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So organisiert ist der Hate im Netz I Doku über Hater und Trolle.

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Wie funktioniert organisierter Hass im Netz? Warum werden manche Themen stärker aggressiv kommentiert als andere? Warum ist es eine kleine, jedoch auffällig oft auftretende Minderheit, die im Netz so viel Lärm macht, als sei sie ein Großteil der Bevölkerung? Zu diesen und anderen Fragestellungen bieten Rayk Anders und Patrick Stegemann in ihrer Doku Antworten. Zu der Doku beschreiben sie auf YouTube:

Die Doku verfolgt ein Team, das undercover als Trolle und Hater im Netz unterwegs war und berichtet von gesteuerten Shitstorms, Mobbingattacken, Wahlmanipulationen. In der Doku sprechen sie mit Trollen, Nazis und Hatern, sind verdeckt in Trollnetzwerken unterwegs. Für die Dokumentation „Lösch Dich: So organisiert ist der Hass im Netz“ hat sich ein Team um den YouTuber Rayk Anders und den Journalisten Patrick Stegemann ein Jahr in die Welt von Hatern, Trollen und Nazis begeben. Sie wollen herausfinden, ob die Wellen an Hasskommentaren abgesprochen und organisiert sind. Dabei geraten sie mitten hinein in den Meme-War, wie die rechten Trolle ihren Kampf um Aufmerksamkeit häufig nennen.

Die rund 40-minütige Doku zeigt die Gruppe aus Journalisten, Programmierern und Internetaktivisten, berichtet von ihren Rechercheerfolgen- und Niederlagen und zeigt ihr offline-Aufeinandertreffen mit Hatern. Für die Lösch-Dich-Doku treffen sie unter anderem die Trolle „Dorian der Übermensch“ und „imp der Übermensch“, aber auch politische Agitatoren wie Martin Sellner von der rechtsextremen Identitären Bewegung. Mit Fake-Accounts sind sie Teil von rechten Trollgruppen wie „Reconquista Germanica“. Sie hören zu, wenn sich die Hassposter organisieren, haben als vermeintliche Mitstreiter mitdiskutiert und waren bei geplanten Hatestorms dabei.

Ihre intensive Recherche zeigt: Hass im Netz ist organisiert. Er wird genutzt von politischen Gruppen, meistens rechtsmotivierten, ist aber auch schlicht Teil einer Gegenkultur im Netz. Oft sind Hater keine Einzeltäter. Sie organisieren sich in Gruppen und machen Jagd, hetzen, mobben und haten nach vorheriger Absprache bestimmte Seiten und Personen. In geheimen Foren mit Namen wie „Reconquista Germanica“ organisieren sie sich fast militärisch, geben sich Titel wie „General“, verwenden Begriffe wie „Sondereinsatzkommando“.

Sie selbst sehen sich als „Infokrieger im Infokrieg“ um die Meinungshoheit im Internet. Sie manipulieren die Stimmung im Netz, kapern Onlinediskussionen mit Hetze und Fakeaccounts. Sie erstellen massenhaft Memes unter anderem mit rassistischen Bildern, lassen sie tausendfach teilen und beanspruchen den Erfolg der AfD gern für sich.

Kritik an der Doku (Update)

Gleichzeitig hat die Doku jedoch auch kritische Stimmen hervorgebracht. So veröffentlichte die Facebookseite „Hooligans gegen Satzbau“ ein kritisches Feedback zu der Doku in Form einer Statusmeldung. Das besondere an dieser Statusmeldung: der Autor der Doku (Patrick Stegemann) nimmt in den Kommentaren Stellung zu der Kritik und es findet ein sachlicher Austausch statt (siehe hier). Die Statusmeldung im Ganzen:

Über „Lösch Dich! So organisiert ist der Hate im Netz“, die Dokumentation von Rayk Anders im Auftrag von funk, spricht aktuell gefühlt das halbe deutsche Netz.

Auch wir finden, dass es wichtig ist, Systematiken aufzuzeigen, die es schaffen, große Menschengruppen gegeneinander aufzuhetzen.

Was wir allerdings nicht wichtig, nicht richtig und vor allem nicht gut finden, ist, die Doku zwar zum großen Teil dem rechten Spam-Netzwerk „Reconquista Germanica“ zu widmen, dann aber zwei „Trolle“ wie #Dorianund #Imp[, die irgendwie sowas wie den Prototypen des hedonistischen Digital-Anarcho-Punks darstellen], als zentrale Figuren, Namensgeber der Doku und somit in einen unserer Meinung nach unangebrachten Zusammenhang [mit gefährlichen, politischen Ideologen wie Martin Sellner und der IB (siehe allein das Dokutitelbild)] zu setzen. [Kann man alles kritisieren, sind aber zwei paar Schuhe!]

Liest man sich das vollständige Interview mit den beiden durch – oder schaut das Video, fällt spätestens auf, dass hier etwas in einem braunen Topf zusammengerührt wird, was einfach nicht zusammengehört.

[Vielleicht war die Zeit der Doku zu kurz, vielleicht wollte man möglichst viel in möglichst wenig Zeit zusammenbrauen, vielleicht spielen persönliche Befindlichkeiten eine Rolle. Wir wissen es nicht.]

Abgesehen davon, dass wir Engagement gegen organisierten Hass und das Aufdecken geheimer Discord-Server (Great Job „Hans“) und entsprechende Gegenaktionen wirklich gut und unterstützenswert finden (Danke Jan Böhmermann und Team – gut gemacht). Das Ganze aber mit funk-Kritik zu verrühren, so ein stark vereinfachtes (Feind-)Bild zu schaffen, und das Ganze damit mehr oder weniger subtil in die rechte Ecke zu stellen, hinterlässt einen wirklich faden bis ekelhaften Beigeschmack[, denn funk ist in Gesamtheit sicherlich diskussions- und kritikwürdig!]

Allgemeine Informationen:

Mehr Hintergrundinfos auf dem Lösch Dich!-Kanal:
https://www.youtube.com/playlist?list…

Für Infos zum Thema schaut auch hier vorbei: Wer oder was hilft gegen Hass im Netz?
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/
https://no-hate-speech.de/de/

Weitere Infos: Zur Rolle der Trolle im US-Wahlkampf
http://www.politico.com/magazine/stor…

Deutsche Trolle – auch im Bundestagswahlkampf
https://faktenfinder.tagesschau.de/in…

Weiterführende Quellen: Berliner Verfassungsschutzbericht:
https://www.berlin.de/sen/inneres/ver…

Psychologische Studien zu Trollen:
https://www.sciencedirect.com/science…
http://www.cs.cornell.edu/~cristian/A…

Zur Messung von Hate-Speech
https://arxiv.org/abs/1701.08118

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