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Likes um jeden Preis?  So könnte man die Anfragen überschreiben, die uns zu folgendem Sachverhalt erreichen:

Kindesmisshandlung: Mutter würgt ihr Baby, weil sie Aufmerksamkeit bei Facebook wollte.

Eine 18jährige junge Mutter, ein süßes Baby, viele Fotos, Likes und ein Drama… das sind die Ingredienzien für diesen Vorfall.

Was jetzt durch die Presse geistert, ereignete sich bereits im Juni 2014:

Jene junge Mutter aus Florida präsentierte auf ihrer Facebook-Seite stolz fast täglich Fotos von ihrem Baby, und die wenigen Freunde liken auch ihre Bilder.

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Dieser Mutter war das jedoch nicht genug, sie wollte mehr Aufmerksamkeit

… schließlich ist das ja Facebook, da zählt nur, wer viele Likes bekommt. Also ging sie ins Krankenhaus und behauptete, dass ihr Baby Blut spucken würde. Sie saß alleine in einem Warteraum, indem sie sich unbeobachtet fühlte.

Als die Ärzte dann um das Leben des Kindes kämpften das durch die “Behandlung” der Mutter einen Atemstillstand erlitten hatte, filmte diese um es Mitleid erhaschend auf ihrem Facebook Account zu posten.

 

Die Überwachungskameras dort hielten jedoch fest, wie die Mutter das Kind würgte und später beim Stillen das Baby fast erstickt hätte. Redete sie sich vorher erst raus, dass dies alles ein Missverständnis sei, so gab sie, wie man in einem Video der Polizei sehen konnte, zu, dies mit Absicht getan zu haben… für mehr Likes auf Facebook!

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So weit sind wir also schon gekommen. Eine Gesellschaft, die ihr Selbstvertrauen auf „Likes“ stützt. Eine soziale Plattform, die so etwas ermöglicht. Nur wer Likes hat, ist beliebt.

Wir kennen ja alle jene Schock– und Dramavideos und Bilder, welche immer und wieder geteilt werden. Oftmals auch mit dem Hinweis:

„Wenn Du ein Herz hast, dann like und teile es!“ oder „97% trauen sich das nicht zu teilen!“

Like-Baiting (Like-Bettelei) ist kein Verstoß gegen die Facebook-Richtlinien, auch wenn einige Bildinhalte bei Like-Baitings mehr als diskutabel sind.

Was ist also nun, wenn die Realität zu langweilig ist?

Zumindest wenn man meint, die eigene Realität sei zu langweilig. Kein Drama, keine Action, keine Höhepunkte. Zumindest keine solche, die mit Likes aufgewertet werden können. Das Verhalten der Mutter ist nun ein mögliches Resultat daraus.

Aufgrund der angeblichen Definition des eigenen Lebensstatus anhand von Likes, fühlte sie sich nun dahin geleitet, Drama und Aufmerksamkeit in ihr Leben zu bringen – eventuell auch, um Missverhältnisse in ihrem realen Umfeld auszugleichen. Leider können wir das nicht mit Sicherheit behaupten, da wir ihr persönliches Umfeld nicht kennen, jedoch ist es nicht ungewöhnlich, dass “Likes” auf Facebook eigene real-soziale Verhältnisse überflügeln sollen.

Wie wir finden, ist das eine sehr bedenkliche Entwicklung.

Likes können und dürfen kein Indikator dafür sein, ob man selbst ein guter Mensch ist, ob das Leben, welches man führt, ein tolles ist, oder ob das Verhalten, welches man an den Tag legt, richtig ist.

Likes sind nicht davon abhängig, wie beschaffen die eigene reale Situation ist, sondern auch, welchem Umfeld man sie in sozialen Netzwerken vorstellt. So mag ein Luftbild aus der Sicht eines Quadrocopters auf parkende Fahrzeuge für viele Menschen keine Aussage haben und langweilig sein, jedoch für die Personen aus dem Umfeld ein Highlight!

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(Quelle: facebook, öffentlicher Status)

Ob nun selbiger Personenkreis auch 46 Likes auf der Seite der Youtuberin Dagi Bee tätigt, ist jedoch mehr als Zweifelhaft, obwohl diese über 1 Millionen Likes hat (was auch durchaus in Ordnung ist). Daraus sieht man, dass eine Likevergabe immer subjektiv ist und auf keinen Fall den Wert des realen Verhaltens, ja auch die reale Wertschätzung anderer für die eigene Person widerspiegelt.

Autor: Ralf & Andre, mimikama.at

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