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In den letzten 3 Tagen gab es verschiedene Meldung aus dem Raum Köln / Aachen, welche versuchte Kindesentführungen von verschiedenen Tätern beschreiben. Polizei, Schulen und Eltern sind in Alarmbereitschaft.

Mittlerweile häufen sich die Angaben in verschiedenen Städten, welche sehr ähnlich klingen. Daher hat dieser Bericht mehrere Updates bekommen:
Ursprünglicher Bericht
Doppelupdate 24.09.2014 (Karlsruhe / Entwarnung in Bickendorf)
Update 25.09.2014 (Lörrach und Umgebung)
Update 26.09.2014 (Theorien und Ansätze)
Update 01.10.2014 (Falschmeldungen überführt)
Update 02.10.2014 (Jack of the Box: der erste Vorwurf nennt „Ausländer“ als Täter)

Warnhinweise, Warnbriefe und Meldungen werden nun auch auf Facebook geteilt. Diese Statusmeldungen sehen wir folgt aus:

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Der Zeitungsbericht schildert verschiedene Fälle im Raum Köln, für die es nun bei der Polizei gilt, diese zu klären und zu prüfen, ob Zusammenhänge bestehen.

Elternbrief einer Schule

Was auch immer wieder geschieht, und leider auch immer etwas kritisch zu beachten ist, sind Onlineveröffentlichungen von Elternbriefen.

Diese werden von besorgten Eltern hochgeladen und verteilt. Dabei sind weniger die Briefe selbst problematisch, sondern eher die Veröffentlichungen im Netz. Grundsätzlich sind Elternbriefe ein vernünftiges Mittel, um eben die Eltern zu informieren, jedoch ist es fraglich, in wie weit diese in Netzwerken verteilt werden sollten. Folgender Brief aus dem Raum Aachen ist zeitgleich zu dem Zeitungsartikel unterwegs:

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Zu diesem Brief haben wir die Pressestelle der Polizei Aachen angeschrieben und um Informationen zu dem Fall gebeten. An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für die schnelle und freundliche Auskunft der Pressestelle Polizei Aachen bedanken, welche auf eine heute herausgegebene Meldung verweist:

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(Grafik: Mailanhang der Pressestelle Polizei Aachen)

Problemstellung

Aktuell geht die Polizei allen Hinweisen nach, es gibt jedoch derzeit keine Konkreten Ergebnisse. Zeugenaussagen und Ermittlungen konnten bisher auch noch keinen dieser Fälle bestätigen. Die Polizei nimmt diese Angaben sehr ernst!

Da nun diese Hinweise auch in den sozialen Netzwerken angekommen sind, sollte nun Besonnenheit walten. Warnen und die Augen offen halten ist völlig in Ordnung – jedoch sollten eventuelle Kenntnisse ausschließlich der Polizei mitgeteilt werden. Eine Hetze oder Fahndung via Facebook sollte man vermeiden.

Update 24.09.2014: Erste Hoaxfälle

Die Meldung von “Kinderfängern” im Raum Köln wurde auch per WhatsApp verteilt. Eine dieser Meldungen, welche so verbreitet wurden, die sich auf einen angeblichen Entführungsversuch in Bickendorf bei Köln bezieht, wurde mittlerweile nach Aussage des Express von der Polizei dementiert.

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(Screenshot und Quellinfo: Express )

Nun auch bundesweit?

Gleicher Stil, gleiche Aussagen? Wieder mehrere unbekannte Männer, die in Karlsruhe Kinder in einen Lieferwagen gelockt haben sollen.

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(Screenshot: ka-news.de )

Auch hier gibt es nun verstärkt Kontrollen durch die Polizei, die ka-news muss jedoch auch in ihrem Artikel folgendes Statement der Polizei wiedergeben:

Das Kriminalkommissariat Bruchsal geht derzeit allen Hinweisen nach“, erklärt die Polizei Karlsruhe auf ka-news-Anfrage – „nach derzeitigen Erkenntnissen, insbesondere auch nach der Anhörung der Kinder, kann aktuell weder von einem aktiven Ansprechen noch von einer konkreten strafbaren Handlung ausgegangen werden.

