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“Auf Grund des Wetters passend. Tierärzte warnen vor Gift Tropfen in Wasserpfützen.”

-Produktempfehlung: Kaspersky lab-

Obwohl wir schon einmal über K.O. Tropfen berichtet haben, die nun angeblich in Pfützen ausgegossen werden, um Hunde zu vergiften, bekommen wir noch immer Anfragen dazu, diesmal aus dem Raum München. Der Statusbeitrag lautet: “Hallo ihr Lieben,
diese Nachricht wurde gerade in einer anderen Hundegruppe gepostet. „Auf Grund des Wetters passend. Tierärzte warnen vor Gift Tropfen in Wasserpfützen. Das ist anscheinend der neuste negative Trend an Giftködern. Zwei Hunde waren bereits betroffen und starben. Also ja nicht aus den Pfützen trinken lassen. Vorfälle wurden aus dem Münchner Osten gemeldet laut einer Tieraztpraxis in Krailling, genauere Infos haben die leider auch nicht. Wer weiß, wann hier sowas anfängt…Passt gut auf eure Wuffis auf…”

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Jetzt mal ganz fett und am Anfang: DAS IST BLANKER UNSINN

Wie schon mein geschätzter Kollege Sebastian Goßmann aus der Praxis Jonigkeit geschrieben hat:

Nachdem ich nun schon mehrfach nach dem Wahrheitsgehalt dieses Artikels gefragt wurde, der sich leider auch schon ordentlich im Netz verteilt hat, möchte ich diesen HOAX zerschlagen bevor er allzu große Panik verbreitet.

Schlimm genug, dass es KO-Tropfen tatsächlich in Getränken oder Speisen gibt…
Jeder klardenkende Mensch kann aber ungefähr hochrechnen welche Mengen von diesen Medikamenten man bräuchte um eine Pfütze (!!!) damit in ausreichender Menge zu ‘vergiften‘.

Es muss jetzt niemand (wieder mal dringend) Giftköder-Trainingseinheiten buchen, weil angeblich die halbe Welt Hunde töten möchte…

Wasserpfützen können durchaus Gefahren wie Leptospirose, Botulismus o.ä. Keime bergen, dies ist aber ein anderes Thema und hat nichts mit vermeintlichen KO-Tropfen zu tun.

Gerade bei ungenauen Angaben ohne konkrete Quelle wie Ortsangabe, Verfasser o.ä. und wie hier der allgemeinen Aussage „Tierärzte warnen…“ sollte immer der Wahrheitsgehalt angezweifelt werden. Auch wenn bei Google nur eine einzige Quelle diesbezüglich existiert, kann man durchaus skeptisch werden!

Im Zweifelsfall einfach mimikama (ein auf Spenden angewiesener Verein) anschreiben – dort geht man solchen Meldungen nach und überprüft sie, um dann öffentlich und großflächig vor solchen Falschmeldungen zu warnen…

Tierarzt Sebastian Goßmann (aus Engelskirchen nahe Köln)

Danke hier nochmal für die Erwähnung von mimikama!

Jetzt gehen wir mal ganz logisch an die K.O.Tropfen und die Pfützen ran.

  1. Eine Pfütze enthält x-Liter Wasser. Wie soll man nun die richtige, tödliche Dosierung finden, um einen Hund zu vergiften? Fast unmöglich!
  2. Es gibt ca. 100 Substanzen, die als K.O. Tropfen gebräuchlich sind. Am häufigsten ist Gammahydroxybuttersäure (GHB) oder auch Liquid Extacy genannt. GHB kostet um die 50€ für ca. 25ml, ganz schön teuer für eine Pfütze.
  3. Wie soll der Täter sichergehen, dass auch ein Hund aus genau dieser Pfütze trinkt, zumal GHB nicht lecker ist? Es schmeckt seifig, salzig und Hunde würden einmal probieren und dann lieber eine andere Pfütze nehmen.
  4. Nehmen wir trotzdem mal an, einer ist so doof eine Pfütze zu präparieren. Wenn es wieder regnet, ist alles für den Arsch, weil der Verdünnungseffekt die Wirkung aufhebt. Regnet es nicht, trocknen Pfützen ganz schnell wieder aus und das Zeug ist auch weg – wieder alles für den Popo!

Es gibt wirklich gute Gründe, einen Hund nicht aus einer Pfütze trinken zu lassen, denn viele Krankheitserreger können sich in diesen tummeln (Leptospiren, Botulismuserreger, und ganz fiese Durchfallkeime ectpp), aber K.O. Tropfen gehören definitiv NICHT dazu.

Jetzt könnte man denken: Lieber einmal mehr warnen, als einmal zu wenig!

FALSCH!

Denn so wird Panik geschürt und ganz schnell merken halbwegs intelligente Zeitgenossen, dass das alles nur Fake ist und bei der nächsten und übernächsten Fakewarnung nimmt man die dritte, die echt ist nicht mehr wahr. Nennt man den Peter-und-der-Wolf-Effekt.

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht!“

Falschmeldungen sind gefährlich, also nicht immer alles hirnlos teilen, sondern mal 5 Sekunden Nachdenken.

Wenn ein Hund nach dem Genuß von Pfützenwasser krank wird, schnell einen Kollegen aufsuchen!

Autorin: Anke Meeuw, Tierärztin Berlin