Der Norweger Johan Slåttavik hatte am 28. Juli in der Facebook-Gruppe „Fedrelandet viktigst“ ein Bild veröffentlicht, welches europaweit für Staunen gesorgt hat.

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Es handelt sich dabei um die mittlerweile berühmten Bussitze, welche optisch für Irritationen sorgten und oftmals als Frauen mit einer Burka interpretiert wurden. Slåttavik hat das Bild nicht selbst aufgenommen, sondern es im Netz gefunden. Fiete Stegers und Patrick Gensing von den Faktenfindern der Tagesschau konnten indes den Ursprung des Bildes genauer bestimmen.

Das Bild stammt aus Süddeutschland und wurde bereits im August 2016 im Allgäu aufgenommen. Der ARD-faktenfinder hat dazu bei Verkehrsgesellschaften in der Region recherchiert und auch die in Frage kommende Buslinie identifziert, jedoch hat sich das entsprechende Busunternehmen gegenüber den Faktenfindern der Tagesschau nicht weiter zu dem Bild äußern wollen.

Das Bild dümpelte also bereits mehrere Monate im Netz, richtig bekannt wurde es jedoch jüngst wieder durch den Upload von Johan Slåttavik, der dadurch zu einer Art Vater der Buslime wurde. Wir danken daher Slåttavik, dass er einem Interview mit uns zugestimmt hat.

Exklusivinterview mit Johan Slåttavik

Johan, wir sind froh, dass Du Dir die Zeit nimmst, um MIMIKAMA einige Fragen zu beantworten. MIMIKAMA ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Wien, die sich zum Ziel gesetzt hat, im deutschsprachigen Internet gefälschte Nachrichten und Hoaxes aufzudecken und auf unserer Website zu erläutern. Wir haben auch über einen deiner Facebook-Beiträge berichtet, nachdem er in der deutschen Presse aufgetaucht ist.

Die BUSSITZE in einem Bild, das Du in der nationalistischen Facebook-Gruppe „Fedrelandet viktigst“ veröffentlicht hast, wurden von vielen Mitgliedern irrtümlich als FRAUEN MIT BURKA angesehen, viele von ihnen hinterließen fremdenfeindliche oder islamophobe Kommentare dazu.

Der Blogger Sindre Beyer schrieb amüsiert in seinem Facebook-Profil, dass Rechtsradikale nicht einmal zwischen muslimischen Frauen und Bussitzen unterscheiden könnten. Dieser Post machte die Sache einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, von dort aus gelangte sie in die nationale und internationale Presse.

Mimikama: Verschiedene Zeitungen in Europa haben die Geschichte vor ein paar Tagen aufgegriffen, darunter auch viele deutschsprachige Zeitungen. Hat Dich das internationale Presse-Echo zu deinem Post überrascht?

Johan Slåttavik: Nun ja. Eigentlich hat es mich sehr überrascht. Außer ein wenig Kurzweil für mich selbst habe ich nichts davon erwartet.

Mimikama: Wir haben während unserer Recherche entdeckt, dass ein weiblicher Twitter-User namens „Sleepy“ das Bild zum ersten Mal im September 2016 veröffentlicht hat. Wie hast Du dieses Bild gefunden und warum hast du es in dieser Gruppe veröffentlicht?

Johan Slåttavik: Ich glaube, ich habe das Bild zuerst auf der Facebook-Gruppe «Mannegruppa Ottar» gesehen, eine norwegische Humor-Gruppe auf Facebook. Aber ich glaube, es schon früher gesehen zu haben, vielleicht auf 4chan oder so.

Mimikama: Wurden Du einfach nur missverstanden oder hast Du ein solches Feedback erwartet? Und hättest Du gedacht, dass es dein Beitrag bis in die europäische Presse schafft?

Johan Slåttavik: Missverstanden? Nein, ich glaube, ich habe meine Meinung sehr deutlich gemacht. Um den Unterschied zwischen blindem Rassismus und legitimer Kritik an der Einwanderung nach Europa ins Lächerliche zu ziehen.

Mimikama: Zumindest die Mitglieder von „Frederdingsda“, die Burkas gesehen haben, wo es nur Bussitze gab, hast du lächerlich gemacht. Sie dürften nicht allzu glücklich darüber gewesen sein, hast Du deswegen Drohungen oder unangemessene E-Mails von ihnen bekommen?

Johan Slåttavik: Nicht von ihnen. Aber von norwegischen «Anti-Rassisten», die neidisch waren, schon.

Mimikama: In Deutschland ist das Phänomen der Fake News zu einem sehr ernstzunehmenden Problem in sozialen Netzwerken geworden. Verschiedene Interessengruppen versuchen ständig, die öffentliche Meinung mit Hoaxes oder Meldungen im falschen Kontext zu beeinflussen. Ist das in Norwegen ebenso?

