Der Kongo – Wo Fake News auf Facebook tödlich sind

Von | 9. Juli 2019, 11:41

Wenn in unseren Breitengraden Fake News verbreitet werden, ist das unschön, aber zumeist folgenlos. Im Kongo hingegen ist das ganz anders.

Wenn hierzulande Fake News auf Facebook verbreitet werden, geschehen folgende Dinge:
Eine Menge Leute glauben und verbreiten sie, es gibt viele Kommentare, es wird sich aufgeregt, manchmal kommt es sogar zu Drohungen oder Hetze. Zu irgendeinem Zeitpunkt werden auch Fact-Checker wie wir auf solche Fakes aufmerksam und klären darüber auf.

Eine hypothetische Fake News

Nehmen wir einmal an, jemand verbreitet die Meldung, dass Angela Merkel künftig allen Frauen verbieten würde, Hosen oder kurze Röcke zu tragen.
Viele würden diese Nachricht nur mild belächeln, andere jedoch würden sie ernst nehmen, es auf die Migranten schieben oder sonstwen für schuldig befinden.
Es gäbe eine ziemlich große Aufregung unter allen, die diese Nachricht glauben, doch gäbe es deswegen wahrscheinlich keine Todesopfer.

Eine Fake News, die böse Folgen hatte

Eine ähnliche Fake News verbreitete sich im März 2019 über Facebook:
In Bukavu, einer Stadt im Osten der Demokratischen Republik Kongo, verbreitete sich das Gerücht, die Frau des Präsidenten habe allen kongolesischen Frauen verboten, Hosen oder kurze Röcke zu tragen.

Wie die Seite „Poynter“ berichtet, kam es daraufhin zu dramatischen Szenen in dem Ort: Frauen wurden geschlagen, weil sie Hosen oder kurze Röcke trugen, eine Frau wurde von mehreren Männern ausgezogen und fotografiert, die Bilder auf soziale Medien hochgeladen.

- Werbung -

Was ist, wenn du nur zwei Quellen hast?

Internetzugang ist für die meisten Einwohner des Kongo unerschwinglich. Jedoch bieten viele Netzwerkanbieter zwei Dienste kostenlos an:
Den Zugang zu Facebook und zu WhatsApp.
Man kann also zwar diese beiden Plattformen benutzen, aber nicht etwa Links zu Artikeln antippen oder nach etwas einfach mal googlen. Das Internet beginnt und endet für viele Menschen dort bei Facebook, und was dort steht, gilt als Fakt.

Verbreitung durch Mundpropaganda

An den meisten Orten im Kongo haben nur die wenigsten Menschen überhaupt ein Smartphone und damit auch Zugang zum Internet. Das führt dazu, dass derjenige mit dem Smartphone quasi auch der Träger der „Wahrheit“ ist. Diese Person liest etwas auf Facebook und erzählt es weiter. Die erzählen es an ihre Bekannten und Freunde weiter, um am Abend kann sich eine Fake News schon im ganzen Ort verbreitet haben.
Die Mundpropaganda macht es dadurch häufig noch schlimmer, denn wir wissen alle, wie es mit Gerüchten so ist: Je weiter sie getragen werden, umso mehr Dinge werden hinzugedichtet, um sie noch sensationieller zu machen.

Kongos Kampf gegen Fake News

Gerade im Osten des Kongo herrschen teilweise noch bürgerkriegsähnliche Zustände. Zudem wütet Ebola in Teilen des Landes, was zu noch mehr Turbulenzen führt. In einem solchen Klima können Fake News buchstäblich tödlich sein!

Um den grassierenden Fake News entgegenzutreten, gründete Sammy Mupfuni im Jahr 2018 die Fact Checker-Plattform „Congo Check„. Natürlich findet sich die Seite auch auf Facebook und deckt dort auf eindeutige Art und Weise Fake News auf.
Hier beispielsweise ein Beitrag zu der Fake News, dass die WHO den Kampf gegen Ebola aufgegeben habe… ein Fake, der zurecht für Unmut und Panik sorgen würde, wenn er sich, wie oben beschrieben, verbreitet!

Das Team von „Congo Check“ besteht mittlerweile aus 16 Mitgliedern, die auf eigene Kosten gegen Fake News vorgehen. Dies kann auch gefährlich sein, da „Reporter ohne Grenzen“ im Jahr 2018 den Kongo als das Land mit den meisten Verstößen gegen die Pressefreiheit registrierte.

Gerade das Thema „Ebola“ wird gerne von Fake News mißbraucht, weswegen die Fact Checker unter dem Hashtag #FactcheckEbola viele der Falschnachrichten aufdecken. So kursieren auch beispielsweise folgenschwere Fake News, dass Zwiebeln ein Wundermittel gegen Ebola seien… eine Falschbehauptung, die wortwörtlich tödlich enden kann.

- Werbung -

Was sind Deine Quellen?

Wie hälst Du es mit Nachrichten? Glaubst du alles, was auf Facebook steht? Checkst Du die Quellen? Überprüfst Du allzu sensationelle Nachrichten auf Google, ob es noch weitere Quellen gibt? Verlässt Du Dich auf Aussagen Deiner Freunde und Bekannten? Oder nutzt Du die Freiheit, Meldungen überprüfen zu können?

Fake News mögen für die Ersteller nur eine einfache „Trollerei“ sein, um viele Klicks zu erhalten, durch die sie sich besser fühlen.
Doch wie man am Beispiel Kongo sieht, können Fake News auch tödlich sein.

Quellen: Poynter, Congo Check

Artikelbild: Shutterstock / Von bmszealand
- Wir brauchen deine Unterstützung -

An alle unsere Leserinnen und Leser! Wir haben keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten offen halten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama auch weiterhin geben. Hier kannst Du unterstützen: via PayPal und Steady

- Werbung -
- Werbung -