Saugt sich diese asiatische Marienkäferart wirklich am Gaumen heimischer Haustiere fest?

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Wieder erhalten wir Anfragen zu diesem Thema. Es geht dabei um die asiatischen Käfer, die sich angeblich an den Gaumen von Hunden festkleben und dort dem Hund Schmerzen bereiten.

Dazu gibt es immer wieder das gleiche Bild zu sehen. So sieht der Statusbeitrag aus, der aktuell wieder auf Facebook geteilt wird:

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Bild als Klartext:

Überprüfe den Gaumen deiner Hunde! Diese asiatischen Käfer, die wie Marienkäfer aussehen, stecken einmal im Mund am Gaumen und verursachen eine Menge Schmerz. Es ist nicht nett, du teilst es, um sicherzustellen, dass andere diese schrecklichen Dinge bemerken!

Stimmt es, dass sich diese Käfer schmerzhaft am Hundegaumen fest”saugen”?

Räumen wir das Feld doch einmal von hinten auf:

Es gibt tatsächlich einen einzigen dokumentierten Fall, wo solche Käfer aus der Schnauze eines Hundes entfernt werden mussten. Nachzulesen hier, hat sich der Fall 2008 in Kalifornien zugetragen, woher auch das Bild stammen dürfte.

Ja, bei den gezeigten Käfern handelt es sich um den Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis), der zur Familie der Marienkäfer (Coccinellidae) gehört. Diese Art wurde Ende des 20. Jahrhunderts zunächst in die USA und dann auch nach Europa zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingeführt. Inzwischen tritt er an vielen Stellen massenhaft wild auf und man befürchtet, dass er einheimische Marienkäfer-Arten und auch andere Arten verdrängt.

Gerade im Herbst werden wir uns dieser Plagegeister bewusst, denn dann steigen sie massenhaft in die Luft, besiedeln Häuserwände und andere Orte, die sich durch die letzten Sonnenstrahlen erwärmen.

Bei Gefahr sondern diese Marienkäfer eine orange-gelbe Flüssigkeit (Hämolymphe) ab, die übelriechend ist und in seltenen Fällen eine allergische Reaktion hervorrufen kann. Dass sie sich jedoch in Hundeschnauzen festsaugen oder festkleben, kommt in der Regel nicht vor. Wie gesagt, gibt es nur einen einzig dokumentieren Fall in den letzten zehn Jahren.

Diese Flüssigkeit ist nicht nur übelriechend, sondern auch sehr bitter, wodurch dieser Käfer für Fressfeinde sehr unattraktiv wird und natürlich auch für unsere Haustiere.

Ein Befall ist somit so gut wie auszuschließen!

Ergebnis:

Bereits seit 2015 geistert diese Behauptung durch das Internet.

Es handelt sich hier um eine Halbwahrheit, die aus einem Einzelfall entwickelt wurde.

Es ist anzunehmen, dass diese Halbwahrheit gerne als Clickbait oder Like-Sammel-Artikel aka “Honeypot-Aktion” verwendet wird, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Ja, es gibt diese Käfer, ja, es kam einmal in 10 Jahren vor, dass sie in der Schnauze eines Hundes gefunden wurden, aber im Normalfall stellt dieser eingeschleppte gefräßige Käfer keine Gefahr für heimische Haustiere dar.

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