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Memes, also beschriftete Bilder mit kurzen Texten, werden gerne auf Facebook geteilt. Diese sind allerdings nicht immer lustig, sondern immer öfter auch hetzerisch, insbesondere wenn es um das Thema Asyl geht.

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Der ORF.at hat sich nun in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium, der Polizei, dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und der Caritas drei solcher Memes genauer angeschaut, um deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

MEME 1: Asylant mit sechs Kindern erhält 3.355,96 Euro fürs Nichtstun

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BEHAUPTUNG: In jenem Meme wird ein Asylbewerber („Asylant“ ist eigentlich ein abwertender Begriff) mit einem Facharbeiter mit drei Kindern verglichen, welcher nur 1.671,04 Euro im Monat zum Leben habe.

WIDERLEGUNG:  Woher stammt dieses Meme?

Das ist ein recht interessanter Punkt, brachte doch die AFP (Arbeitsgemeinschaft für Demokratische Politik) jenes Meme in Umlauf. Jene wurden zuletzt 2006 im Verfassungsschutzbericht des Innenministeriums als „aktivstes Sammelbecken der organisierten rechtsextremen Szene in Österreich“ – mit „guten Kontakten“ zu Neonazi-Kreisen und „einer Öffnung gegenüber dem Skinheadmilieu“ erwähnt. Bei solchen Quellen sollte man ohnehin vorsichtig sein.

Deswegen müssen die Zahlen doch nicht falsch sein! Oder?

Wir gehen mal fairerweise von einem Asylbewerber mit eigener Wohnung aus und sich selbst versorgen muss, da jemand in einem organisiertem Quartier („Asylantenheim“) Weniger Geld bekommt, aber auch weniger Kosten hat.

Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck rechnet vor:

Ein Asylbewerber mit sechs Kindern erhält in Österreich insgesamt für die Miete 240 Euro plus 200 Euro für den Erwachsenen und je 90 Euro pro Monat pro minderjähriges Kind, ergibt zusammen 980 Euro für die Miete.
Hinzu kommen jährlich 150 Euro für Kleidung, 200 Euro für Schulbedarf sowie Fahrtkosten zur Schule (von ORF.at mit 100 Euro angenommen) pro Kind. Dividiert man nun sämtliche jährlichen Aufwendungen durch zwölf, ergibt das 237,50 Euro im Monat.

Somit ergibt sich monatlich:

980 Euro für den Erwachsenen + 237,50 Euro für die Kinder = 1.217,50 Euro

Nun stellt sich noch die Frage, warum der Facharbeiter nur drei Kinder hat und nicht sechs Kinder, wie der Asylbewerber? Nehmen wir mal einen fiktiven Facharbeiter mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen von 1.200 Euro (das Durchschnittseinkommen in Österreich lag 2013 bei 1.732,50 Euro lt. Statistik Austria). Jener bekommt bei sechs Kindern noch gesamt 1.300 Euro Kinderbeihilfe monatlich, ergibt 2.500 Euro.

Also selbst ein unterbezahlter Facharbeiter mit sechs Kindern hat mehr Geld als ein vergleichbarer Asylbewerber. Die Zahlen in dem Meme sind vollkommen aus der Luft gegriffen.

Die liegen trotzdem nur auf der faulen Haut rum!

Tun sie. Gezwungenermaßen. Viele Asylbewerber wollen gerne arbeiten, jedoch wird ihnen vom Gesetz her ein Riegel vorgeschoben, sie dürfen gar nicht arbeiten, außer in Einzelfällen als Erntearbeiter, Saisonarbeitskräfte, für eine kleine Aufwandsentschädigung im Gemeindedienst und als Lehrlinge in Mängelberufen (Letzteres bis zum Alter von 24 Jahren).

Vertreter von Hilfsorganisationen fordern schon lange diesbezüglich eine Gesetzesänderung. Jeder, der einmal arbeitslos war, weiß, wie schlimm es sein kann, 24 Stunden am Tag zum Nichtstun verdammt zu sein. Wenn man dazu auch noch eine manchmal jahrelange (!) Flucht hinter sich und mit schweren Traumata zu kämpfen hat, können die Nerven ganz schnell blank liegen.

MEME 2: „Das Essen schmeckt nicht“

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Wir zitieren mal das Meme, inklusive Rechtschreibung und Grammatik: „Die Unterkunft ist Schlecht ? Das Essen Schmeckt nicht ? Na wo ist daß Problem ?? Ab Nachhause !! Asyl – Betrug Stoppen !! Wer Fordert Fliegt! ! Abschieben wird zur Pflicht !! ( das Paradies wartet !!! )“

BEHAUPTUNG: Jenes Meme gibt es in diversen Variationen auf Facebook. Grundlage sind Artikel, die in der „Krone“ (quasi eine österreichische Version der BILD) erschienen sind und mit reißerischen Überschriften wie „Wegen Essen und Quartier: Wirbel im Asyl-Zeltlager“ und „Flüchtlinge bewarfen die Polizei mit Essen“ versehen wurden. Inhaltlich wurde weiter Gift und Galle gespuckt, es war die Rede von „Aufstand“ und „50 randalierenden Asylbewerbern“, die ihre Lunchpakete auf den Boden und auf die Polizisten warfen, weil „das Essen nicht schmeckt“ oder „zu wenig“ ist, worauf acht Polizeifahrzeuge anrücken mussten.

