Wurde der Kayapó-Stamm wegen eines Staudamms evakuiert?

Von | 25. Juni 2019, 10:14

Seit Jahren kursiert das Bild eines indigenen Mannes im Schwitzkasten eines Soldaten im Internet.

Auf dem Bild soll die Evakuierung des Kayapó-Stammes zu sehen sein, die wegen einem geplanten Staudamm augenscheinlich gewaltsam durchgeführt wurde. So wird zumindest in diversen Facebook-Postings behauptet, zu denen wir Anfragen bekamen.

„Dieses Bild soll um die Welt gehen.
Die Evakuierung des Kayapó-Stammes – einem Indianervolk des Amazonasgebiets im brasilianischen Mato Grosso hat begonnen.
Der Bau des hydroelektrischen Staudamms von Belo Monte ist freigegeben, trotz zahlreicher Proteste, sowie über 600.000 Unterschriften die gesammelt wurden.“

Was zeigt das Bild?

Das Bild stammt aus dem Jahr 2008, der Fotograf war Luiz Vasconcelos.
Im März 2008 besetzten etwa 100 Personen verschiedener indigener Völker ein Grundstück an der Autobahn zwischen Manaus und Itacoatiara im Amazonas-Gebiet Brasiliens. Sie protestieren damit gegen die Wegnahme ihres Landes durch die Regierung.
Am 11. März 2008 räumte die Polizei das Gebiet gewaltsam, nachdem sie von den Indigenen mit Stöcken, Steinen und Pfeilen attackiert wurden.

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Was ist mit dem Staudamm?

Gegen den Belo Monte Staudamm gab es schon seit Jahren große Proteste, seit der Bau 2011 begann. Seit 2016 ist der Staudamm jedoch bereits im Betrieb. Somit bringt es herzlich wenig, jetzt noch gegen den Bau zu demonstrieren.

Nachdem die Regierung feststellte, dass die Kosten der Staudämme weitaus höher liege, als vermutet, wurde Anfang 2018 beschlossen, keine weiteren Staudämme mehr in diesem Gebiet zu errichten.

Zusammenfassung

Das augenscheinlich aktuelle Bild stammt aus dem Jahr 2008.
Es zeigt keine Festnahmen aus dem Gebiet des künftigen Staudammes, sondern die Räumung eines besetzten Grundstücks.
Proteste und Petitionen gegen den Belo Monte Staudamm sind nutzlos, da dieser bereits seit 2016 in Betrieb ist.
Weitere Staudämme werden aufgrund der Kosten und der Proteste nicht errichtet.

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