Kein Fake: Die „Tarnnamen“ in der Pelzindustrie

Kein Fake: Die „Tarnnamen“ in der Pelzindustrie

Von | 20. Januar 2020, 12:14

Bei Bezeichnungen wie zum Beispiel „Genotte“ oder „Sobaki“ handelt es sich tatsächlich um Katzen- bzw. Hundefell.

Ein Sharepic mit der Überschrift „Achtung! Augen auf beim Winterjacken-Kauf.“ zählt diverse Fellbezeichnungen auf, die man oftmals an den Etiketten findet. Doch was wie Fantasienamen klingt, sind in Wirklichkeit „Tarnnamen“: fremdsprachige Bezeichnungen diverser Tiere wie Hunde, Katzen, Eichhörnchen oder Kaninchen.

Um jenes Sharepic handelt es sich:

Das Sharepic mit den Tarnnamen

Das Sharepic mit den Tarnnamen

„Achtung! Augen auf beim Winterjacken-Kauf.

Gänge Bezeichnungen und was sich dahinter verbirgt:

GAE-Wolf = Hund
Gubi = Hund
Sobaki = Hund
Feh = Eichhörnchen
Ljaguschka = Eichhörnchen
Kojah = Nerz
SAMI = Nerz
Kidus = Kreuzung aus Zobel und Baummarder
Genotte = Katze
Genette = Katze
Maopee = Katze
Serval = Katze
Sealkanin = Kaninchen
Nutriette = Kaninchen
Caraccal = Luchs“

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Echte Bezeichnungen

Das Sharepic kratzt dabei sogar nur an der Oberfläche. Da der Handel mit Katzen- und Hundefellen seit dem 1. Januar 2009 in Europa verboten ist, stellte der Deutsche Tierschutzbund e.V. eine sehr umfangreiche Liste der Bezeichnungen in der Pelzindustrie auf, die die Bedeutung der Vielzahl von Bezeichnungen auflistet.

Zudem heißt es in der Liste:

„Die Felle werden auf dem Weltmarkt unter den Namen gehandelt, die ihrer regionalen Herkunft entsprechen und jeweils das Wort „Hund“ in der Landessprache enthalten.“

So ist beispielsweise „Sobaki“ einfach nur Russisch für „Hund“, Caraccal (eigentlich Caracal) und Serval Bezeichnungen für afrikanische Wildkatzen.
Einzig der „Kidus“ findet sich nicht in der Liste des Tierschutzbundes, es handelt sich dabei auch nicht um eine Kreuzung aus Zobel und Baummarder (solche Kreuzungen sind nie gelungen), sondern um reine Baummarder.

Falsche oder fehlende Bezeichnungen hierzulande möglich

Seit 2009 sollten solche Pelze also EU-weit eigentlich gar nicht mehr im Handel sein. Dass es aber leider anders ist, zeigte BR24 2018 auf. In Stichproben konnte festgestellt werden, dass beispielsweise in einer Jacke mit Pelzkragen zwar als Kunstpelz gekennzeichnet war, der Labortest aber ergab, dass es sich um den Pelz eines Marderhundes handelte.

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Kann ich das sebst testen?

Ja, und das sogar sehr einfach:

 

Fazit

Tatsächlich gibt es diese „Tarnnamen“ für echten Pelz. Auch bewiesen die Stichproben von 2018, dass manchmal Echtpelz als Kunstpelz verkauft wird.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass man nun hinter jedem Kunstpelz einen Echtpelz vermuten muss, wie beispielsweise 2015 Tchibo vorgeworfen wurde (was sich jedoch als haltlos erwies).

Wer also Bezeichnungen wie „Genotte“ oder „Sobaki“ in einem Kleidungsstück findet, kann davon ausgehen, dass er echtes Katzen- bzw. Hundefell in den Händen hält – auch wenn es hierzulande schon lange verboten ist.

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