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Der Titel: Bald Hunde-Verbot in Deutschland wegen Muslime?

Vorab: Die Meldung selbst ist eigentlich bereits über 4 Jahre alt. Es gab keine Forderung nach einem Hundeverbot, sondern es gab eine Kritik an der Hundehaltung in Den Haag.

Einen ähnlichen Bericht gab es im November 2015

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„Was haben die Moslems gegen die Hunde?- Nichts- darum haben sie Angst vor ihnen und ihrer Bindung zu uns!!“


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Weiter heißt es in dem Artikel:

„In unserem Teil der Erde ist der Hund der beste Freund des Menschen. In der muslimischen Welt ist es genau das Gegenteil. Hunde werden als najassah (unrein) angesehen, und das Wort “Hund” wird als Beleidigung benutzt. Hasan Kücük, Mitglied des Stadtrats von Den Haag für die Islamdemokraten, hat deshalb gefordert, dass der Besitz von Hunden als Haustier kriminalisiert werden sollte. Dieser Vorschlag hat natürlich zu Protesten unter der holländischen Bevölkerung geführt. Viele von ihnen sehen diesen Vorschlag, völlig zurecht, als ein Teil der fortschreitenden Islamisierung Europas.“

Zurück in die Zukunft

Schubsen wir mal den DeLorean an und stellen den Flux-Kompensator auf den 28. Januar 2012. Zwei Jahre zuvor hat die lokale Partei „Islamdemokraten“ einen Sitz in der Den Haager Stadtregierung gewonnen. Der Fraktionsvorsitzende Hasan Kucuk hat diesen einen Sitz nun inne. Mitte Januar gab es eine Debatte des Den Haager Stadtrates über die kommunale Tierpolitik. In jener Debatte soll Kucuk diese Forderung gestellt haben, wie „De Telegraaf“, eines der größten Nachrichtenseiten der Niederlande, berichtete.

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So berichtet der „Telegraaf“:

„Das Halten eines Hundes im Haus sollte verboten werden, weil es Tierquälerei sei, so fordert Hasan Kucuk, Fraktionsvorsitzender der Islamdemokraten, vom Den Haager Stadtrat.

„Hunde gehören in die Natur, nicht ins Haus“, so Kucuk. Somit sollte Hundebesitz in der Hauptstadt strafbar sein. „Ein Hund in einer Wohnung ist Tierquälerei.“ “

Verständlicherweise regte sich durch diese kurzen Sätze der Unmut der Hundebesitzer in den Niederlanden. Nur zwei Tage später äußerte sich auch Kucuk gegenüber „Omroep West“ zu den Vorwürfen, er wolle Hunde verbieten lassen.

Kucuk sagte, dass seine Worte aus dem Zusammenhang gerissen wurden.

So sagte er während der hitzigen Debatte zwar tatsächlich „Ich finde es erbärmlich, dass manche Hunde 23 Stunden am Tag in der Wohnung eingesperrt sind.“, jedoch fordere er und seine Partei damit keinesfalls ein Hundeverbot in Den Haag.

Auch drei Jahre später, 2015, hat Kucuk immer noch einen Sitz in der Regierung von Den Haag, jedoch kam es seitdem nie zu einer Forderung, Hunde zu verbieten, weder von Kucuk selbst noch von seiner Partei. Jene Seite wärmt also somit eine fast vier Jahre alte Meldung auf, um sie als „neu und aktuell“ zu verkaufen, um mal wieder Ängste von einer „Islamisierung“ zu schüren!

Weitere Informationen:

Der Islam und Hunde

Im Islam gelten Hunde als unrein, darüber streiten sich jedoch die Gelehrten. Tatsächlich ist für Muslime die Haltung eines Hundes im Haus verboten, jedoch als Jagd- und Wachhund genehmigt. Auch gilt der Speichel eines Hundes nicht als unrein, da im Hadith sahih bei Buchari, dtsch. Ausg., Nr. 5475 geschrieben steht: „Was der Hund für dich gepackt hat, das kannst du essen; was der Hund für dich packt, ist zum Essen rein.“ .
Allgemein ist der Tierschutz im Islam kein neuzeitlicher Fortschritt, sondern ist von Beginn an fester Bestandteil des islamischen Wertesystems, jegliche Art der Tierquälerei ist verboten.

Die Islamdemokraten

„Muslime in der Regierung… das ist die schleichende Islamisierung! Habt Panik, Leute!“, so hören wir viele schon rufen. Tatsächlich scheint da aus vielen Menschen da mal wieder die Unwissenheit zu sprechen, da, wie jener Artikel sagt, Islam und Demokratie doch gar nicht zusammenpassen würden.

Wenn man aber mal einen Blick in das Parteiprogramm der Islamdemokraten wirft, so wird man erkennen, dass es nicht um eine Islamisierung geht, sondern um eine Kombination aus westlicher Demokratie mit islamischen Werten, ein gemäßigter Islam mit europäischen Werten.

So wird z.B. die Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft gefordert, aber auch der Respekt vor Frauen. Männer schütteln im Islam Frauen nicht etwa nicht die Hand, weil sie sie missachten, sondern aus Respekt: Nur die eigene Frau darf berührt werden. Es wird gefordert, dass ein Mann einer Frau nicht die Hand schütteln muss, von einem Verbot ist keine Rede.
Auch fordern sie, dass „Coffee Shops“ und Prostitution nicht etwa verboten, aber aus Wohngebieten ferngehalten werden. Auch sollte nicht an jeder Ecke eine Kneipe stehen, da Alkohol oft zerstörerisch wirkt. Sie fordern aber keinen Alkoholverbot.

Fazit:

Eine knapp vier Jahre alte Meldung, welche nur zwei Tage später relativiert wurde, wird von einer hetzerischen Seite als Neu verkauft. Es gab keine Forderung nach einem Hundeverbot, sondern es gab eine Kritik an der Hundehaltung in Den Haag.

Es gibt eine Partei, die einen Sitz in Den Haag hat und den „gemäßigten Islam“ vertritt. Dies ist hilfreich für beide Seiten, da viele Menschen bei dem Wort „Islam“ anscheinend nur schwertschwingende IS-Kämpfer und Frauen mit Burkas im Kopf haben, ohne sich mal genauer zu informieren.

Interessant in jenem Zusammenhang ist ein Artikel des „Deutschlandfunk“, welcher über die viel zitierte Sure 2, Vers 191 – 193 aufklärt, worin viele zu lesen glauben, dass der Islam zum Mord an allen Ungläubigen aufruft. Dass dies allerdings Interpretationssache ist und von Hasspredigern und dem IS nach deren Gutdünken genutzt wird, wird in jenem Artikel auch für Nicht-Islamkenner deutlich.

Autor: Ralf, mimikama.at
Recherche: Janine M.