Seit Jahrzehnten schon tourt jedes Jahr zur Weihnachtszeit der Coca-Cola Weihnachtstruck durch Deutschland. Doch dieses Jahr ist etwas anders: Die Hauptstadt Berlin wird ausgelassen. Eine richtige Entscheidung?

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Coca-Cola schrieb:

+++ KEINE WEIHNACHTSTOUR IN BERLIN +++

Wir haben uns entschieden, die diesjährige Coca-Cola Weihnachtstour in Berlin nicht stattfinden zu lassen. Sie war für Freitag, den 23.12., am Brandenburger Tor geplant.

Viele von euch haben sich auf die Veranstaltung gefreut und wir hätten euch gern diese Freude bereitet. Doch mit Respekt vor den Opfern, ihren Familien und Freunden finden wir: Dies ist nicht der richtige Augenblick für einen fröhlichen Abschluss der Tour.

Wir danken für eurer Verständnis und wünschen allen ein friedliches Weihnachtsfest, das im Zeichen von Liebe, Zusammenhalt und gegenseitigem Respekt steht.

Es weihnachtet (sich) schwer

Am Abend des 19.12.2016 fuhr ein Terrorist mit einem LKW in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin und tötete dabei 12 Menschen sowie verletzte 48 weitere Personen.

Soweit die kühlen Fakten. Emotional kocht es natürlich von allen Seiten auf und es finden sich in der Facebook-Timeline eigentlich alle Varianten: Trauer, Schmerz, Wut, Fassungslosigkeit, Entsetzen… bizarrerweise von einigen Leuten sogar anscheinend Freude, dass es „endlich“ mal ein Ereignis in Deutschland gab, welches die „Gutmenschen aufrütteln würde“.

Nun geschah dies zu einer Zeit, in der eigentlich mehrheitlich Freude empfunden werden sollte. Weihnachten steht gewissermaßen vor der Tür, und auch wenn man nichts mit diesem Fest anfangen kann, so lässt man sich doch gerne von dem Lichtermeer auf den Weihnachtsmärkten verzaubern. Wenn dazu noch leise Schnee fällt, spürt man eine gewisse innere Ruhe, die einen auszufüllen vermag.

Dieses Gefühl wurde nun (wieder einmal) jäh vom Terror zerstört.
Wenn man nicht vollkommen gefühlskalt ist, schwebt man nun in einer emotionalen Wolke aus Unsicherheit und vielleicht auch Angst. Was ist, wenn so etwas noch einmal passiert? Was ist, wenn ich da jetzt gewesen wäre? Wo wird der nächste Anschlag stattfinden? Wie kann ich mich und meine Familie schützen?

Diese Zeit des inneren Friedens wurde nun zu einer Zeit der Angst.

Kommen wir zum Kernpunkt: Aus Respekt vor den Opfern, wie Coca-Cola schreibt, wird deren Weihnachtstruck 2016 nicht in Berlin stehen, da es nicht der richtige Augenblick für einen fröhlichen Abschluss der Tour sei.

Der richtige Augenblick

Tẹr·ror

Substantiv [der]

1. der Vorgang, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen Gewalttaten wie Bombenanschläge und Morde ausführt, um Angst und Schrecken zu verbreiten; mit dem Terror wollen die Terroristen bestimmte Ziele durchsetzen.
„ein Regime mit Terror aufrechterhalten“

2. ein über längere Zeit andauerndes Verhalten gegenüber anderen Menschen, bei dem man mit Drohungen, Zwang und Gewalt diese einschüchtern und schließlich beherrschen will.

Wenn wir uns diese Definition durchlesen, so stellen wir fest, dass jener Terrorist für seine Tat den exakt richtigen Augenblick gewählt hat: Die Menschen haben nun noch mehr Angst und sind eingeschüchtert. Zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, an dem man Freude empfindet, gesellt sich nun auch die Unsicherheit als immer schleichendes Gefühl, wenn man über den Weihnachtsmarkt schlendert… „es könnte ja sein, dass hier und heute wieder…“

Jener Terrorakt halt also bei vielen Menschen ihr Ziel erreicht. Denn Terror ist mehr als „nur“ Töten, Terror soll eine ständige unterschwellige Angst erzeugen, der Nächste sein zu können.

Doch nun stellt sich die Frage:
Sollten wir uns jenem Terror denn nun wirklich beugen? Wollen wir nun wirklich diese Unsicherheit mit uns herumtragen? Sollte man nicht gerade jetzt ein Zeichen setzen?

Schauen wir doch einmal, wie die Berliner damit umgehen:

„We are the World“ wird gesungen. Wir sind eine Welt. Es wird eine Einigkeit demonstriert. Es soll zeigen, dass sich diese Menschen nicht unterkriegen lassen. Weder durch Einzeltäter noch durch organisierten Terrorismus.

Und genau das ist die einzig richtige Reaktion von uns auf Terror. Wir sollten uns nicht davon einschüchtern lassen, denn dann hat der Terror sein wahres Ziel erreicht. Wir sollten in all der Trauer und des Schmerzes dieser Tage diesen kleinen Funken Freude in uns finden und ihn gemeinsam zu einem großen Lichtermeer entzünden. Denn die ungebrochene Freude und Lebenslust von Millionen Menschen strahlt heller als jeder vom Terror ausgelöste Brand!

Nicht alle LKW sind böse

Liebe Coca-Cola Company,
eure Entscheidung, den Weihnachtstruck dieses Jahr nicht in Berlin halten zu lassen, mag nachvollziehbar sein. Vielleicht ist es aber auch ein wenig zu kurzsichtig gedacht!
Generationen von Menschen verbinden diesen Truck mittlerweile mit Weihnachten, mit Familie, mit Freude. Euer LKW in Berlin könnte genau das Zeichen sein, das Berlin, ach was, das die Welt jetzt braucht: Ein Zeichen der Freude inmitten der Trauer!

Manch einer mag ein mulmiges Gefühl haben, dass ausgerechnet ein LKW nun ein Hort der Freude in Berlin sein soll, wo doch ausgerechnet ein LKW nur Tage vorher soviel Schmerz brachte. Doch ist das nicht ein wenig zu sehr „political correctness“? Was wäre der nächste Schritt? LKW aus dem Stadtgebiet entfernen, weil es potentielle Killerinstrumente sind?

Dabei wäre dies genau das Richtige: Mit einem LKW der Freude ein Zeichen gegen den LKW des Terrors setzen. Symbolischer könnte man nicht zeigen, dass man sich nicht vom Terror unterkriegen lässt… denn nicht alle LKW sind böse!

Was denkt ihr?

Vielleicht liegen wir auch total falsch. Vielleicht hat Coca-Cola damit genau die richtige Entscheidung getroffen. Vielleicht sollten wir wirklich den Spaß mal bleiben lassen und uns erst nach einer gewissen Zeit wieder vergnügen, um den Opfern und deren Angehörigen Respekt zu zollen.

Was denkt ihr? Hat Coca-Cola die richtige Entscheidung getroffen? Oder sollten wir jetzt nicht erstrecht zeigen, dass der Terror seine Ziele bei uns nicht erreichen kann?

Autor: Ralf, mimikama.at

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