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Ein häufig geteilter Facebookstatus beschreibt eine schreckliche Sommerszenerie: ein Lkw-Stau von 90 Kilometern bei glühender Hitze vor dem Fährhafen  Calais.

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Erneut wird hier eine Problematik angesprochen, mit welcher Lkw-Fahrer kämpfen müssen, wenn sie von Calais aus nach Dover wollen. Es geht dabei um den Streik, der sich gegen den geplanten Verkauf des Fährgeschäfts des Eurotunnel  Betreibers richtete.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Bei dieser Beschreibung handelt es sich um Tatsachen, lediglich die einleitenden Sätze der Statusmeldung sind eine Interpretation. Die Meldung im Klartext:

Warum berichten die Medien wie ‪#‎RTL‬, ‪#‎N24‬ oder ‪#‎NTV‬ nicht über die katastrophale Situation in Calais? Weil’s vom Staat gedrückte und kontrollierte Klatschpressen sind!
In Calais gibt es aktuell vom Fährhafen bis zur belgischen Grenze Stau… fast 90km!!! Und in England vor Dover siehts nicht viel anders aus. Im Fährhafen Calais streikt das Fährpersonal, der Eurotunnel ist ebenfalls blockiert. Unzählige Fahrer müssen in ihren Fahrzeugen bei Temperaturen um 35°C ausharren…
Aber es sind ja nur LKW Fahrer, wen kümmerts?

Darf gerne mal geteilt werden, gerade für die Leute die jeden abend zuhause sein können mit ihren „9 to 5 jobs“ und vergessen wer ihnen die Bananen in den Supermarkt bringt oder Benzin zur Tankstelle liefert…

edit 4.7.15:
Ich bedanke mich erstmal bei fast 50000 Leuten die diesen Post geteilt haben. Und für die vielen tollen, aufmunternden Nachrichten von euch. Danke dafür!
Desweiteren möchte ich allen die mir unfreundliche Nachrichten zukommen lassen herzlichst meine Mittelfinger präsentieren.
Ausserdem will ich niemanden mit einem „9 to 5 job“ persönlich angreifen… OK?!

Und ganz wichtig: Leute, bitte hört auf mir Freundschaftanfragen zu schicken… seit der Veröffentlichung sinds fast 900 Anfragen gewesen. Versteht mich nicht falsch, aber ich kenne euch alle nicht persönlich, ich habe nicht mal 200 Freunde auf Facebook, davon kenne ich jeden persönlich. So soll es bleiben. Danke für Euer Verständnis.

Teilt es weiter, vielleicht passiert ja mal was in der Transportbranche!

Kein Fake

Abgesehen von dem Vorwurf an die Medien, welcher eigentlich überflüssig ist und es durchaus Meldungen zu dem Streik, aber auch der beigemischten Flüchtlingsproblematik vor Calais gibt, stimmt der Inhalt dieser Statusmeldungen. Vor Calais gab es in der letzten Woche einen Streik, welcher den Fährbetrieb völlig lahm legte und diesen Stau verursachte, zusätzlich aber auch das Flüchtlingsproblem vor Calais dramatisch verstärkte.. Die Deutsche Presseagentur gab dazu heraus:

Calais. Streikende Seeleute haben den Fährhafen von Calais und damit die kürzeste Schiffsverbindung zwischen Frankreich und Großbritannien blockiert. „Aufgrund eines Streiks ist der Hafen geschlossen. Momentan keine Abfahrt oder Ankunft”, teilte der Fährbetreiber P&O am Montagnachmittag auf Twitter mit.

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(Screenshot: Verkehrsrundschau)

Die Bilder aus dem Statusbericht sind ebenfalls kein Fake und gehören zu diesem Stau, der sich auf den Streik begründet. Die Bilder sind bei der RP Online zu finden.

Nachträglicher Hinweis zur angeblichen Pressesperre:

Dass „die Medien“ nicht berichten dürfen, ist Unsinn. Es gibt eine große Mengen an Meldungen zu diesem Streik, sowie auch dem Flüchtlingsproblem, darunter namhafte Medien wie Spiegel, FAZ, Zeit und eben auch … RTL

Differenzieren!

Man muss nun ein wenig aufpassen, und nicht die generell bestehende Flüchtlingsproblematik vor Calais mit diesem Streik verwechseln. Der Streik ist mittlerweile vorüber, die Verkehrslage hat sich dementsprechend wieder entspannt. Die Problematik um aufspringende Flüchtlinge, welche unentdeckt nach England einreisen wollen, besteht jedoch weiter. Durch den Stau ist hat sich hier jedoch die Gesamtsituation in dem Zeitraum deutlich verstärkt.

So ist der Frankfurter Allgemeinen zu entnehmen:

Denn plötzlich ist die ganze europäische Flüchtlingskrise auch ein Teil dieses Konfliktes. Dies war am Dienstag dieser Woche in Calais zu beobachten: Wütende Mitarbeiter der Eurotunnel-Fährgesellschaft My Ferry Link blockierten mit brennenden Reifen bei Calais den Zugang zum Tunnel und besetzten die Gleise. Kilometerlange Lkw-Staus waren die Folge – und boten eine Chance für Trittbrettfahrer nach England.

Man muss hierbei durchaus bedenken, dass es sich nicht um einen klassischen “deutschen” Streik mit Trillerpfeifen und Plastikmänteln mit Aufschrift handelt, sondern tatsächlich handfeste Rangeleien, Polizeieinsätze und brennende Reifen dreht. Einen Eindruck dieses Streiks kann man in der Bilderstrecke der FAZ gewinnen:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/eurotunnel-brennpunkt-fluechtlingskrise-13666283/engpass-eurotunnel-13666871.html

Diese Einreiseversuche gab es auch bereits vor dem Streik und dem beschriebenen Stau, wir haben die durchaus für Lkw-Fahrer bedrohliche Situation in unserem Artikel “die asylanten plündern auf der autobahn” bereits am 19 Juni 2015 beleuchtet. Daher nochmal in Kurzform:

  • Streik vor Calais war real
  • angaben um den Stau stimmen
  • Flüchtlingsproblematik ist auch real, wurde durch den Stau verstärkt

Artikelvorschaubild:

A. Aleksandravicius / Shutterstock.com