Faktencheck: Kinder „ohne Hand“ geboren

Von | 16. September 2019, 12:24

Gleich drei Babys, die im Zeitraum von ca. 3 Monaten geboren wurden weisen ähnliche Fehlbildungen an den Händen auf. Ein Zufall oder steckt mehr dahinter?

Im Moment erhalten wir einige Anfragen zum Thema „Babys ohne Hände geboren“. So sollen angeblich in Gelsenkirchen mehrere Säuglinge ohne Hand geboren worden sein und das in sehr kurzer Zeit. Auch in Euskirchen sollen mehrere Kinder mit Fehlbildungen an den Händen zur Welt kommen sein.

Screenshot by mimikama.at

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Hinzu kommen Gerüchte, Pestizide würden Schuld daran sein, manche denken sofort an den Contergan-Skandal aus den 60er Jahren. Doch was hat es wirklich mit der Sache auf sich?

Der Faktenchek

Leider weiß niemand, woran es wirklich liegt. In einer Pressemitteilung gibt der Kölner Stadt-Anzeiger folgendes bekannt:

Auch im Kreis Euskirchen mehrere Kinder ohne Hand geboren – Abgeordneter wendet sich an Bundesgesundheitsminister

Im Kreis Euskirchen hat es offenbar ähnlich wie in Gelsenkirchen eine ungewöhnliche Häufung von Neugeborenen mit Handfehlbildung gegeben. Das berichtete der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Kölnischen Rundschau“ (Samstag-Ausgabe).

„Ich weiß von drei Fällen aus den letzten Monaten, in denen Kinder mit nur einer Hand geboren wurden“,

so Seif.

Anmerkung:

Die Bezeichnung „ohne Hände“ entspricht nicht der korrekten Darstellungsweise, da die Hände im Grunde zwar vorhanden, jedoch nicht komplett ausgeprägt sind.

Die Handteller und Finger sind dabei nur rudimentär ausgebildet. Es handelt sich insofern um Handfehlbildungen. (vergleiche).

Äußere Einflüsse verantwortlich?

In einem Schreiben bat er Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), ein Frühwarnsystem auf Bundesebene anzustoßen. So könne möglicherweise festgestellt werden, ob bestimmte äußere Einflüsse verantwortlich seien, auch wenn nicht immer die Ursache ermittelt werden könne. Bei seinen Nachforschungen vor sechs Monaten habe sich keine öffentliche Stelle verantwortlich gesehen, so Seif.

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Statistisch werde bundesweit und kreisweit lediglich ermittelt, wie viele Menschen mit Behinderungen es gebe. Darüber hinausgehende individuelle statistische Erhebungen, ob bei Neugeborenen eine Behinderung vorliege und um welche Art von Behinderung es sich handele, gebe es nicht.

Frankreich ebenfalls betroffen

Auch in Frankreich wurden in den letzten Jahren ungewöhnlich viele Kinder ohne Hände oder Arme geboren. Die französische Gesundheitsbehörde versucht, der Ursache auf den Grund zu gehen. Bislang weiß jedoch noch niemand, warum es zu dieser gehäuften Anzahl an Fehlbildungen kommt.

In einer Reportage von ARTE beschäftigt man sich ebenfalls mit dieser Frage. (noch bis zum 21. September 2019 online und auch hier zu finden)

Ob der Grund für die Fehlbildungen jemals entdeckt wird, ist jedoch ungewiss.

Fazit:

Ja, in Gelsenkirchen und Kreis Euskirchen waren vermehrt Säuglinge mit Fehlbildungen der Hände geboren worden. Ob es sich um Umweltfaktoren, einem genetischen Aspekt oder etwas ganz anderem handelt, ist jedoch nicht klar.

Weitere Quellen: Berliner Morgenpost, WDR
Artikelbild: Shutterstock / Von Serenko Natalia
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