Johan Slåttavik: Ja. Wir haben auch in Norwegen Fake News. Aber ironischer Weise kommen die meisten gefälschte Nachrichten aus den Mainstream-Medien. Berühmte Beispiele sind die «Ambulanz-Affäre» und die «Zigeuner-Frauen-Affäre». Aber auch von linken und rechten Blogs und anderen Seiten, die mit zweifelhaften Inhalten dazu beitragen.

Mimikama: In Deutschland sind die nationalistischen und rechtspopulistischen Gruppen sehr aktiv in den Sozialen Medien. Wie ist das mit dem Auftreten vergleichbarer Gruppen in Norwegen?

Johan Slåttavik: Absolut. Sowohl rechte als auch linke Populisten sind in den Sozialen Medien in Norwegen sehr aktiv.

Mimikama: Aufgrund von Fake News gibt es jetzt einige Organisationen und Institutionen, die versuchen, sie im Internet aufzudecken, indem sie die falschen Tatsachen, die sie enthalten, entlarven und erklären. Gibt es auch in Norwegen solche Fake-Jäger?

Johan Slåttavik: Ja, wir haben das neu gestartete Projekt Faktisk.no, das in Norwegen Fake News aufspüren und entlarven möchte. Bisher haben sie keinen wirklich guten Job gemacht, aber ich glaube, dass sie mit der Zeit besser werden.

Johan, vielen Dank für das Interview und wir hoffen, dass wir auch in Zukunft noch von Dir und deinen falsch verstandenen Facebook Posts lesen dürfen.

Johan Slåttavik ist Journalist mit einem Bachelor-Abschluss in Journalismus am Volda University College in Norwegen.

 

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Johan, we are glad, that you are taking the time to answer MIMIKAMA some questions.

MIMIKAMA is a nonprofit organisation based in Vienna with the objective to uncover fake news and hoaxes on the German-speaking internet and to explain them on our website. We have also reported on one of your Facebook posts after it popped up up in the German press.

The bus seats in a picture you published in the nationalist Facebook group „Fedrelandet viktigst“ were misunderstood by many members as burka wearing women, lots of them left xenophobic or islamophobic comments.

The blogger Sindre Beyer wrote amusedly on his Facebook profile that right-wing radicals are not even able to distinguish between muslim women and bus seats This post made the story known to a wider public, from there it found its way into the national and international press.

Mimikama: Different newspapers in Europe picked up the story a few days ago, including many German-language newspapers. Did the international press echo in your post surprise you?

Johan Slåttavik: Well, yes. Actually it did surprise me a lot. I did not expect much more then personal amusement.

Mimikama: We discovered during our research that a female Twitter user named „Sleepy“ posted the picture for the first time in September 2016. How did you find this picture and why did you put it into this group?

Johan Slåttavik: I think I found the picture first on the Facebook-group «Mannegruppa Ottar». A norwegian humour-group on Facebook. But I believe to have seen it earlier as well. Perhaps on 4chan or something.

Mimikama: Were you simply misunderstood or did you expect such a feedback? And would you have thought that your post would find its way into the European press?

Johan Slåttavik: Misunderstood? No, I think I made my point quite clearly. To ridicule the difference between blind racism and legitimate criticism of immigration to Europe.

Mimikama: You certainly exposed to ridicule, at least those members of „frederdingsda“ who saw burkas where there were actually bus seats. They can’t have been too happy about this, have you received threatening or abusive emails from them as a result?

Johan Slåttavik: Not from them. But from norwegian «anti-racists» that are envious.

Mimikama: In Germany the phenomenon of Fake News has become a very serious problem in social networks. Various interest groups are constantly trying to influence the public opinion with hoaxes or news in a false context. Is that the same in Norway?

Johan Slåttavik: Yes. We have fake news in Norway too. But ironically enough fake news mostly come from the mainstream media here. Famous examples ar the «Ambulance-affair» and the «Gypsy woman-affair». But also from left-wing and right-wing blogs and other sites that contribute with dubious content.

Mimikama: In Germany, the nationalist and right-wing populist groups are very active on social media. What about the presence of similar groups in Norway?

Johan Slåttavik: Absolutely. Both right-wing populists ant left-wing populists are very active on social media in Norway.

Mimikama: Because of Fake News, there are now some organisations and institutions that try to uncover them on the web by unmasking and explaining the false facts they contain. Are there fake hunters in Norway, too?

Johan Slåttavik: Yes, we have the newly startet project Faktisk.no, that aims to discover and debunk fake news-stories in Norway. So far the have not done a very great job, but I believe that they will get better at this with time.

Johan, thank you very much for the interview and we hope to read about you and further misunderstood Facebook post in the future.

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