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Nicht neu und trotzdem unangenehm – dieser Statusbeitrag

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Bald startet die Fußball WM 2018, daher findet sich jetzt diese Fotocollage von 2016 wieder in diversen Statusbeiträgen auf Facebook. Und wir bekommen Anfragen zu den Hintergründen dieses Slogans.

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Quelle: Facebook, Verweis auf Tag24

Die Frage haben sich so einige geschichtlich bewanderte Zuschauer gestellt, als sie Bundestrainer Joachim Löw 2016 in einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Wir für Euch Ihr für uns“ gesehen haben. Auch wir haben damals darüber berichtet: Bundesjogi mit Propaganda aus dem Dritten Reich? Nun aber mal halblang…

Beide Bilder sind zumindest kein Fake. Man könnte ja behaupten, dass es sich um Bildmanipulationen handelt, doch das ist nicht der Fall. Das Bild von Löw stammte von der offiziellen DFB-Seite. Das andere Bild ist in der Tat ein Wehrmachtsplakat aus dem zweiten Weltkrieg. Dieses findet man im offiziellen Bundesarchiv (Plakat für die Heimatfront. Quelle: BArch MSg 142 / 65).

Wie findet nun aber so ein Motto seinen Weg auf ein T-Shirt am Leibe des Bundestrainers? Ist er ein verkappter Nazi? Sendet er geheime Botschaften auf die dunkle Seite des Mondes?

Der Vergleich zwischen den beiden Bildern ist sehr weit hergeholt

An dieser Stelle Löw irgendwas anzudichten ist unsinnig, er hat aus seiner Einstellung gegen rechtsgerichtete Gesinnung niemals einen Hehl gemacht, erst kürzlich hat er sich wieder klar positioniert. Wie nun der Spruch auf seinem T-Shirt zu bewerten ist, kann man im Folgenden recht klar erkennen.

Wir für Euch – Ihr für uns

Dieses Motto gab es nicht nur (in umgekehrter Reihenfolge) auf dem Wehrmachtsplakat für die Heimatfront, sondern es ist seit etlichen Jahren Motto bei diversen Fanclubs und Vereinen: HSV (1), Bayer04 (2), VfB Stuttgart (3), FCK (4), PHC Wittenberge (5), Dresdner Eislöwen (6), Behinderten-Handicap-Radio e.V. (7), Vamos! Kulturhalle (8), Schlossgarde – Engelskirchen (9), um nur ein paar zu nennen (die Reihenfolge wurde beliebig gewählt, stellt keine Wertung dar und außerdem ist die Aufzählung unvollständig, mit nicht allzuviel Mühe findet ihr noch weitere Aktionen und Quellen). Selbst „die Antifa“ hat diesen Slogan schon genutzt (10). Vielleicht haben sogar die ersten, die seinerzeit das Motto für ihren Fanclub abgekupfert haben, eine Assoziation zu dem Plakat gehabt, aber mittlerweile hat es (in gespiegelter Reihenfolge) einen semifesten Bestand im Sprachgebrauch, speziell bei Fanclubs, aber eben auch in etlichen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. Im heutigen Sprachgebrauch steht es einfach für geben und nehmen im Wechsel.

Allerdings scheint der Spruch auch bei Patrioten (11) beliebt zu sein. Schon im ersten Weltkrieg gab es diese Durchhalteparole (13). Mit einem anderen Bildmotiv auch als Feldpostkarte 1940 (13).

Diverse Songs aller Couleur enthalten diesen Slogan als Liedzeile, es gab sogar ein (indiziertes) Album (14) der deutschen Oi!-Band Loikaemie mit diesem Titel. Schaut z.B. mal bei den Onkelz (15), bei Santiano (16) oder Extressiv (17).

Die Musketiere?

„Wir für Euch – Ihr für uns“ klingt ein wenig nach „Einer für Alle, Alle für einen“ dem Motto der Musketiere. Interessanterweise weiß auch jeder dieses Motto zweifelsfrei Alexandre Dumas zuzuweisen.

Da ich nicht fußballaffin bin, kannte ich das so häufig skandierte Fanmotto nicht. Das wird bei Jogi Löw anders sein.

Beide sind nahezu identisch, nur konnte die Propagandamaschine des dritten Reichs Dumas Motto nicht einfach so adaptieren, denn es sollten ja alle angesprochen werden und nicht nur einer, der sich an der „Heimatfront“ abrackert, während alle anderen an den anderen Fronten ihren Teil ablieferten. Also wurde es persönlicher formuliert und aus „Einer für Alle“ eben „Wir für Euch“ und aus „Alle für einen“ „Ihr für uns“ – so könnte es gewesen sein, muss es aber nicht, vielleicht waren sie nur im Hinterkopf inspiriert ohne einen direkten Gedanken an die Musketiere zu verschwenden, wer weiß.

Ja, es ist ein Plakat aus einer unrühmlichen Zeit Deutschlands, dennoch sollte man nicht alles so hoch hängen, sondern einfach mal den Ball flach halten oder einfach nicht so „hochsterilisieren“, wie ein berühmter Fußballer schon zu sagen wusste.

Autoren: Beate L & Jens H. –  mimikama.at

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