Faktencheck Kettenbrief

Faktencheck zu „Prösterchen! Das ist Gretas Mutter, Malena Ernman.“

Von | 25. September 2019, 11:14

Ein recht junger Text über Malena Ernman wird derzeit kettenbriefartig auf Whatsapp, Facebook und auch Twitter verteilt.

Dieser Text wird von einer kleinen Collage an Bildern begleitet, auf denen Malena Ernman zu sehen ist. Auf jedem dieser 4 Bilder hält sie ein alkoholisches Getränk in der Hand.

Diese Fotos nimmt der Kettenbrief zum Anlass, Ernman als Alkoholikerin zu beschreiben. Mehr noch, der Kettenbrief behauptet, Malena Ernman habe diese „Sauferei“ auch während der Schwangerschaft mit Greta durchgezogen und Greta Thunberg habe entsprechend nicht das Asperger-Syndrom, sondern FAS (Fetale Alkohol Syndrom). Dies würde nach Ansicht des Verfassers also aussagen, dass Greta Thunberg nicht begabt, sondern mit einem eher niedrigeren IQ ausgestattet sei.

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Der Kettenbrief und seine Argumentationsstruktur finden sich am Ende diesen Artikels. Vorangestellt an dieser Stelle der Faktencheck zu den Fotos von Malena Ernman:

Screenshot: Facebook Behauptung über Malena Ernman

Screenshot: Facebook Behauptung über Malena Ernman

Herkunft der Bilder

Auf allen 4 Bildern ist Malena Ernman zu sehen. Ernman ist tatsächlich die Mutter von Greta Thunberg. Diese Bilder zeigen Ernman auch tatsächlich feiernd, was kein Geheimnis ist:

Malena Ernman hat im Jahre 2009 das Melodifestivalen in Malmö gewonnen (vergleiche hier). Dabei handelte es sich um den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Dieser fand 2010 in Moskau statt, wo sie mit ihrem Titel „La Voix“ als Startnummer 4 antrat (siehe hier).

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Insofern gab es unter anderem auch Artikel wie diesen mit dem Titel „Jag vill dricka champagne ända fram till Moskva (Ich möchte Champagner bis nach Moskau trinken)” (siehe hier). In diesem Artikel findet sich bereits eines der Bilder aus der Collage.

Die anderen drei Fotos stammen aus demselben Kontext und zeigen Ernman bei den Feierlichkeiten zu ihrem Sieg im Vorentscheid 2009. Hierzu die entsprechende Berichterstattung mit weiteren Bildern aus der Collage:

Diese Bilder stammen also entsprechend aus dem Frühjahr 2009, Greta Thunberg wurde am 03.01.2003 geboren, war zu diesem Zeitpunkt bereits 6 Jahre alt.

Ad hominem Bashing

Greta Thunberg und die FFF-Bewegung unterliegen ständig Bashing-Angriffen auf Social Media. Diese Angriffe haben weniger inhaltliche Natur, sondern sind eher Angriffe ad hominem. In diesem Falle in erster Linie gegen Malena Ernman und in zweiter Linie gegen Greta Thunberg.

Dabei geht es gar nicht darum, ob die Behauptungen des Kettenbriefs stimmen, ob es Fakten sind, ob dazu Nachweise existieren, sondern sie sind in den meisten Fällen konstruiert und suggestiv.

Stellvertretend für die Klimadebatte auf eine Person einzuprügeln, ist immer einfacher, als sich auf Sachargumente zu konzentrieren (Aus Focus: „Psychologe erklärt, woher der Hass auf Greta Thunberg kommt“)

Hier wird einem Thema ein Gesicht verliehen, welches auf der einen Seite zur Ikone, auf der Gegenseite zum Feindbild erklärt wird. Beides ist kritisch zu sehen.

Bei den Angriffen auf Thunberg, aber auch Malena Ernman, geht es letztendlich darum, sie persönlich zu diskreditieren und ihre Sachargumente abzuwerten (abgesehen davon, dass die Argumente zumeist von renommierten Wissenschaftlern stammen). Ganz so, wie man es aus schlechten amerikanischen Gerichtsserien kennt, in dem der böse Anwalt versucht, mit Nebensächlichkeiten einen Zeugen als unglaubwürdig abzustempeln.