Eine Warnmeldung dazu, die in sozialen Netzwerken verteilt wird, spricht sogar von Lieferwagen und deutet auch grob dass Aussehen der verschiedenen angeblichen Kinderfänger an.

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Update 25.09.2014: Lörrach und Umgebung

Im Moment kommen täglich neue Meldungen an, die über Facebook verteilt werden. In der neuen Version liegt eine Statusmeldung vor, in der, wie im Elternbrief, von verschiedenen Leuten die Rede ist, die immer anders aussehen. Abermals ist ein Kind, laut Meldung, knapp einer Entführung entkommen.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Leider sind wir bei der Suche in den entsprechenden Pressemitteilungen der Polizei erfolglos geblieben, so dass wir abermals die Polizei angeschrieben haben. Hier erhielten wir folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr  [ZDDK / Mimikama],

zunächst vielen Dank für ihre Nachricht. Wie begrüßen ihre Tätigkeit, Gefahren im Internet entgegenzuwirken.
Im Landkreis Lörrach sind uns aktuell keine solcher Fälle bekannt bzw. gemeldet/angezeigt  worden.  Die Ernsthaftigkeit der Warnmeldung konnte bislang polizeilich nicht verifiziert werden. In den Abendstunden des 24.09.14 meldeten sich einige Bürger telefonisch und erkundigten sich, nachdem sie die Warnmeldung gelesen bzw. von ihr gehört haben.  Kurzum: die Warnmeldung können wir nicht bestätigen.

Mit freundlichen Grüßen

Polizeipräsidium Freiburg
Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit

Update 26.09.2014: Theorien und Ansätze

Mittlerweile gibt es wieder viele Ähnlichkeiten, viele Parallelen und Gleichartigkeiten unter den einzelnen Meldungen: mehrere, also mindestens 2 Personen, dunkle Fahrzeuge, Polizei angeblich informiert, bzw. es Ermittlungen sind Ergebnislos. Manchmal hat man das Gefühl, es mit der Fabel “Der Hirtenjunge und der Wolf” zu tun zu haben, jedoch darf man keinen dieser Meldungen herunterspielen. Niemand möchte am Ende verantwortlich sein, wenn ein Fall zutrifft, jedoch die Ohren vorher taub waren.

Problemstellung: Hohe Sensibilisierung und soziale Netzwerke
Fast alle reagieren nun mal (berechtigterweise) sensibel gegenüber Fällen, in denen Kinder angesprochen werden. Passanten beobachten Situationen, bieten Hilfe an, andere nehmen Kennzeichen auf. Was ist, wenn die Zusammenhänge sich verwischen, wo Helfer, die Kinder auf eben eine potentielle Problemsituation ansprechen, zu Tätern diagnostiziert werden?

„Die wollten mich klauen“

Der BMW-Fahrer konnte mittlerweile ermittelt werden. Er schilderte den Vorfall wie folgt: Der Junge habe sich auf dem Heimweg von der Franziskusschule befunden. Seine Mutter war ihm mit dem Auto entgegengekommen, hatte am Fahrbahnrand angehalten und den Sohn gefragt, ob er mitfahren wolle.
Das Kind wollte aber nicht und lief los. Diesen Vorfall hatte der BMW-Fahrer beobachtet. Er stoppte seinen Wagen neben dem Kind und fragte, was die Fahrerin des dunklen Autos von dem Jungen gewollt habe.
Das Kind habe darauf geantwortet: „Die kenne ich nicht, die wollten mich klauen.“ Der Mann bot dem Kind daraufhin an, es nach Hause zu bringen. Deshalb stieg der Junge in den BMW.

(Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger )

Dumm in diesem Fall für den Helfer: er wurde beobachtet und sein Fahrzeugkennzeichen wurde an die Polizei weitergegeben.

