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In den letzten Monaten macht sich eine erschreckende Tendenz zur Verbreitung von brutaler Gewalt im Internet bemerkbar. Wir sprechen hier nicht von Action Filmen oder Egoshootern – Nein wir sprechen von realer Gewalt.

War es vor einigen Monaten noch ein Video, dass auf Facebook und später im TV zu sehen war, in welchem in Berlin brutal auf ein Mädchen eingeschlagen wurde, oder ein Junger Mann mit dem Tod bedroht wurde, weil er seinen Hund geschlagen hat, ist es nun wieder ein Video, dass zeigt, wie ein Mädchen brutal geschlagen und dabei auch noch gefilmt wird.

Was dabei noch mehr verstimmt und auch eine gesteigerte Besorgnis hervorruft, ist die Art der Berichterstattung, wie sie von vielen Print- und TV Medien betrieben wird.

Anstatt sich auf eine Berichterstattung mit einem stehenden Bildausschnitt und einem erklärenden Text zu begnügen, wird auf vielen Internetportalen der verschiedenen Fernsehsender oder Zeitungen das Thema mit den kompletten Videos gezeigt.

Aktive Beteiligung an der Hetze?

Verpixelt schön und gut – das hat nichts mehr mit neutraler Berichterstattung zu tun. Das ist in unseren Augen schon fast aktive Beteiligung an der Hetze gegen die Schläger, gleichzeitig aber auch eine Demütigung der Opfer, welche immer und immer wieder einen der wohl schrecklichsten Momente ihres Lebens vor Augen gehalten bekommen.

Hier wird auf Kosten der Opfer um Klicks und Quoten gekämpft. Sicher, die mediale Landschaft wird wohl ein raues Terrain sein, vielleicht sogar ein medialer Kriegsschauplatz und es scheint gerade so, dass bei diesen Themen die Sender, Zeitungen, Online Portale wahre Heerscharen an Teams, bewaffnet mit Notebooks, Kameras und Mikrofonen in das Schlachtfeld schicken. Dass man dem Opfer keinen Gefallen damit erweist, stört scheinbar niemanden und wirkt wie ein erhoffter Kollateralschaden..

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Es stellt sich schon unweigerlich die Frage: “Wieso verbreiten die diversen Portale der Nachrichtensender das Video und beteiligen sich an der Hetze, an dem Mobbing?”

Ist es einfach nur der Wunsch, umfassend zu Berichten und aufzuklären?

Ist es das Ausnutzen der Sensationsgier des Publikums? Oder zahlen sie nun die Rechnung für jahrelange mediale Berieselung mit gewalttätigen Filminhalten, frei nach dem Motto: je mehr Blut, desto höher die Quote?

Wenn der gespielte Inhalt nicht mehr reicht, dann müssen reale Gräueltaten her. Denn wir wollen uns nichts vormachen, der Mensch stumpft ab, je mehr er von einem Thema sieht. Folge: Es muss immer mehr sein um zu reizen.

Oder steckt hinter dem veröffentlichen des Videos unter dem Deckmantel der Berichterstattung sogar Methode?

Frei nach dem Motto, „Wenn wir es zeigen, dann regt sich der Mob auf, zieht mit Sensen, Knüppeln und Mistgabeln zum Ort des Geschehens, wie bereits geschehen. Dann haben wir dann auch wieder was zu berichten.“

Wenn dann da was passiert und es evtl. kurzen Prozess gibt, mag es vielleicht im Sinne mancher Bericht erstattender Medien sein – dann gibt es wieder Material worüber, man berichten kann. Wieder Menschen auf medialen Kriegsschauplätzen, wieder weitere Kollateralschäden.
Vielleicht – man weiß es nicht.

Leider ist es aber nicht immer so einfach.

Es gibt nicht nur schwarz und weiß, Berichterstattung mit allem Brimborium oder gar keine.

Man kann umfassend aufklären und Bericht erstattender Medien, ohne immer und immer wieder den Mob zu animieren, Keulen schwingend den vermeintlichen Täter zu jagen, oder das Opfer wiederholend durch die öffentliche Darstellung der Tat zu demütigen.

Was wohl auch immer wieder in Vergessenheit gerät: das Netz vergisst nie und das Netz hat viele Löcher, aus denen tot geglaubt Inhalte unverhofft wieder auftauchen.

Man erlebt es jeden Tag aufs Neue, kaum hegt man die Hoffnung dass ein Bestimmte Sache ausgestorben ist, ZACK bekommt man das Gegenteil beweisen, und irgendwelche schmerzlichen Inhalte tauchen wieder auf.

Videos, so wie diese Prügelvideos, gehören nicht öffentlich auf ein Portal wie Facebook. Denn leider wird es immer wieder Personen, die diese Notlage der Opfer ausnutzen und ein Video für Hetzjagden, Like- oder Sharegeilheit ausnutzen. Beispiele gibt es zu genüge.

Wie sehr die Opfer leiden, konnten wir in einem Gespräch mit einer Psychologin, welche traumatisierte Menschen begleitet, sehr gut heraushören:

http://www.mimikama.at/allgemein/erlebte-gewalt-opferbegleitung-warum-und-wie/

Es gibt leider genügend Portale, die sich aktuell mit dem Prügelvideo „schmücken“, wir verzichten hier auf Nennungen, aber wir möchten ein Beispiel zeigen, wo ohne überzogene Dramatik berichtet wir. Dies ist als Beispiel auf dem Newsportal von Web.de geschehen:

Brutaler Überfall auf Teenager erhitzt die Gemüter

Ein brutale Gewalttat schockiert Wilhelmshaven: Eine Gruppe Jugendlicher prügelt auf eine 14-Jährige ein, raubt ihr Handy und stellt Videos des Überfalls ins Internet.

Das Thema wird Aufgegriffen, ohne das Video zu zeigen. Anstelle dessen wird ein Symbolfoto gezeigt

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(Qelle: Screenshot Web.de)

Auch so kann man einen Bericht verfassen – und zwar ohne dem Opfer den Tathergang vor Augen zu führen.