Auf Sat.1 können bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ wildfremde Leute heiraten. Aber Paare und auch Eltern, die vielleicht schon Jahrzehnte zusammenleben und die sich lieben, dürfen das nicht. Wenn beide das gleiche Geschlecht haben. Was soll das?

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Von einer Freundin wurde ich auf die Sendung „Hochzeit auf den ersten Blick“ aufmerksam gemacht, in der sich Kandidaten bewerben können und ihren zukünftigen Ehepartner erst dann zu Gesicht bekommen, wenn die Fragen „Möchtest du sie/ihn heiraten?“ gestellt werden.

Von Liebe fehlt hier definitiv jede Spur. Selbst wenn man der Meinung ist, dass es so etwas wie „Liebe auf den ersten Blick“ gibt, hat diese Sendung nichts damit zu tun. Diese Sendung ist bestenfalls ein soziales Experiment und im schlechtesten Fall Trash-TV für Einschaltquoten.

Was bedeutet das für die Ehe?

Die Institution Ehe hat für viele Menschen unterschiedliche und unterschiedlich wichtige Bedeutungen. Für manche ist sie ein heiliger, religiöser Bund, für andere eine wichtige soziale Institution, für wieder andere die Höchstform der Liebesbekundung. (Und manche machen sich auch gar nichts daraus.)

Die Sat.1-Sendung trägt keiner dieser Bedeutungen Rechnung. Und das ist an sich auch gar nicht das Problem. Wir haben eine aufgeklärten, säkularen Staat und dort sollte es den Menschen auch erlaubt sein, für einen seltsamen TV-Stunt heiraten zu können.

Aber wir leben in einer Gesellschaft, in der wildfremde Leute fürs Fernsehen aus Jux heiraten können, während Paare, die schon seit Jahrzehnten zusammen leben, die Kinder haben oder haben wollen, die sich wirklich lieben, für die die Ehe die Erfüllung ihrer Träume bedeuten würde, das nicht dürfen. Einfach nur weil sie beide das gleiche Geschlecht haben.

Ist das nicht pervers, dass wir Menschen nicht heiraten lassen, die Kinder zusammen groß ziehen und sich lieben, weil das die „Heiligkeit der Institution Ehe“ gefährden würde, aber die „Hochzeit auf den ersten Blick“ tut das nicht?

Vertreter der Kirche und der CSU haben zwar beide das TV-Format kritisiert, aber bis auf ein paar Sätze in einigen Zeitungsartikeln ist nicht viel daraus geworden – Und die Sendung läuft weiter. Die Ehe zwischen zwei sich liebenden Menschen gleichen Geschlechts hingegen soll so eine Ungeheuerlichkeit sein, dass sie nicht einmal gesetzlich zugelassen sein darf? Wie kann die Ehe gleichgeschlechtlicher Partner das konservative Idealbild von Familie in irgendeiner Weise mehr zerstören als das was bei Sat.1 seit zwei Jahren läuft?

Hat diese TV Sendung irgendwas mit christlichen Familienvorstellungen zu tun? Hat Jesus nicht Liebe gepredigt? Wenn Liebe die Grundvoraussetzung für die Ehe sein soll, dann lasst die tausenden liebenden Menschen endlich heiraten! Solange solche Sendungen bei uns im Nachtmittagsprogramm laufen, kann mir niemand erzählen, dass es irgendetwas Sakrosantes an der Ehe zu schützen gäbe, das durch die Ehe für alle bedroht wäre!

Artikelvorschau: Syda Productions / Shutterstock.com

Thomas_LThomas Laschyk, Chefredakteur Volksverpetzer Journalist, Blogger, und Tierrechtsaktivist aus Augsburg. Auf seinem Blog Der Volksverpetzer beschäftigt sich Laschyk auf kritische und kreative Weise mit Themen aus Bundes- und Weltpolitik, bis zu Wirtschaft, Finanzen und ethischen Fragestellungen. Hier könnt ihr den Volksverpetzer auf Patreon unterstützen.
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