An die bald 40.000 Menschen, die schon wieder nach dem Typen mit der Katze und der Bong suchen!

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

Ihr könnt euch zurücklehnen. Ihr könnt entspannt runterkommen. Von mir aus auch einen Keks essen. Ein Schnapserl trinken (sofern ihr über 18 seid) oder irgendetwas anderes Pulsschlagminderndes machen. Denn ihr müsst diesen Mann nicht mehr suchen. Diesen Typen, der eine Katze an eine Bong hält.

Es geht dabei um diese Statusmeldung:

An alle Facebook-Nutzer:
Wer kennt diesen Typen !?

Teilen damit er gefunden wird !

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Seit 16(!) Jahren kursiert dieses Foto im Internet. Es bezeugt jedoch nicht nur die Schandtaten dieses Mannes, sondern immer wieder rufen dadurch auch heute noch Menschen auf Facebook zur Hexenjagd gegen diesen Mann auf. Die aktuell bekannteste Version stammt vom 21. März 2018 und hat binnen zwei Tagen über 35.000 Verteilungen. Das nenne ich mal stolze Viralität – Stolze und vor allem unnötige Viralität.

2012 haben wir erstmals über dieses Bild recherchiert und Folgendes herausgefunden:

  • dieser damals 22-Jährige kommt aus Amerika
  • der Mann wurde damals festgenommen, musste eine Geldstrafe von $ 1.000 bezahlen und wanderte für ein Jahr in den Knast

In einem Forum fanden wir folgenden Beitrag:

15.01.2011 21:21 Uhr
22-jähriger gab Katze Marihuana-Bong – ein Jahr Knast und 1000$ Strafe
Ein 22-jähriger Mann wurde festgenommen, weil er versucht habe eine Katze mit Drogen zu vergiften. Ein eindeutiges Beweisfoto zeigt,wie der Mann den Kopf der Katze festhält und die Katze zum Inhalieren des Bongs mit Marihuana zwingt.
Dabei drückte der Mann den Kopf direkt über die Öffnung des Bongs,einer Wasserpfeife,wie sie normalerweise zum Topfrauchen mit Marihuana benützt wird.
Dabei beteuerte der Täter seine Unschuld mit:“Aber Herr Officer,die Katze hat nicht inhaliert“. Das Beweisfoto zeigt auch,dass sich auch eine qualmende Substanz in der Marihuana-Pfeife befindet. Nach Angaben der Richter sei das Foto für eine Inhaftierung ausreichend. Das Urteil: Der junge Mann muss 1000$ Strafe zahlen und bekommt 1 Jahr im Knast.

Wahrscheinlich wurde das Foto als Clickbait benutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen und die Seite, auf der es gepostet wurde, bekannter zu machen. Abgesehen davon, sind private Fahndungsaufrufe absolut verboten, denn nach Menschen zu fahnden, fällt in den Aufgabenbereich der Polizei. Wir kennen dieses Phänomen hauptsächlich von politischen Themen, jedoch können solche Aufrufe schnell in eine digitale Hexenjagd ausarten.

Es ist verständlich, dass sich viele Menschen emotional an einem solchen Foto beteiligen, doch es ist recht hilfreich zuerst zu checken, ob dieser Mann für seine Taten bereits zur Rechenschaft gezogen wurde.

 

Foto-Forensik

Vor allem bei Fotos, die man im Internet findet, sollte man die Quelle klären. Oft werden nämlich solche Fotos auch für Fakes missbraucht. Klassisch hierbei sind Fotos, die eine reale Situation zeigen, jedoch entweder der Begleittext wurde schier dazu erfunden oder eine wahre Geschichte wurde hergenommen und bildlich falsch in Szene gesetzt.

 

Hinweis: Rückwärtssuchen über Google oder TinEye Reverse Image Search werfen zuweilen kein Ergebnis aus, weil sie ein Bild nicht kennen oder gar nicht im Index aufgenommen haben. Hier kann die Bildersuche über Yandex zuweilen erstaunliche Ergebnisse liefern.

Hier ein paar kurze Tipps, wie man seine Rückwärtssuche mit ein paar wenigen Handgriffen gestalten kann:

  • Drag & Drop
    Dafür sind im Vorfeld zwei Browserfenster, bzw. besser zwei Browsertabs notwendig. In dem einen befindet sich das Bild, in dem anderen die Suchmaschine (beispielsweise Google Bildersuche). Man klickt das gewünschte Bild mit der linken Maustaste an und hält die Maustaste gedrückt. Nun fährt man mit dem Mauszeiger und weiterhin gedrückter Maustaste auf den Reiter für das Suchmaschinenfenster. Dieses wird durch das reine Führen des Mauszeigers mit gedrückter Maustaste aktiviert. Nun fährt man mit dem Mauszeiger auf das Suchfeld und lässt dort erst die linke Maustaste los. Man hat so quasi das Bild mit der Maus in das Suchfeld geworfen.
  • Upload
    Eine zweite Variante stellt ein temporärer Download dar. Man speichert kurz das gewünschte Bild auf der Festplatte ab, wechselt in die Suchmaschine (beispielsweise Google Bildersuche), tippt dort auf das Fotosymbol und wählt die Funktion „Bild hochladen“. Nun muss man nur noch das gewünschte Bild von der Festplatte auswählen.
  • Rechte Maustaste
    Sehr bequem: der Browser Google Chrome, sowie dessen Verwandte, besitzen mittlerweile einen eingebauten Auswahlpunkt zur Bildersuche. Man klickt einfach mit der rechten Maustaste auf das gesuchte Bild und wählt in dem geöffneten Dialogfenster den Punkt  „In Google nach diesem Bild suchen“ aus. Das ist tatsächlich der einfachste Weg, wird jedoch nicht von jedem Browser unterstützt.

Vertiefende Informationen findet man hier.

Ergebnis:

Dieses Foto stammt aus dem Jahre 2001. Der Mann auf dem Bild wurde für seine Tat bestraft. Weiteres Teilen ist unnötig.

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