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Betrachten wir einmal die Seite „Hooligans gegen Hunde“ (HoGeHu) und die dazu gehörigen Meinungen. Kann man ein eindeutiges Ergebnis aus der Intention dieser Seite ziehen?

Die Seite erinnert an die Bewegung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), lehnt sowohl namentlich daran an und benutzt auch inhaltlich formal gleiche Floskeln. Ebenso gab es für den 09.11.14 eine Veranstaltung als Protestakt gegen Tierheime an, welche im Aufruf stark an die Progromnacht erinnert. Absicht?

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(Quelle: Facebook, öffentlicher Status)

### DEMONSTRATION ###
Am 09. November, also diesen Sonntag, begeben sich deutschlandweit Hooligans gegen Hunde auf die Straße und ziehen mit Fackeln vor jedes Tierheim. Wir haben ja eigentlich nichts gegen diese Heime, doch sie sind überfüllt mit schmarotzenden, verlausten Kötern, welche auf UNSERE Steuerkosten ein Luxusleben führen und es wird Zeit dem ein Ende zu setzen! Lasst uns der kommenden kristallklaren Sonntagnacht diese Heime in Rauch aufgehen lassen… es wird Zeit das Deutschland erwacht!
#HoGeHu zählt auf deine Unterstützung!
… weil Deutschland einen Neuanfang braucht!“

So funktioniert „Hooligans gegen Hunde“ (HoGeHu)

Man nehme eine Hand voll rechter Parolen, und tausche die Bezeichnungen von Volksgruppen gegen Hunderassen aus. Oder man nimmt real existierende Berichte über Hunde, und schreibt dazu rechte Parolen, wie sie sonst nur auf ethnische Minderheiten gemünzt werden. Resultat: eine Verdrehung von geläufigen Hetz- und Stammtischparolen. Das ist jetzt nichts Neues, seit langem gibt es schon Seiten wie “Hunde raus aus Deutschland” oder “Kinder raus aus Deutschland”, welche nach selbigem Muster arbeiten.

Unmengen an Missverständnissen

Es fragen sich jedoch viele Facebooknutzer, wie die Seite und auch die Bekanntgabe der Veranstaltung zu verstehen ist. In der Kommentarfunktion ergehen sich derzeit eine große Anzahl User in Beschimpfungen:

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(Quelle: Facebook, öffentlicher Status)

Ebenfalls in den Kommentaren zu finden sind Aussagen, dass es sich hier um Satire handelt und die Veranstaltung und auch die Seite nicht ernst zunehmen ist.

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(Quelle: Facebook, öffentlicher Status)

Ebenso besteht die Vermutung, dass mit dem Protest gegen Hunde eigentlich Ausländer oder Asylanten gemeint sein könnten, und die „Hunde“ nur als Synonym verwendet werden.

Satire? Keine Satire? Oder einfach nur schlechte Satire?

Worum es sich nun genau handelt ist schwer zu sagen. Nicht nur, dass die Informationsseite der Gruppe nicht besonders viel hergibt, ein Impressum ist ebenfalls nicht zu finden. Fest steht allerdings, dass es diese Veranstaltung nicht gegeben hat.

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Kontrovers bleibt kontrovers:
Dass Satire oft nicht richtig verstanden wird, ist spätestens seit dem Postillon kein Geheimnis mehr. Bei dem kurzen Überfliegen eines Beitrags kann es sicherlich sehr schnell passieren, dass man einen falschen Eindruck des Vermittelten bekommt.

Satirische Seiten zu dem Thema „Hooligans gegen Salafisten“ findet man derzeit auf Facebook zu Hauf. Wie u.a. „Hooligans gegen Salatfix“. Das Netz nimmt die Vorfälle von Köln als Anlass, sich über die Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten “zu empören und/oder sich über sie lustig zu machen.

Wie weit HoGeHu nun in den Olymp der Satire gehört, ist fraglich. Eine ernst gemeinte Bewegung steckt nun wohl nicht dahinter, so wie auch das angepriesene Ziel dieser Seite utopisch daneben liegt. Uns beschleicht gar das Gefühl, dass es dem Autor weniger um Satire oder Politik geht, sondern einfach um sich selbst und seinen Spaß, wie die Menschen über die Seite diskutieren und zu keinem Ergebnis kommen. Das könnte zumindest unser Ergebnis sein.

Abspann

Was darf die Satire?

Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: „Nein!“ Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine. Die Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt die große, bunte Landsknechtstrommel gegen alles, was stockt und träge ist.Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den.

Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.Die Satire eines charaktervollen Künstlers, der um des Guten willen kämpft, verdient also nicht diese bürgerliche Nichtachtung und das empörte Fauchen, mit dem hierzulande diese Kunst abgetan wird.

Vor allem macht der Deutsche einen Fehler: er verwechselt das Dargestellte mit dem Darstellenden. Wenn ich die Folgen der Trunksucht aufzeigen will, also dieses Laster bekämpfe, so kann ich das nicht mit frommen Bibelsprüchen, sondern ich werde es am wirksamsten durch die packende Darstellung eines Mannes tun, der hoffnungslos betrunken ist. Ich hebe den Vorhang auf, der schonend über die Fäulnis gebreitet war, und sage: „Seht!“ – In Deutschland nennt man dergleichen ‚Kraßheit‘. Aber Trunksucht ist ein böses Ding, sie schädigt das Volk, und nur schonungslose Wahrheit kann da helfen. Und so ist das damals mit dem Weberelend gewesen, und mit der Prostitution ist es noch heute so.

Der Einfluß Krähwinkels hat die deutsche Satire in ihren so dürftigen Grenzen gehalten. Große Themen scheiden nahezu völlig aus. Der einzige ‚Simplicissimus‘ hat damals, als er noch die große, rote Bulldogge rechtens im Wappen führte, an all die deutschen Heiligtümer zu rühren gewagt: an den prügelnden Unteroffizier, an den stockfleckigen Bürokraten, an den Rohrstockpauker und an das Straßenmädchen, an den fettherzigen Unternehmer und an den näselnden Offizier. Nun kann man gewiß über all diese Themen denken wie man mag, und es ist jedem unbenommen, einen Angriff für ungerechtfertigt und einen anderen für übertrieben zu halten, aber die Berechtigung eines ehrlichen Mannes, die Zeit zu peitschen, darf nicht mit dicken Worten zunichte gemacht werden.

Übertreibt die Satire? Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.

Aber nun sitzt zutiefst im Deutschen die leidige Angewohnheit, nicht in Individuen, sondern in Ständen, in Korporationen zu denken und aufzutreten, und wehe, wenn du einer dieser zu nahe trittst. Warum sind unsere Witzblätter, unsere Lustspiele, unsere Komödien und unsere Filme so mager? Weil keiner wagt, dem dicken Kraken an den Leib zu gehen, der das ganze Land bedrückt und dahockt: fett, faul und lebenstötend.

Nicht einmal dem Landesfeind gegenüber hat sich die deutsche Satire herausgetraut. Wir sollten gewiß nicht den scheußlichen unter den französischen Kriegskarikaturen nacheifern, aber welche Kraft lag in denen, welch elementare Wut, welcher Wurf und welche Wirkung! Freilich: sie scheuten vor gar nichts zurück. Daneben hingen unsere bescheidenen Rechentafeln über U-Boot-Zahlen, taten niemandem etwas zuleide und wurden von keinem Menschen gelesen.

Wir sollten nicht so kleinlich sein. Wir alle – Volksschullehrer und Kaufleute und Professoren und Redakteure und Musiker und Ärzte und Beamte und Frauen und Volksbeauftragte – wir alle haben Fehler und komische Seiten und kleine und große Schwächen. Und wir müssen nun nicht immer gleich aufbegehren (‚Schlächtermeister, wahret eure heiligsten Güter!‘), wenn einer wirklich einmal einen guten Witz über uns reißt. Boshaft kann er sein, aber ehrlich soll er sein. Das ist kein rechter Mann und kein rechter Stand, der nicht einen ordentlichen Puff vertragen kann. Er mag sich mit denselben Mitteln dagegen wehren, er mag widerschlagen – aber er wende nicht verletzt, empört, gekränkt das Haupt. Es wehte bei uns im öffentlichen Leben ein reinerer Wind, wenn nicht alle übel nähmen.

So aber schwillt ständischer Dünkel zum Größenwahn an. Der deutsche Satiriker tanzt zwischen Berufsständen, Klassen, Konfessionen und Lokaleinrichtungen einen ständigen Eiertanz. Das ist gewiß recht graziös, aber auf die Dauer etwas ermüdend. Die echte Satire ist blutreinigend: und wer gesundes Blut hat, der hat auch einen reinen Teint.

Was darf die Satire?

Alles.

Kurt Tucholsky, unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel

 

Autor: Larissa, Mimikama.at