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Wir stellen ein:
Statisten m/w

Für Bild- und Videoaufnahmen suchen wir korpulente Personen (m/w) für Demonstrationen gegen rechts und Proteste gegen Abschiebungen.

Vergütung: Mindestlohn plus Zulagen, Reisekosten und Verpflegung.

Der Faktencheck:

Interessant ist ja schon, dass es zwei konkurrierende Rechtfertigungstheorien gibt, die diesen Mann als bewusst eingesetzten „Agent Provocateur“ entlarven sollen. Wie bereits bei der gefährlichen und juristisch problematischen Falschmeldung um Thomas Victor, kann man auch zu dieser Theorie sagen: Es handelt sich hierbei um einen Fake!

Den Ursprung dieses Bildes konnten wir bereits am 06. März 2017 auf einem Twitter-Kanal ausfindig machen, der sich “Daily Fake News” nennt. Die wiederum sind nach eigener Aussage eine Satireseite und veröffentlichen „Satirical Daily News“.

Screenshot Mimikama.at

Screenshot Mimikama.at

Der eigentliche Tweet wurde auf der genannten Seite wieder entfernt!

Stellungnahme des BAMF

Bereits damals hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) folgende Stellungnahme dazu abgegeben:

Das Bundesamt distanziert sich von einer in den sozialen Medien kursierenden Stellenanzeige, in der Statisten für einen Videodreh gesucht werden. Diese Anzeige ist eine Fälschung. Stellenangebote des BAMF finden Sie auf unserer Website unter folgendem Link.

Ferner (nachträglicher Leserhinweis) zum Fake „BAMF sucht Statisten für Bild- und Videoaufnahmen“:

In der gefälschten Stellenanzeige ist der Hinweis enthalten, das BAMF würde Statisten nach „Mindestlohn“ bezahlen.

Das BAMF ist eine Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Die Bundesbehörden sind tarifgebunden an den Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD), der mit der tarifschließenden Gewerkschaft Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), vertreten durch den Bundesvorstand der ver.di mit Sitz in Berlin, abgeschlossen wurde. Für diesen Tarifbereich gibt es diverse Tarifverträge, darunter auch die Entgeltordnung (TVöD-EGO), über die Angestellte des BAMF in einer von 15 Entgeltgruppen (E1 bis E15) nach ihren Tätigkeiten eingruppiert werden.

Für Beamte gelten Besoldungsgruppen, aber um die geht es ja hier nicht. Diese Entgeltgruppen finden sich in der Entgelttabelle des TVöD wieder. Dort ist die Bezahlung mit konkreten Euro-Beträgen hinterlegt. Das BAMF würde also in einer authentischen Stellenanzeige niemals „Mindestlohn“ angeben, weil die Entgelttabelle des TVöD gilt.

Der Ersteller der Fake-Stellenanzeige hat offensichtlich in Unkenntnis des komplexen Entgeltgefüges und Entgeltsystems des öffentlichen Dienstes der Bundesrepublik Deutschland als Bezahlung fälschlicherweise „Mindestlohn“ angegeben.

Ergo…

Dieser Mann kann gar kein Statist des BAMF sein, da so eine Stelle nie ausgeschrieben war und auch nicht existiert. Ferner wird hier eine Satire (die man nicht bemerkt hat) genutzt, um ein verfassungswidriges Verhalten zu rechtfertigen.

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