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„Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie gegen mich kämpfen. Vielleicht gehörst du zu ihnen, vielleicht ist es anmaßend von mir, aber ich nehme einfach einmal an, dass du zu ihnen gehörst, es ist ausreichend wahrscheinlich.“

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Ich weiß, dass dieser Kampf mich kostet, und dich auch. Vielleicht warst du bisher noch nicht in einer entsprechenden Situation, aber die Wahrscheinlichkeit, dass du ihr während deines Lebens selbst begegnest, beträgt ungefähr ein Viertel. Ob aus ihr ein erbitterter Krieg wird, kann dir und mir keine Statistik der Welt sagen – ich weiß nur, aus eigener Erfahrung, dass sie höher ist als du es wahrhaben möchtest.

Bevor es zum eigentlichen Thema geht, sei an dieser Stelle eine dringende Warnung ausgesprochen, dass die Inhalte belastend und sehr verstörend wirken können. Bitte überlege dir, ob du den Artikel dennoch lesen möchtest.

Zudem enthält der Artikel verborgene Elemente, die mit einem Klick auf „Die ganze Wahrheit“ angezeigt werden können. Nicht müssen.

Bei diesem Inhalt handelt es sich zudem um KEINEN klassichen ZDDK / Mimikama Artikel, sondern um einen freien und subjektiven Artikel der Autorin. Ebenso handelt es sich bei dem narrativen „wir“ nicht um Mimikama. Der Artikel kann und darf zur Diskussion über das Thema anregen.


Verstehe mich bitte nicht falsch – ich wünsche es weder dir, noch dem Wertvollen, für das du eines Tages vielleicht kämpfen musst. Ich kämpfe auch dafür. Nicht gegen dich, sondern mit dir, wenn du das möchtest. Menschen wie du bezeichnen mich als cyberkriminell.

Falscher Stolz auf Kosten des Kostbaren, was es zu schützen gilt, ist nicht angebracht.

Denn ich möchte dir keine Vorhaltungen machen. Die wirst du dir selbst machen, aber mir liegt daran nichts. Ich möchte dir stattdessen etwas erzählen.

Es ist die Geschichte von einer liebevollen Mutter, ihrem Sohn und meiner Arbeit. Die Geschichte eines sexuellen Missbrauchs.

Ob du deine Sichtweise änderst, ob du etwas aus der Geschichte mitnehmen kannst, oder ob sie dich in deiner Ablehnung und deinen Vorurteilen gegen Menschen wie mich bestärkt, ist ganz allein deine Entscheidung. Die kann dir niemand abnehmen. Die Handelnden in der Geschichte darfst du als reine Stellvertreter betrachten; auch wenn die Geschichte sich in sehr ähnlicher Form so ereignete, geht es nicht um individuelle Charakteristika, um Fremde, die du nicht kennst, oder meine Person, um Menschen wie mich – es geht um dich, oder um Menschen, die es wie dich betreffen könnte, es geht um die ein Viertel Eltern, die diese Gesellschaft ausmachen.

Zur besseren Nachvollziehbarkeit gebe ich ihnen Namen, abgeänderte Namen – denn der Schutz der Privatsphäre ist nach dem Missbrauch, der passiert ist, vielleicht mit das wichtigste, was die beiden Handelnden der Geschichte noch ihr eigen nennen können, worauf noch Verlass ist.

Ich empfehle dir, die Geschichte zunächst zu lesen, ohne die unter „Die ganze Wahrheit“ versteckten Inhalte einzublenden. Es bleibt dir überlassen.

Die seltsame Krankheit

Die Mutter werde ich Beate nennen, und ihren Sohn Lukas. Beate hat ein durchweg gutes Verhältnis zu Lukas, er ist ihr einziges Kind. Umso wichtiger ist ihr, nichts falsch zu machen, ihm alles bieten zu können, was in ihrer Macht steht.

Sie ist in einer geschlossenen Facebookgruppe für Eltern, tauscht sich dort mit anderen Eltern aus. Fragen, die das Wickeln von Kindern mit Stoffwindeln betreffen und das richtige Anrühren von Babynahrung kann sie beantworten, ihr Lukas ist aus dem Alter längst raus, Beate hat ihre Erfahrung gemacht, und sie teilt ihre Erkenntnisse aus dieser anstrengenden und gleichzeitig schönen Zeit sehr gerne.

Eines Tages wird Lukas sehr krank, er magert immer weiter ab, sein Zustand ist kritisch.

Völlig verzweifelt und mitten in der Nacht, die örtliche Klinik hat sie abgewiesen, sucht sie Rat bei den anderen Eltern in der besagten Facebookgruppe.

Falls du glaubst, dass sie daraufhin beschimpft wird von den anderen Eltern, weil sie die kostbare Zeit, in der der kränkliche und sichtlich geschwächte Lukas warten muss damit verbringt, im Internet nach Rat zu fragen, statt irgendetwas zu tun, ihrem Sohn irgendwie zu helfen – Nein. Im Gegenteil.

