Lüge: Es gab keine Messer-Attacke im Netto Reichenbach

Lüge: Es gab keine Messer-Attacke im Netto Reichenbach

Von | 5. August 2019, 17:46

Wurde ein „Asylant“ beim Diebstahl erwischt und hat dieser dann der Kassiererin mit einer Schere in den Hals gestochen?

Das Thema selbst ist nicht neu, denn wir haben bereits im September 2018 darüber informiert. Dennoch ist es so, dass diese Behauptung abermals die Runde in den Sozialen Medien macht. Angeblich gab es eine Messerattacke im Netto Reichenbach. Doch das stimmt so nicht. Es handelt sich dabei um diesen Screenshot, der gerade wieder im Umlauf ist:

Screenshot: mimikama.at

Screenshot: mimikama.at

Die Nachricht im Wortlaut: „TEILEN! TEILEN! TEILEN! Die nächste Attacke es wird weiter geschlitzt. Messer Attacke im Netto Reichenbach Ortsteil Löbau bei Görlitz!!! Asylant beim Diebstahl erwischt, darauf hin wurde die Kassiererin mit einer Schere in den Hals gestochen es ist absolute Presse Sperre verhängt worden, sie haben Angst vor Ausschreitungen!!!“

Wahr ist…

Tatsächlich wurde die Polizei zu einem Ladendiebstahl in den Netto Reichenbach gerufen, da ein 20-jähriger Mann eine Schere stehlen wollte. Gegen den jungen Mann wird nun wegen Diebstahls von geringwertigen Sachen ermittelt.

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Falsch ist…

Die Behauptung, dass der Mann einer Kassiererin mit der Schere in den Hals gestochen habe und es aus Angst vor Ausschreitungen eine Nachrichtensperre gäbe. Am 6.9.2018 hat die Polizei ausführlich über den Vorfall und den jungen Mann auf Facebook berichtet:

Im Moment geistern viele Gerüchte und Falschmeldungen durchs Netz.
So auch in Reichenbach im Vogtland, wo ein Mann eine Schere gestohlen und einer Angestellten beim Verlassen des Geschäfts in den Hals gestochen haben soll. Dies stimmt so nicht. Richtig ist, dass der junge Mann eine Schere gestohlen hat und dass wir wegen Diebstahls von geringwertigen Sachen ermitteln. Der Rest ist wohl böswillige Unterstellung. Da der 20-Jährige kein unbeschriebenes Blatt ist, ordnete ein Richter am Amtsgericht nun Untersuchungshaft an.

Er steht im dringenden Verdacht, seit Anfang August mehrere Straftaten wie bspw. Leistungserschleichung, Körperverletzung, Bedrohung, Einbruchsdiebstahl und versuchte Erpressung begangen zu haben. Zwar wurde er in jedem Fall durch die Polizei am Tatort oder in dessen unmittelbarem Umfeld gestellt und die entsprechenden Anzeigen aufgenommen. Jedoch belegten seine Handlungen, dass er sich davon relativ unbeeindruckt zeigte. Nun reichten dem Richter die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Ermittlungsergebnisse gegen den Heranwachsenden aus und er folgte dem Haftantrag.

Der Beschuldigte steht u. a. im Verdacht, am 28. August die Angestellte einer Plauener Tankstelle bedroht zu haben sowie am Dienstag in eine Plauener Wohnung eingebrochen zu sein und später dessen Bewohner unter Messervorhalt erpresst zu haben.
Neben den im Haftbefehlsantrag dargelegten Taten in Plauen wird dem 20-Jährigen weiterhin vorgeworfen, am Montag in einem Reichenbacher Supermarkt einen Ladendiebstahl begangen und dabei eine Schere entwendet zu haben. Hierbei war es nicht zu der gerüchteweise im Umlauf befindlichen Verletzung einer Kassiererin gekommen.

Die polizeilichen Ermittlungen zu den vorgeworfenen Straftaten dauern an.

Dazu ergänzende dürfen wir eine Pressemeldung der Polizei Sachsen veröffentlichen:

Keine Bedrohung einer Supermarktmitarbeiterin in Reichenbach/O.L.

Derzeit geistert einmal mehr ein falsches Gerücht durch das Internet und soziale Netzwerke. In Reichenbach habe ein Mann einer Angestellten eines Geschäftes mit einer Schere in den Hals gestochen.

Leider wird dieses falsche Gerücht noch immer von Bürgern weiterverbreitet, ohne den Wahrheitsgehalt der Nachricht zu hinterfragen.

Der geschilderte Sachverhalt ist nicht richtig.

Tatsächlich handelt es sich um den Diebstahl einer Schere eines 20-jährigen Tatverdächtigen in einem Supermarkt. Der junge Mann wurde wegen dieser sowie weiterer Taten festgenommen und sitzt bereits in Untersuchungshaft. Darüber hinaus hat sich der Diebstahl der Schere in einem Supermarkt im Vogtland, nicht aber in der Oberlausitz zugetragen. Eine Verknüpfung mit der Stadt Reichenbach/O.L. ist also im doppelten Sinne falsch.

Die Polizeidirektion Zwickau berichtete bereits umfänglich zu dem Sachverhalt. Wahre Informationen finden Interessierte auch immer auf den Social-Media-Kanälen der Polizei Sachsen.

Die Botschaft der Polizeidirektion Görlitz lautet:

Werte Internet- und Facebook-Nutzer, bitte nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, Informationen gründlich zu durchdenken, bevor Sie ungeprüfte und sehr häufig falsche Gerüchte mit einem einfachen Knopfdruck binnen Sekunden weiterverbreiten und damit zu noch mehr Verunsicherung beitragen. Ganz offensichtlich legen es manche Fake-News-Ersteller leider genau darauf an. (tk)

Quelle: Polizei Sachsen
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