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Polizei unterstützt Senioren mit außergewöhnlichen Präventionsmethoden.

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Senioren sind von bestimmten Straftaten wie Raub- oder Betrugsdelikten besonders schwer betroffen. Gerade die Hilfsbereitschaft und die schwächere körperliche Verfassung vieler älterer Menschen machen sie zu vermeintlich leichten Zielen für Kriminelle. Die Polizei steuert mit außergewöhnlichen Präventionsprojekten dagegen.

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(Bildquelle: https://www.flickr.com)

Regelmäßig berichten Medien über Trickbetrüger, die mit unterschiedlichsten Vorgehensmethoden das Vertrauen von Rentnern gewinnen und sich anschließend Zugang zu deren Geld und Wertgegenständen verschaffen. Die starke Präsenz des Themas in der Öffentlichkeit und das gesteigerte Bewusstsein für die eigene Gefährdung führen dazu, dass bei vielen Senioren Angst ein bedeutender Bestandteil des Lebens geworden ist. Dieser Zustand kann sich negativ auf die gesamte Lebensgestaltung auswirken: Die persönliche Selbständigkeit wird minimiert, zeitgleich findet ein Rückzug von der Außenwelt statt.

Um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken, bietet die Polizei im Rahmen der Präventionsarbeit vielerorts Informationsveranstaltungen und Vorträge rund um das Thema „Seniorensicherheit“ an. In aller Regel geht es dabei inhaltlich um Ratschläge und Tipps, die älteren Menschen das Erkennen von Tricks und den richtigen Umgang mit aufdringlichen oder unseriösen Zeitgenossen an der Haustür erleichtern sollen. Darüber hinaus versuchen Mitarbeiter der Polizei immer wieder, bei der Gestaltung von Präventionsmaßnahmen für ältere Menschen unkonventionelle Wege zu gehen. Ein erfolgreiches Beispiel für ein solches Projekt ist das Präventionstheater des Berliner Polizeiabschnitts 22. Im Stadtteil Charlottenburg haben es die Polizeibeamten immer wieder mit Trickbetrügern zu tun, berichtet die zuständige Präventionsbeauftragte Andrea Kryger-Tosuner: „Gerade ältere Damen werden häufig Opfer von Betrugsdelikten. Wir hatten schon Fälle, wo es um Geldbeträge von 50.000 Euro und mehr ging.“


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Weil Trickbetrug in vielen Fällen durch das Verhalten der Opfer begünstigt wird, überlegte sich eine Gruppe von zehn Polizisten im Jahr 2003, wie man ältere Menschen bereits im Vorfeld für die Gefahr durch Betrüger sensibilisieren könnte. Die Idee: Eine Veranstaltung, die Inhalte nicht nur in reiner Informationsform, sondern vor allem über spielerische und unterhaltende Elemente vermittelt. Geboren war das Präventionstheater, in dem Polizisten und Polizistinnen als Laienschauspieler agieren und auf amüsante Art und Weise die verschiedenen Vorgehensweisen von Betrügern auf einer eigenen Bühne in Charlottenburg-Wilmersdorf darstellen.

Das Laien-Ensemble des Präventionstheaters spielt ein festes Programm: Jede Vorstellung zeigt, wie die unterschiedlichen Betrugs- und Diebstahlstrategien der Kriminellen in der Praxis funktionieren. An jede Nummer schließt eine „Richtigstellung“ an, also eine Wiederholung der Szene, bei der sich das Opfer im Gegensatz zu vorher nun richtig verhält. „Ziel unseres Projekts ist es, den Menschen Verhaltensregeln mitzugeben, damit ihnen im Alltag nicht das passiert, was auf der Bühne dargestellt wird“, erklärt Andrea Kryger-Tosuner. „An der Wohnungstür ist Schluss“, ist das Motto des Präventivtheaters, bei dessen Vorstellungen besonders auf eine angenehme Atmosphäre geachtet wird. „Unsere Besucher sollen einen netten Nachmittag mit uns verbringen, bei dem aber auch etwas in den Köpfen hängen bleibt“, sagt die Präventionsbeauftragte. Der Erfolg gibt der Theatergruppe recht. Die Polizisten erführen große Bestätigung für ihr Engagement und ab und zu würden Senioren später davon berichten, selbst mit den vorgeführten Betrugsversuchen in Kontakt gekommen zu sein. „Wenn wir dann hören, wie sich eine Person durch unsere Anleitung zur Wehr setzen konnte, ist das natürlich ein sehr positives Gefühl“, sagt Andrea Kryger-Tosuner.

In Oldenburg lässt die Polizei die Puppen tanzen

Auf eine ebenfalls künstlerische Art und Weise macht die Polizei in Oldenburg Senioren mit den Strategien von Neppern, Schleppern und Bauerfängern vertraut. Die vier Polizisten Bianka Stutz, Annelie Büter, Jürgen „Pauli“ Paul und Uwe Wispeler lassen im wahrsten Sinne des Wortes „die Puppen tanzen“. Als ausgebildete Puppenspieler sind sie das Team der Pädagogischen Puppenbühne der Polizeidirektion Oldenburg, kurz „PäPP“ genannt, und bereisen mit ihrem Programm ein Gebiet von über 11.000 km² mit mehr als 1,7 Millionen Einwohnern.

Besonders für die Darstellung der Gefahr von Haustürgeschäften sind die Puppenaufführungen nach Einschätzung der „PäPP“ geeignet. Uwe Wispeler: „Wenn die Puppen im Spiel zeigen, dass man niemals einem Fremden den Zutritt zur eigenen Wohnung gewähren darf, wenn sie sich als Vorsichtsmaßnahme einen Dienstausweis zeigen lassen oder im Zweifel sogar die Polizei unter 110 anrufen, finden sich die Zuschauer in Gedanken an ihrer eigenen Haustüre wieder.“ Inhaltlich nimmt das Programm immer wieder Bezug auf die spezifischen Probleme älterer Menschen. „Die Gefahrenquellen für Senioren ergeben sich im Prinzip aus dem fortschreitenden Lebensalter“, erklärt Mathias Kutzner, Pressesprecher der Polizeidirektion Oldenburg. „Nachlassende Sehkraft, schwindendes Hörvermögen, verminderte Reaktionsfähigkeit oder die Folgen von Medikamenteneinnahmen müssen berücksichtigt werden, um Gefahren für sich selbst gar nicht erst entstehen zu lassen“, so Kutzner. Auf solche spezifischen Probleme würden im Stück entsprechende Verhaltenshinweise gegeben.

Die Reaktionen auf das Puppenspiel bei den Senioren sind sehr gut. Gerade der Umstand, dass auf die individuellen Probleme der älteren Menschen eingegangen würde, treffe auf großen Zuspruch, sagt Kutzner. „Die Senioren fühlen sich ernst genommen und können in der anschließenden Diskussionsrunde ihre Sorgen und Nöte besprechen und erhalten darüber hinaus viele weitere Tipps.“ Die Nachfrage nach den Vorstellungen ist entsprechend groß: Heute können Vorführungen der „PäPP“ sowohl über die Polizeidirektion Oldenburg als auch über die örtlichen Polizeidienststellen gebucht werden. Die Präventionsteams der Polizeiinspektionen sorgen dann dafür, dass ein passender Termin gefunden wird.

Quelle:

Artikel Vorschaubild: Robert Kneschke / Shutterstock.com