Die anderen Eltern zeigen sich sehr verständnisvoll und gleichzeitig besorgt um Lukas. Ich bin geradezu überrascht, als Beate mir den mittlerweile zwei Jahre alten Beitrag zeigte. Mit nicht wenig Zynismus habe ich oft genug beobachtet, wie selten mehr als Artikel- und Beitragsüberschriften gelesen werden. Aber offensichtlich haben die vierundzwanzig Personen, die Beate virtuell helfend zur Seite standen, bis zum Ende gelesen, bis zu der letzten Passage in der sie erwähnte, bereits im örtlichen Krankenhaus gewesen zu sein. Statt Vorwürfe zeigten sie Verständnis, statt Vorhaltungen wurde gemutmaßt, was Lukas für eine Krankheit haben könnte, Lukas Geschichte wurde mit eigenen Erfahrungen abgeglichen, die Bilder, die Lukas geschwächten Körper nackt zeigten, veranlasste viele dazu, Beate zu trösten, ihr Mut zuzusprechen, und sich gleichzeitig entsetzt zu zeigen, wie sehr Lukas abgemagert war.

Eine Mutter schrieb Beate eine private Nachricht, sie selbst wohnte ganz in der Nähe, und fragte, in welchem Krankenhaus sie bereits waren. Sie empfahl Beate eine Klinik, die sich ebenfalls ganz in der Nähe befand, und Beate verlor ihrerseits keine weitere Zeit und versuchte ihr Glück in der empfohlenen Klinik. In der Klinik wurde Lukas geholfen. Er musste stationär aufgenommen werden, aber er kam wieder zu Kräften.


Lukas spricht nicht mehr

Seither sind zwei Jahre vergangen. Der mittlerweile 11-Jährige Lukas hat sich verändert. Das ehemals fröhliche und vertrauensselige Kind ist abweisend. Anfangs dachte Beate, es läge an den sich verändernden Hormonen.

Sie dachte, es sei eine Phase, dachte sogar, es sei ihre Schuld, dass Lukas so abweisend war. Hatte Angst, etwas falsch gemacht zu haben, aber an Lukas war kein Herankommen. Er sprach immer weniger, fing an, Lügen zu erfinden, und schaltete den Bildschirm des Computers sofort aus, wenn seine Mutter sein Zimmer betrat.

Eines späten Nachmittags war Lukas wieder einmal unterwegs, um sich mit Freunden zu treffen, wie er sagt. Freunde, deren Eltern Beate am Telefon bestätigten, dass diese zu Hause seien und für die anstehende Mathe-Klausur lernten. Aufgelöst ob der erneuten Lüge und verunsichert schaltete Beate den Rechner von Lukas an. Er war entsperrt, sie rief den Explorer auf, wollte den Verlauf prüfen. Beate fühlte sich sehr beschämt, sie beging einen großen Vertrauensmissbrauch – aber als Lukas Mutter trug sie auch eine Verantwortung für ihren Sohn. Der Verlauf war vollständig leer. Immer noch unangenehm berührt saß sie einige Minuten verharrend vor dem Rechner ihres Sohnes, und schaltete ihn aus. Keine Hinweise, keine Spuren, nichts.

Als Lukas endlich nach Hause kam, beichtete sie ihm, an seinem Rechner gewesen zu sein. Lukas bekam große Augen, und fast ehrfürchtig fragte er nur: „Und?“. Das war nicht die Reaktion, die Beate erwartet hatte. Lukas wurde manchmal wütend, manchmal war er auch beleidigt, aber er war vor seiner Veränderung wenigstens authentisch, hatte Gefühle, die er zeigte. Beate fragte sich, was mit Lukas passiert war, dass er statt wie ein normales Kind zu reagieren beinahe flehentlich fragte: „Hast du es gesehen?“. Ehrlich verneinte Beate die Frage, versuchte in der alten Vertrautheit zu erfahren, was sie hätte sehen sollen – doch Lukas lief schon weinend aus dem Raum.

Schuldgefühle

Beate war verzweifelt. Zündete sich eine Zigarette an, obwohl sie dem Rauchen seit Lukas Geburt abgeschworen hatte. Was hatte sie falsch gemacht? Was war nur mit Lukas. Mit Sicherheit war er sehr enttäuscht, dass sie in seine Privatsphäre eingedrungen war.
Aber sie war doch verzweifelt.
Sie wusste sich nicht mehr anders zu helfen, hatte sooft versucht, mit Lukas zu reden. Doch Lukas blieb stumm.

Beate nahm Lukas bei der Hand, und suchte mit ihm einen Kinderpsychologen auf. Ein Umzug wurde geplant.

Lukas begriff allmählich, dass der Alptraum vorbei war.

Lukas war Beate nicht mehr böse.

Lukas begann, sich langsam wieder zu öffnen, und Erwachsenen wieder zu vertrauen.

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