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“Mir kommt die Geschichte reichlich komisch vor” WLAN-der schleichende Tod! Klar ist, dass bei solchen Statusbeiträge uns Anfragen von besorgten Eltern erreichen:

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„WLAN – der schleichende Tod?“

…fragt der Blog „Bewusst-Vegan-Froh“ in seiner Überschrift. In dem Artikel wird behauptet:

„Die British Health Agency hat eine Studie herausgegeben, in der bestätigt wurde, dass Router und die von ihnen abgegebenen Signale das Wachstum von Menschen und Pflanzen stören.“

WLAN ist als Teil unseres Online-Lebens nicht mehr wegzudenken.

Nicht nur daheim, auch in immer mehr öffentlichen Verkehrsmitteln und an öffentlichen Plätzen steht dem Bürger WLAN zur Verfügung. Umso erschreckender ist nun jener Artikel eines Gesundheits-Blogs: Tötet WLAN uns alle langsam? Wir werfen einen Blick auf die Studien.

Auf der Suche nach der Studie

Leider findet sich in dem Artikel keinerlei Verweis auf jene Studie, also müssen wir uns selbst auf die Suche begeben. Dabei fiel uns auf, dass der erste Teil des Artikels von der Seite „Wusstest du schon?“ copypasted wurde, allerdings findet sich auch dort keine Verlinkung. Das mag auch daran liegen, dass „British Health Agency“ nur ein allgemeiner Begriff für alle Gesundheitsorganisationen Englands ist, zu denen z.B. „The National Institute for Health and Clinical Excellence“ (NICE) und „National Health Service“ (NHS) gehören.

Nun fanden wir aber tatsächlich Studien einer Organisation, die zur „British Health Agency“ gehört, nämlich der „Population, Health and the Enivroment“ (PHE). Jene gaben 2012 eine ausführliche Studie heraus, die die Auswirkungen von RF/EMF-Strahlung-Strahlung untersucht.

RF/EMF? Was ist denn das?


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Das ist die Abkürzung von „Radiofrequency/Electromagnetic Fields“, also Radio- und elektromagnetische Frequenzen, die uns täglich umgeben.

Ist das neu?

Keineswegs. Jeder Fernseher, jedes Radio, jedes Tablet und Smartphone sendet solche Frequenzen aus. Aber auch lange vor der Erfindung dieser Dinge gab es RF/EMF, nämlich in Form der sogenannten „kosmischen Strahlung“, welche aber von unserer Atmosphäre abgeschirmt wird, allerdings senden sogar Gesteine Strahlung aus, wenn auch natürlich in weitaus geringerem Maße als ein elektronisches Gerät.

Sind RF/EMF-Strahlen gefährlich?

Seit der Entdeckung jener Strahlung gab es umfangreiche Studien dazu. Wer mag, kann sich die 348 Seiten umfassende Studie des PHE HIER herunterladen. Kurz gesagt kann man sagen, dass RF/EMF-Strahlen zwar Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben, allerdings nur in einem sehr geringen Maße. Die Strahlung von Elektrogeräten sind auch nicht punktgerichtet, sondern verteilen sich im Raum und meist in mehreren Metern Entfernung. An diesem Punkt stehen Smartphones zur Diskussion, die Strahlung senden und immer an gleicher Stelle, z.B. in der Hosentasche, sich befinden.

Wie schaut es mit WLAN-Strahlung aus?

WLAN strahlt üblicherweise mit einer Frequenz von 2.4 GHz. Praktischerweise können wir das WLAN nun mit den Frequenzen eines Mikrowellen-Ofens vergleichen, der auf 2.45 GHz im Betrieb strahlt. Nun gibt es bereits genügend Studien, unter anderem vom „Cancer Research UK“, die nach einem Zusammenhang zwischen Mikrowellenstrahlung und Krebserkrankungen forschten. Resultat: Die Strahlung einer Mikrowelle ist viel zu schwach, um eine dauerhafte Schädigung der menschlichen DNS zu bewirken.

Es kommt aber noch besser: Die Strahlung eines WLAN-Routers ist 100.000 mal schwächer als das einer Mikrowelle. Dazu sitzt man meistens nicht direkt neben einem WLAN-Router, sondern mehrere Meter davon entfernt. Dazu strahlt so ein Router auch nicht punktgerichtet, sondern in alle Richtungen.

Man stelle sich RF/EMF-Strahlung wie Licht vor: Strahlt es in alle Richtungen, wie bei einer Glühbirne z.B., ist es harmlos. Nutzt man es aber punktgerichtet und gebündelt, wie bei einem Laser, kann man damit sogar Stahl schneiden.

Was ist mit dem im Artikel beschriebenen Kresse-Experiment?

In jenem Experiment haben fünf Schülerinnen für 12 Tage Kressesamen einmal in einem Raum mit WLAN-Router und einmal in einem strahlungsfreien Raum gezüchtet. Resultat war, dass die Kresse im Raum mit der Strahlung verdorrten. Nun fand dieses Experiment allerdings nicht etwa erst kürzlich statt, sondern bereits 2013 in Dänemark.

Dieses Ergebnis ist zwar interessant, aber nicht wissenschaftlich haltbar. Die Schülerinnen sagten, dass die Kressesamen in gleichartigen Räumen genau gleich behandelt wurden, nur dass in einem Raum sich zwei WLAN-Router befanden. Nun argumentieren aber einige Wissenschaftler, dass jene Router auch Hitze ausstrahlen, wodurch die Kressesamen im Routerraum auch mehr Wasser benötigt hätten und deswegen im Zeitraum von 12 Tagen verdorrten.

Das Mimikama-Mysteryteam führte auch mal ein ähnliches Experiment durch, da behauptet wurde, dass WLAN-Strahlung Radieschen schrumpeln lassen würde, die Ergebnisse kann man hier nachlesen.

Fazit:

Geschickterweise hat der Blog „Bewusst-Vegan-Froh“ seinen Artikel als Frage formuliert, um davon abzulenken, dass es keine absolut eindeutige Antwort gibt.

Rein rechnerisch müsste man einen Menschen 30 Jahre lang direkt der WLAN-Strahlung aussetzen, ohne jegliche äußeren Einflüsse, in nur wenigen Zentimetern Entfernung, um eine Auswirkung auf den menschlichen Körper feststellen zu können.

Verständlicherweise ist so eine Studie in der Praxis nicht möglich, somit kann nur mit Zahlen jongliert und vermutet werden. Bisher konnte man allerdings, trotz sehr umfangreicher Untersuchungen, keinen Zusammenhang zwischen Krebs- und anderen gesundheitlichen Erkrankungen und WLAN feststellen, wie auch die britische Regierung auf Berufung der Ergebnisse des PHE schreibt.

Solange wir uns also nicht den WLAN-Router nicht auf den Kopf schnallen und damit die nächsten 30 Jahre lang herumlaufen, dürfen wir uns sicher wägen.