Über Bildung, Informationskompetenz und ein Fake-Ministerium: es bewegt sich viel! In diesem Zusammenhang macht es derzeit auch sehr viel Spaß, den #33C3 (Hashtag zum 33. Chaos Communication Congress in Hamburg) zu verfolgen. Viele schöne Impulse, viele tolle Statements.

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“Macht nicht das Internet kinder-sicher, sondern die Kinder internet-sicher!” Bei dieser Art von Statements schlägt das Herz eines Internetromantikers natürlich höher. Reiten wir gemeinsam in die Zukunft, mit Visionen im Gepäck und den Sonnenaufgang im Gesicht.


Gleichzeitig aber auch mit dem Boden unter den Füßen, denn bei all der Netzromantik darf man nicht vergessen, dass es sich um eine Vision, einen Wunsch handelt, der zum einen kurzfristig noch nicht umsetzbar sein dürfte, zum anderen auch ein Idealbild darstellt. Machen wir die Menschen internetsicher, sehr gerne!

Dieses Idealbild setzt natürlich auch voraus, dass es alle Menschen schaffen, internetsicher zu werden.

Diese zweite Metapher mit dem Teich zeigt schon eher einen zweigleisigen Ansatz, beziehungsweise lässt einen Blick auf eine zweigleisige entstehen. Schwimmen können ist natürlich eine wichtige Grundvoraussetzung, doch ist es zudem besser, im Hintergrund auf einen Schwimmeister vertrauen zu können.

Dennoch ist es der bessere Ansatz: anstatt Verbote, neue Gesetze oder strenge Reglementierungen zu errichten, sollte es in die andere Richtung gehen.

Die Frage ist, wie man mittel- bis langfristig ein Idealziel erreichen kann, in dem Internetnutzer Probleme selbst erkennen können und auch selber lösen können.

Ein Lösungsansatz: die Schulen.

Natürlich. Zu den Schulen schweift immer der erste Blick, wenn es um Bildung geht. Die Last auf die Schultern der Lehrer verteilen.

Das setzt natürlich ebenso voraus, dass Lehrerinnen und Lehrer letztendlich komplett up to date und firm im Umgang mit den Web und den sozialen Netzwerken sind.

Hand aufs Herz (dass ist auch nicht böse gemeint):
welche Art von Unterrichtsfach deckt das denn nun ab?
Welcher Typus Lehrer ist denn hier gefragt? Kunstlehrer? Mathematiklehrer? Religionslehrer?
Wo packt man nun diesen Unterrichtsstoff hinein?

Hier zeigt sich erneut, dass die Inhalte des Netzes nicht auf klassische Disziplinen übertragen werden können.

Das Netz ist und bleibt interdisziplinär, ein Themenfeld wie der hoffnungslos überlastete Begriff “Medienkompetenz” lässt sich nicht in ein einziges Fach quetschen, sondern ist eine Mischung aus Sozialwissenschaften/Politik, Geschichte, Religion/Ethik und nicht zuletzt auch Geografie und auch Deutsch und Englisch.

Ja sicher, die Sprachen gehören dazu, denn gerade die Messenger und sozialen Netzwerke bestehen aus Schriftkommunikation, die am besten so gestaltet sein soll, dass die jeweiligen Empfänger auch verstehen, was gesendet wird. Sprache als Grundlage und die häufig unterschätzten sozialwissenschaftlichen Bereiche als Struktur. Und am Ende haben wir ein interdisziplinären Lehrplan erschaffen, der Lehrkräfte fordert, die selbst bereit sind, täglich neu zu lernen und dieses Gelernte direkt wieder zu vermitteln.

Denn das Netz steht nicht still!

Die Mathematik wird sich nicht grundlegend verändern, die Sprachen auch kaum. Das Netz ist jedoch dynamisch und unterliegt der Anforderung, dass man mitmacht. Viel zu häufig haben wir sehen können, dass “Beobachter” Entscheidungen über das Netz fällen.

Was am Ende dabei rauskommt, können wir nur mit einem Kopfschütteln dokumentieren. Unsinnige Vorstöße zum Leistungsschutzrecht, gefährliche Urteile zur Linkhaftung.

Das Netz funktioniert nicht in alten Formen, sondern bedarf die Anpassung und auch teilweise die Auflösung alter Denkweisen. So auch in einem potentiellen Unterrichtsmaterial, welches am Ende auch Lehrer internetsicher macht, die zudem imstande sind, im selben Moment ihr gelerntes Wissen vermitteln.

Das ist eine besondere Anforderung und für sorgt vielleicht bei so manchen Lehrkräften auch für Schrecken, da man sich vielleicht im Hintertreffen gegenüber Schülern sieht. Doch ich kann beruhigen, es ist nicht unbedingt so. Nur weil jemand schneller auf einem Smartphone tippen kann oder mehr Apps installiert hat, bedeutet das nicht gleichsam eine hohe Medienkompetenz. Daher: keine Angst vor dem neuen Stoff!

Es ist ein wichtiger Stoff

Und nicht nur Schulen sind gefragt, auch Eltern dürfen sich beteiligen. Denn es geht um die Bildung der eigenen Internetsicherheit, welche am Ende ein (oh Hilfe, dieser Begriff!) Wahrheitsministerium obsolet macht.

Es sind auch keine neuen Gesetze notwendig, sondern eher die Fragestellung notwendig, wie man die bisherigen Täter zu greifen bekommt. Wer üble Nachrede betreibt, muss dementsprechend auch dafür geradestehen. Und hier liegt bisher das Problem, da die meisten Täter straffrei davonkommen – sie sind schlichtweg nicht greifbar.

Ein sicherer Umgang mit Quellen und Aussagen bedeutet zwangsläufig, dass man einer Falschmeldung den Boden entzieht, auf dem sie gedeihen kann.

Falschmeldungen gab es schon immer, Falschmeldungen wird es immer geben. Die Frage ist jedoch, wie man mit einer Falschmeldung umgeht. Wer sie als solche erkennt, muss sich nicht fürchten. Je mehr Menschen eine Falschmeldung erkennen, desto unwirksamer wird sie.

Wir sehen bei unserer Arbeit täglich eine große Zahl von Falschmeldungen, Fälschungen oder Manipulationen. Viele sind so schlecht, dass man sie gar nicht thematisieren muss. man erkennt sie einfach, jeder erkennt sie und somit sind sie irrelevant.

Gefährlich wird es an den Stellen, wenn Informationen geschickt verändert oder verfälscht wurden, wenn sie so gebaut sind, dass man ihnen glauben möchte. Ob im Zuge von bevorstehenden Wahlen oder aber mit Blick auf einen vergangenen Horroclown-Hype: eine Falschmeldung wirkt immer dann, wenn jemand dafür auch empfänglich ist.

Der Ansatz lautet also “Bildung statt Verbot”. Und da darf nun gerne ein wenig Internetromantik mit einfließen, denn ohne Visionen und Ideale diesen Weg zu beschreiten ist es nicht nur schwieriger, sondern auch langweiliger. Denn das Netz soll spannend, mannigfaltig und progressiv bleiben. Der Austausch von Ideen, Kultur und Impulsen ohne Grenzen dürfen wir uns nicht reglementieren lassen, sondern wir müssen damit umzugehen lernen.

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