Ob bei Greta Thunberg nun FAS diagnostiziert werden kann, obliegt einem Arzt und nicht dem laienhaften Vergleich von Fotos aus dem Internet. Inwiefern ihre Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat, ist in diesem Zusammenhang zunächst eine unbewiesene Behauptung.

Die als Beweis angeführten Fotos stammen aus dem Kontext eines großen Events, in dem sie als Sieger hervorgegangen ist und welches 2009 stattgefunden hat, da hat Greta Thunberg bereits gelebt und war einige Jahre alt. Zwei davon sind sogar am selben Abend in Malmö aufgenommen worden.

Fotos, die sie während der Schwangerschaft mit alkoholischen Getränken zeigen, lassen sich nicht im Internet finden. Ebenso auch keine ärztlichen Diagnosen über Greta Thunberg. Wir haben es also zunächst mit Unterstellungen zu tun, deren Beweise der Verfasser nicht hinreichend darlegt.

Warum gibt es diese Form des „ad hominem Bashings“ gegen Greta Thunberg?

Der Focus hat hierzu einen Psychologen befragt und einen sehr interessanten Artikel mit dem Titel „Psychologe erklärt, woher der Hass auf Greta Thunberg kommt“ veröffentlicht (siehe hier).

Es ist die Angst vor dem Verlust des eigen erarbeiteten Status Quo, die Menschen dazu treibt, ein Feindbild in Greta Thunberg zu sehen. Die Angst vor Veränderungen („Ich habe mir mein Leben hart erarbeitet, jetzt soll ich alles verändern?“), die Angst vor dem Verlust erarbeiteter Dinge und vielleicht auch die Angst davor, ein wenig an Wohlstand zu verlieren.

Wer sich überdies mit einem unaufgeregten und differenzierten Artikel über Klimawandel und Greta Thunberg auseinandersetzen möchte, dem empfehlen wir den Artikel „Greta, Christian und der Klimawandel“ von Christian Buggisch (hier). Buggisch hat gemeinsam mit seinem Vater drei der berühmten Was-ist-Was Bücher geschrieben, unter anderem das Buch zum Thema Klima (vergleiche).

Der Kettenbrief über Malena Ernman im Ganzen:

Netzfund:
Prösterchen! Das ist Gretas Mutter, Malena Ernman. Es ist gar nicht so einfach, Fotos von ihr ohne Glas oder Pulle in der Hand zu finden, gern teilt sie auf Twitter nachmittags Fotos von dem Bier, das sie trinkt. Ernman scheint eine dieser typischen, skandinavischen Alkoholikerinnen zu sein, die den Tag mit Bier beginnen.

Leider hat sie wohl durch ihre Sauferei während der Schwangerschaft ihre beiden Töchter verhunzt. Bei Greta ist FAS, also das Fetale Alkohol Syndrom sehr eindeutig von Ärzten diagnostiziert worden, die Erklärung Asperger soll vermutlich nur die eigentliche Diagnose FAS verschleiern und suggerieren, dass Greta über Inselbegabung und hohe Intelligenz verfüge.

Leider haben aber FAS Kinder nur IQs im Bereich von 70-90 und sind auch sonst schwerstens eingeschränkt. Greta liest die Reden ab, die ihr eine gigantisch große PR-Maschinerie im Hintergrund geschrieben hat, um bei den Jugendlichen weltweit Gefühle und Empörung über die Erwachsenen zu triggern. Aufgrund ihrer offensichtlichen Behinderung darf Greta natürlich nicht kritisiert werden, im Gegenteil – da wird ganz massiv auf Rücksichtnahme gepocht.

Greta ist ein schwer missbrauchtes, unglückliches Kind, ihr Gesicht während der grotesken UN-Klimarede ist ein einziger Hilfeschrei. Wenn sie nicht bald in fachkundige therapeutische Hände kommt, wird die Geschichte dieses jungen Menschen schlimm enden

(Text kopiert)

Weitere Artikel zum Thema Greta Thunberg auf Mimikama hier.

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