Nichts gegen Satire, um Himmels Willen. Gerne. Aber gefährlich ist es, wenn Satireangebote als echte Informations- und Quellangaben genutzt werden.

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Es sind exakt jene Titel, die aktuell an vielen Stellen für Verwirrung sorgen. „Angela Merkels abgenagte Fingernägel: Die komplette psychologische Analyse” von Wünter Gallraff. Oder: „Strategie gegen die AfD? Geldstrafen für Nichtwähler vom Bundestag beschlossen” von M. Sonnenbrand. Aber auch: „“AFD“ nur ein Fake von Raab und Böhmermann!”.

Alle diese Titel haben etwas gemeinsam, sie alle wurden auf der Webseite koelner-abendblatt.de veröffentlicht. Name und Design dieser Webseite lassen zunächst auf eine klassische redaktionelle Nachrichtenwebseite schließen. Doch dies ist natürlich lediglich ein Mittel zum Zweck, denn die Inhalte des Kölner Abendblatts sind durchweg Satire.

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Hinter dem Köner Abendblatt steckt das Angebot von paulnewsman.com. Dies ist ein Onlineangebot, auf dem Nutzer eigene Geschichten erfinden sollen und dürfen, welche in ein seriös anmutendes Design und eine glaubhafte Webadresse gepackt werden. Um Missbrauch vorzubeugen blendet Paul Newsman unter jedem Artikel eine Aufklärung ein und sagt auch deutlich, dass ein mit Paul Newsman erstellter Artikel nicht als seriöse Quellenangabe angesehen werden darf. Diese Hinweis lautet:

Dieser Zeitungsartikel wurde mit Paul Newsman erstellt. Hier kann jeder innerhalb von Sekunden kostenlos Fake- oder Satireartikel in verschiedenen fiktiven Magazinen veröffentlichen. Daher solltest du diesen Artikel auf gar keinen Fall ernst nehmen oder als seriöse Quellenangabe nutzen. […]

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Dennoch ist es augenscheinlich für viele Leserinnen und Leser problematisch, einen Inhalt kurz auf seinen Charakter zu prüfen. Das liegt nicht an Paul Newsman (im Gegenteil, wie oft soll dort noch angemerkt werden, dass es sich bei dem Inhalt um eine Satire handelt), sondern daran, dass viele Leserinnen und Leser einfach nicht den schnellen Quellencheck ausführen und meist beim Teaser (=Facebookvorschau) hängenbleiben.

Denn auch an dieser Stelle gilt: Viele Fragen, viele Überreaktionen und auch viele Unstimmigkeiten würden sich in Luft auflösen, wenn man eben diese wenigen Schritte verinnerlicht.

  • Wer schreibt? (Impressum)
  • Welchen Charakter hat die Webseite?
  • Welcher Gattung gehört der vorliegende Text an? (Anmerkung über dem Inhalt oder unter dem Inhalt vorhanden?)

Darauf basierend knüpfen dann die klassischen Prüfpunkte an (falls überhaupt noch notwendig):

  • Inhaltlicher Gegencheck –> Suchmaschinen nutzen
  • Bildercheck –> Rückwärtssuche

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Um diesen Analysevorgang zu beschleunigen, darf man sich durchaus auch das Kölner Abendblatt auf die Satireliste setzen, dann hat man direkt seinen Spaß daran. Paul Newsman betreibt übrigens neben der dem Abendblatt noch weitere Fake Magazine. Diese lauten:

  • britta-magazin.de
  • blitz-kurier.net
  • graetsche.com
  • ostdeutscher-anzeiger.de

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Also nicht immer direkt an die Decke gehen, wenn ein Inhalt mal absurd erscheint. Durchaus mal die Adresse checken, könnte eine Newsman-Satire sein.

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