Kind aus Honduras erhielt KZ-Nummer?

Von | 19. Juni 2018, 10:28

Das Foto von einem Jungen, der ein nummeriertes Hemd trägt, wirft für viele Nutzer Fragen auf.

Das Hemd soll nämlich angeblich von der Einwanderungsbehörde stammen. Dient es tatsächlich als Kennzeichnung wie im KZ?

So und so ähnlich klingen die Anfragen, die uns zu diesem Foto erreichen:

image

Zugegeben, sieht man nur das Foto – bzw. diesen Bildausschnitt – würde man wahrscheinlich noch nicht auf die Idee kommen, dass man hier Kinder wie im KZ nummeriert.

Interessant ist also der Begleittext, der zu diesem Foto veröffentlicht wurde.

Der Faktencheck

Wie die Kollegen von Snopes berichten, erschien am 17. Juni 2018 auf Facebook und Instagram jenes Foto mit eben dieser Behauptung:

This little boy, who has been taken from his parents, has been assigned a number. #47 on his chest and arm. Like the Holocaust. •••••••••••••••••••••••••• The Keep Families Together Act S-3036 has the support of All Democrats EXCEPT Claire McCaskill (D-MO) 202-224-6154; Joe Donnelly (D-IN) 202-224-4814; Joe Tester (D-MT )202-224-2644; Doug Jones (D-AL)202-224-4124; Heidi Heitkamp (D-NV) 202-224-2043; Joe Marchon (D-WV) 202-224-3954. At this point, NOT ONE Republican has signed on to this bill that would prohibit children from being separated from their parents. PLEASE CALL your members of Congress. 202-224-3121. Look at this image. It should send chills up your spine. We must not let history repeat itself. We must speak loud and clear. #Wherearethechildren

Der Beitragsersteller sagt hier aus, dass der Junge seinen Eltern weggenommen wurde und eine Nummer erhalten hätte. “Die #47 – auf Brust und Oberarm. Wie im Holocaust.”

Doch stimmt das wirklich?

Das Foto selbst findet man in einem Artikel der New York Times vom 16. Juni 2018 wieder, mit dem Titel “You Can’t Be Pro-Life and Against Immigrant Children”. Hier wird klar, dass das Originalfoto beschnitten wurde.

Die Bildunterschrift des Fotos lautet:

A boy and father from Honduras being taken into custody by United States Border Patrol agents near the Mexico border on Tuesday. Credit John Moore/Getty Images

Ein Junge und Vater aus Honduras, die am Dienstag von Agenten der United States Border Patrol nahe der mexikanischen Grenze festgenommen wurden. Credit John Moore/Getty Images

Auch hierzulande lässt sich das Foto in einem Artikel der DW mit dem Titel “USA: 2000 Kinder illegaler Einwanderer von Eltern getrennt” finden.

Hier lautet die Bildunterschrift:

Nach dem Grenzübertritt geht es für viele Kinder illegaler Einwanderer ins Heim

In beiden Fällen wird als Bildquelle John Moore angegeben, der sich auf Getty Images leicht finden lässt. Dieser hat natürlich nicht nur dieses eine Foto aufgenommen. Es existiert eine ganze Fotoreihe.

Betrachtet man nun die anderen Fotos genauer, fällt auf, dass keines der anderen Kinder ein solches Shirt mit Nummer trägt. Es gibt auch kein Foto von den Beamten, auf denen sie Kindern solche Hemden aushändigen.

Der Fotograf beschreibt das angefragte Foto so:

Border Patrol Agents Detain Migrants Near US-Mexico Border
MISSION, TX – JUNE 12: A boy and father from Honduras are taken into custody by U.S. Border Patrol agents near the U.S.-Mexico Border on June 12, 2018 near Mission, Texas. The asylum seekers were then sent to a U.S. Customs and Border Protection (CBP) processing center for possible separation. U.S. border authorities are executing the Trump administration’s ‚zero tolerance‘ policy towards undocumented immigrants. U.S. Attorney General Jeff Sessions also said that domestic and gang violence in immigrants‘ country of origin would no longer qualify them for political asylum status. (Photo by John Moore/Getty Images)

Grenzschutzbeamte halten Migranten in der Nähe der US-Mexiko-Grenze fest
MISSION, TX – 12. JUNI: Ein Junge und Vater aus Honduras werden am 12. Juni 2018 von US-Grenzschutzbeamten in der Nähe der US-Mexikanischen Grenze in Gewahrsam genommen. Die Asylsuchenden wurden dann zur möglichen Trennung in ein US-Zoll- und Grenzschutzzentrum (CBP) geschickt. Die US-Grenzbehörden führen die „Null-Toleranz“-Politik der Trump-Administration gegenüber undokumentierten Einwanderern aus. U.S. Attorney General Jeff Sessions sagte auch, dass häusliche Gewalt und Bandengewalt im Herkunftsland der Einwanderer sie nicht mehr für den politischen Asylstatus qualifizieren würden. (Foto: John Moore/Getty Images)

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator

Der Junge wurde also nach Aussagen des Fotografen und auch der Medienberichte, tatsächlich von seinen Eltern getrennt. Eine Nummer hat er aber nicht erhalten. Es handelt sich also um ein handelsübliches Kleidungsstück, das nicht von der Regierung verteilt wurde.

Ergebnis:

Dieser Junge aus Honduras erhielt keine KZ-Nummer.

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