WIDERLEGUNG: Was ist wirklich passiert?

In einem Asylbewerber-Zeltlager in Linz drohte ein verwirrter Asylbewerber, sich mit einem Buttermesser zu töten. Der flugs herbeigeeilten Polizei gegenüber beschwerte er sich u.a. auch um die geringe Essensmenge, welche an manchen Abenden nur zwei Semmeln mit Einlage und einem Obst in der Polizeikantine besteht.

Petra Datscher von der Landespolizeidirektion Linz weiß da Genaueres.

Nach Ankunft der Polizei versammelten sich etwa 50 Schaulustige um das Geschehen. Drei bis vier von ihnen gaben im Laufe der Gespräche dem verwirrten Asylbewerber recht und warfen ihre Lunchpakete auf den Boden. Der Rest jener 50 Asylbewerber versuchte zu beruhigen oder hielten sich komplett raus. Jener Asylbewerber wurde wegen Selbstgefährdung schlussendlich in eine psychiatrische Klinik eingeliefert.

Halten wir fest: 50 Asylbewerber. Drei bis vier Asylbewerber, die ihre Pakete auf den Boden warfen. Nicht auf Polizisten. Ein verwirrter Mann. Ein Aufstand sieht anders aus, liebe „Krone“.

MEME 3: „Feige Dreckschweine“, die Frauen und Kinder zurücklassen

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BEHAUPTUNG: Unser drittes häufig geteiltes Meme zeigt mehrere Männer, die ein Schild halten, auf dem steht, dass sie sich Sorgen um ihre Frauen und Kinder machen. Der bitterböse Text darunter:

„Ach, Sorgen macht Ihr Euch um Eure Kinder? Dann hab’ ich nur mal eine Frage… Warum seid ihr feigen Dreckschweine dann ohne sie abgehauen?“

Tja, warum? Aus der Sicht des Verfassers jenes Memes scheint eine Flucht ja ein Spaziergang zu sein, nicht schlimmer als eine Wüstenwanderung im Ägyptenurlaub, dazu noch angenehme Fahrten auf dem Mittelmeer zusammen mit vielen Landsleuten… und da nehmen die nicht mal ihre Familie mit? Unglaublich!!!

WIDERLEGUNG: Spaß beiseite! Eine Flucht ist sehr gefährlich.

Ruth Schöffl, Pressesprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, erklärt, dass eine solche Flucht mit sehr vielen Gefahren verbunden ist. Teilweise gibt es tagelang weder was zu Essen noch was zu Trinken, zig Kilometer durch Ödland werden zu Fuß durchquert, die Nerven liegen blank. Das sind Strapazen, die Männer eher überstehen als Frauen und Kinder. Letztere seien zusätzlich noch von sexueller Gewalt bedroht.

Unterm Strich ist eine Flucht eine Reise ins Unbekannte, möglicherweise ohne Wiedersehen. Viele Asylbewerber in Österreich kommen aus Syrien, man kann nur vermuten, wie viele Menschen es niemals bis nach Europa schafften, sondern deren Leichname nun in der Wüste oder auf dem Meeresgrund liegen.
Sollte es jedoch ein männlicher Asylbewerber schaffen, so hatte er bis zum „Asylstopp“-Erlass die Möglichkeit, auf legalem und sicherem Wege seine Familie nachkommen zu lassen.

Dies allerdings nicht umsonst, für die Kosten musste der Asylbewerber selber aufkommen, so Schöffl vom UNHCR. Dies ist nun allerdings nicht mehr möglich.

Fazit: Drei Memes, drei Behauptungen, drei mal Stimmungmache.

In allen drei Fällen konnten wir hoffentlich verständlich aufzeigen, dass die Behauptungen falsch oder unsinnig sind, und nur dazu da sind, um negative Stimmung gegen Asylbewerber zu machen. Teilweise ist es politischer Wahlkampf, teilweise aber auch pure Unsicherheit.

Da kommen irgendwelche Fremde mit anderer Hautfarbe, sprechen unsere Sprache nicht, scheinen alles geschenkt zu bekommen, werden teilweise kriminell. Da bekommt der uninformierte Durchschnittsbürger Angst. Weil er nicht weiß, wie er damit umzugehen hat. Weil er unsicher ist. Weil es einfacher ist, sich mit anderen Unsicheren zusammen zu tun, um jene Schwäche in vermeintliche Stärke zu wandeln. Besser wäre es aber, einfach auf jene Fremde einfach zuzugehen. Freundlich zu sein. Ihnen das Gefühl zu geben, in der Fremde ein neues Zuhause gefunden zu haben. Und kein Land, in denen sie feindselig behandelt werden.

Integration fängt bei jedem Einzelnen an. Das mag nicht so einfach sein, als z.B. bei Pegida mitzulaufen oder ein Meme zu posten. Aber es bringt im Endeffekt mehr. Für alle.

Autor: Ralf, mimikama.at

Jener Artikel enthält Zitate / Zahlen und Informationen mit freundlicher Genehmigung von Simon Hadler / orf.at,: Eins und eins ist nicht drei

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