In einigen Jahren könnte es spannend werden: Jeder Mensch hat ein Recht auf das persönliche Bild, Genau genommen heißt das, dass niemand Fotos von Jemandem ohne dessen Einwilligung veröffentlichen darf. Wenn also ein Freund peinliche Partyfotos von euch postet, dürft ihr ihn nötigenfalls verklagen, um das Bild löschen zu lassen.

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Aber wie schaut es mit den süßen Baby- und Kinderfotos auf Facebook aus, die Eltern manchmal massenhaft posten? Müssen die Eltern mit Klagen ihrer Kinder rechnen?

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Bildquelle: Facebook, öffentlicher Status

Hohe Geldstrafen möglich

Frankreich hat sehr starke Gesetze zum Schutz der Privatsphäre. So wird dort davor gewarnt, dass Fotos von Kindern auf Facebook mit einer Strafe von bis zu 45.000 Euro und einem Jahr Haft belegt werden könnten. Nun wird auch in anderen Ländern darüber diskutiert, zum Schutz von Kindern solche hohen Strafen zu ermöglichen, denn irgendwann werden auch diese Kinder mal größer und wollen dann nicht z.B. von Mitschülern ausgelacht werden, weil die Eltern vor Jahren ein Foto posteten, wie man als Baby auf dem Pinkeltopf sitzt, wie die Autorin und Kinderpsychologin Catherine Steiner-Adair betont.


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Das Kind als Multimedia-Projekt

Im Jahre 2015 führte die Internet-Firma Nominet eine Untersuchung über Kinderfotos auf Facebook durch. Demnach posten Eltern in Großbritannien jedes Jahr rund 200 Fotos von ihren Kindern. Bis zu ihrem fünften Lebensjahr kursieren also bereits durchschnittlich 1000 Fotos eines Kindes im Netz. Wo man früher noch ein Familienfotoalbum hatte, in das man höchstens mal enge Freunde reinschauen ließ, teilt man heute weltweit Fotos, die einem Kind irgendwann mal peinlich werden könnten.

Wie wird die Zukunft aussehen?

Soziale Netzwerke sind noch relativ jung, deswegen ist es schwer, jetzt schon zu sagen, wie die heutigen Kinder auf solche Fotos in ein paar Jahren reagieren werden. Wird es für sie so normal sein wie z.B. heutzutage ein Smartphone (undenkbar vor 20 Jahren), dass Jeder, auch z.B. der süße Junge/das süße Mädchen aus der Parallelklasse evtl. peinliche Babyfotos sehen kann? Oder wird es zum großen Zwist zwischen Eltern und Kindern kommen?

Professor Nicola Whitton von der Manchester Metropolitan University gehört zu den Menschen, die Schlimmeres befürchten:

„Ich denke, in einigen Jahren werden unsere Kinder gegen diese Offenheit angehen wollen, wenn ihnen klar wird, dass ihr ganzes Leben von Geburt an in sozialen Netzwerken einsehbar ist.“

Bereits jetzt, so eine Studie der University of Michigan, sind Kinder und Jugendliche im Alter von 10 – 17 Jahren darüber besorgt, was Eltern an Kinderfotos posten, während viele Eltern dies als ihr „Recht“ ansehen, diese Fotos posten zu dürfen.

Kinder sind Menschen

„Eltern müssen sich darüber klarwerden, was das Richtige für ihr Kind ist“, so Whitton. „Kinder sind Personen, sind menschliche Wesen. Und diese werden in 15 Jahren vielleicht nicht sehr dankbar für ihre öffentlichen Babyfotos sein. Es mag ja hart sein, aber posten Sie keine Bilder, bis Sie mit dem Kind sprechen können und es alt genug ist, um zu verstehen, was Sie da machen“.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Eltern bei jedem Foto mit ihrem Kind diskutieren müssen, so erläutert Professor Sonja Livingston von der London School of Economics, ein Kind sollte aber prinzipiell wissen und verstehen, wann und warum Eltern ein Foto von ihnen posten.

Erst denken, dann klicken

Eltern sollten sich noch viel mehr darüber Gedanken machen, mit wem sie was auf Facebook teilen. Es ist ein großer Unterschied, ob man ein Babyfoto mit 50 Freunden oder 500 unbekannten Zufallsfreunden teilt. Lt. der Studie von Nominet haben 17% aller Eltern in Großbritannien noch nie ihre Sicherheitseinstellungen auf Facebook überprüft. „Man muss im Kopf haben, dass sich die digitale Welt ständig ändert, dass Bilder im Netz teilweise nach Jahrzehnten noch auftauchen, dass nicht vorhersehbar ist, wo genau Bilder landen, die man teilt, und wie sie genutzt werden“, so Livingston.

Öfter mal das Smartphone wegstecken

Liebe Eltern,
es gibt noch einen weiteren Grund, nicht so viele Fotos zu posten. Erschreckenderweise entwickelt sich das Fotografieren von Kindern manchmal zu einem Sport unter Eltern. Das führt in Extremfällen so weit, dass Kinder sich unter Druck gesetzt fühlen, für Mamis Snapchat-Fotos möglichst süß auszusehen, während sie malen, im Sand spielen oder basteln.

Kinder sind nicht dumm. Kinder werden merken, wenn sich Eltern mehr für das Foto als für das Kind interessieren. Wenn Kinder Fußball spielen, dann sehen sie keine Zuschauer mehr. Dann sehen sie ein Meer von Smartphones, dahinter die Eltern, die gebannt auf das Display schauen, anstatt dem Kind zuzusehen.

Eure Kinder wollen nicht euer Smartphone sehen. Sie wollen euer Lächeln sehen, wenn ihr ihnen zuschaut. Das ist wichtiger für ein Kind als jedes Foto auf Facebook.

via The Guardian

Artikelvorschau: CREATISTA/ Shutterstock.com

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