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Mehrere Medien berichteten aktuell, dass ein AfD-Politiker in seiner Rede Frauenverbrennungen fordere. So wird AfD-Politiker Podeswa unter anderem zitiert: „Damals wurden Hunderte Frauen verbrannt und damit das Klima gerettet“. Leugnen nun AfD-Politiker nicht nur den Klimawandel, sondern wollen auch zu archaischen Methoden greifen um ihn zu verhindern?

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Die Geschichte ist weitaus komplizierter und zeigt einmal mehr, wohin das Kürzen bzw. Verstümmeln von Aussagen führen kann.

Die Rede

Das erste Problem: die Rede des AfD-Abgeordneten Rainer Podeswa an sich war viel länger, als es diverse Videos und Ausschnitte der Rede suggerieren. So bleibt z.B. unerwähnt, dass er sich mit seinem (recht langen) Redebeitrag an die Grünen im Parlament wendet. Was er sagt, kann man im offiziellen Video zur 34. Sitzung vom 11. Mai 2017 des Landtags von Baden-Württemberg sehen. Ab Minute 36 kann man den Bereich sehen, konkret spricht er den umstrittenen Satz in Minute 37 aus: https://www.landtag-bw.de/

So sagt er:

“Ich will Ihnen aber gerne noch etwas zum Nachdenken geben und die Diskussion auch vorm historischen Hintergrund einmal reflektieren. (…) Ich bleibe in Baden-Württemberg, und ich gehe nur einige wenige hundert Jahre zurück. Auch da gab es eine extreme, eine extreme Häufung extremer Wetterereignisse, mehrere Jahre hintereinander. (…) Bis dass sich endlich, endlich eine Lösung abzeichnete und Wege aus der Krise gefunden wurden, hier in Baden-Württemberg. (…) Ich empfehle Ihnen also das Buch, in dem diese Lösungsansätze alle zusammengefasst worden sind. Es ist in Speyer erschienen, 1486, und fasst die Methoden alle zusammen, mit der damals in Ravensburg die Klimakatastrophe bekämpft worden ist. Ich empfehle Ihnen, sich dieses europäische Standardwerk in der Stuttgarter Bibliothek auszuleihen. (…) Den Populus-Titel, den kennen Sie (…), es ist der ‚Hexenhammer‘. Die haben damals Hunderte von Frauen verbrannt und damit das Klima gerettet. Das sind die Ergebnisse … [Unruhe im Saal] das sind die Ergebnisse … das sind die Ergebnisse einer öko-stalinistischen, schon wahnhaften Mission, die Sie in diesem Thema verfolgen. Wir von der AfD stehen für eine Klima-, für eine Wirtschafts- und eine Gesellschaftspolitik der Vernunft.”

Es geht also nicht darum Menschen aus Aberglaube zu verbrennen, sondern die Klimapolitik der Grünen zu kritisieren. Auch Podeswa selbst hat sich inzwischen auf seiner Facebook-Seite  zu Wort gemeldet

“Es geht um Ideologie. Die Hexenverbrennung im Mittelalter sollte die damalige Klimakatastrophe bekämpfen. „Damals wurden Hunderte Frauen verbrannt und damit das Klima gerettet.“, dachten die Menschen. Natürlich was das Unsinn. Es war Ideologie.

In der Gegenwart betreiben die linken Altparteien ebenso Ideologie, wenn sie uns Lösungen präsentieren, die in Wirklichkeit keine sind.

Der Krux der Geschichte

…liegt allerdings wohl in einer Meldung der Presseagentur dpa. Diese hatte vermeldet:

“AfD-Mann empfiehlt „Hexenhammer“ als Ratgeber gegen Klimawandel

Stuttgart (dpa) – Für Empörung hat im baden-württembergischen Landtag eine Empfehlung des AfD-Abgeordneten Rainer Podeswa gesorgt, sich im Kampf gegen den Klimawandel am „Hexenhammer“ zu orientieren. Dieses „europäische Standardwerk“ fasse alle Methoden zusammen, mit denen im 15. Jahrhundert in Ravensburg die Klimakatastrophe bekämpft worden sei, sagte Podeswa am Donnerstag in Stuttgart. „Damals wurden Hunderte Frauen verbrannt und damit das Klima gerettet.“ Seine Fraktion applaudierte ihm. Die Grünen-Abgeordnete Martina Braun sagte dazu: „Das ist wirklich unglaublich.“ (…)

7 Stunden später (!) wurde die Meldung korrigiert: “AfD-Mann vergleicht „Hexenhammer“ mit grüner Klimapolitik”

Stuttgart (dpa/lsw) – Für Irritationen hat im Landtag eine Aussage des AfD-Abgeordneten Rainer Podeswa zum Klimawandel und ein Verweis auf das Buch „Hexenhammer“ aus dem Mittelalter gesorgt. (…) „Damals wurden Hunderte Frauen verbrannt und damit das Klima gerettet.“ Er zog damit eine Parallele zur Klimapolitik der Grünen. „Das sind die Ergebnisse einer ökostalinistischen, schon wahnhaften Mission, die Sie bei diesem Thema verfolgen.“

Da war es allerdings schon zu spät, und unzählige Medien hatten die Meldung ungeprüft übernommen, ja sogar teilweise Videos der Aussage so zusammengeschnitten, dass der Kontext völlig fehlte. Dies zeigt mal wieder, wie leicht es passieren kann, dass Meldungen durch ihr “Skandal-Potential” und aus der Jagd nach Klicks verfälscht werden. Ganz klar ist die Aussage Podeswas kritisch zu sehen. Ihm aber indirekt Aufruf zum Mord zu unterstellen indem man seine Rede zusammen kürzt hat mit guten Journalismus nichts zu tun.

Vergleiche hierzu auch Uebermedien (Hexen verbrennen fürs Klima)