So weit, so richtig. Es hätte auch anders ausgehen können. Daher ist die Information in Richtung Polizei immer der richtige Weg. Gefährlich wird es jedoch, wenn selbige Sachverhalte durch die Zeugen in sozialen Netzwerken verteilt werden würden. Wäre nun das Kennzeichen bei Facebook gelandet, drücken wir es mal so aus, hätte der Hilfesteller sich gleich einen Strick nehmen können.

Daher sieht die Polizei die Verbreitung (angeblicher) Vorfälle als Warnhinweis in sozialen Netzwerken eher kritisch. In einem Interview gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte Polizeisprecher Christoph Gilles

Wir haben nach solchen Meldungen häufig zahlreiche Anfragen besorgter Eltern, die irgendwo in der Stadt einen dunklen Wagen oder einen weißen Transporter mit verdächtigen Insassen gesehen haben wollen.

Auch Elternbriefe (siehe oben) werden oftmals vorschnell in sozialen Netzwerken verbreitet, so dass deren eigentliche Intention, dass beruhigende Warnen, sich eher gegenteilig auswirke. Selbst wenn soziale Netzwerke den positiven Aspekt haben, auf schnellem Wege viele Personen zu erreichen, so wächst auch gleichzeitig die Unkontrollierbarkeit einer Information.

Mittlerweile kreieren Nutzer schon eigene Theorien, woher das Symptom “Kinderfänger” kommen kann. Diese argumentieren, es dürfe z.B. auch nicht außer Acht gelassen werden, dass diverse politische Strömungen Einzelfälle nutzen können, diese schriftlich verändern und bundesweit zum Zwecke eine Übersensibilisierung  streuen, nur um hintergründig mit politischen Inhalten zu infiltrieren (Beispiel: Forderung nach Todesstrafe).
Das lässt sich jedoch nicht nachweisen und würde auch dazu führen, dass am Ende eher desensibilisiert wird.

Update 01.10.2014: 2 Meldungen aus Köln frei erfunden

Am 26. September 2014 gab die Polizeieine leichte Entwarnung: 2 eingegangene Meldungen waren erfunden. Die Polizei Köln gibt jedoch an, weiterhin jede Meldung ernst zu nehmen!

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Update 02.10.2014: 2 Erste Meldung verdächtigt konkret „Ausländer“

Und da ist der Jack out of the Box geploppt: In dieser Meldung steht nun zum ersten Mal konkret, die Kinderfänger würden Ausländer sein. Sehr interessant an dieser Stelle: die Info stammt aus der Quelle des “Bündnis Zukunft Hildburghausen”, einer politisch motivierten Vereinigung, die vor nicht allzu langer Zeit bereits mit sehr interessanten Vermutungen bei ZDDK / Mimikama thematisch aufgegriffen wurde (Malaria durch Asylanten eingeschleppt).

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Was nun also von dieser Meldung, die wie ein Zeitungartikel aufgemacht wurde, zu halten ist, muss man selbst entscheiden. Fakt ist, in der Zeugensuche der Polizei Sachsen taucht kein Hinweis dazu auf!

Der Vorwurf “Ausländer” ist auch interessant:
Welche “Ausländer” sind denn nun gemeint? Kinderlose Schweden, die Deutsche Kinder einfangen? Hier wird wieder recht deutlich, worauf die Statusmeldung zielt.

Bisher kein Ergebnis

Da bisher kein Ermittlungsergebnis feststeht, werden auch wir keine Aussage treffen, ob es sich hier der Anfang einer potentiellen Hoaxwelle handelt, oder ob hier gehäuft reale Versuche von Kindesentführungen vorliegen, welche in einer bestimmten Region stattfinden. Daher werden wir weiter diese Meldungen verfolgen und uns vorbehalten, diesen Bericht gemäß der Ermittlungsergebnisse zu erweitern.

Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass wir nur offizielle Aussagen wiedergeben können. Anonyme Hinweise, ohne jegliche Quellangaben, können wir leider nicht bearbeiten.

Autor: Andre, mimikama.at

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