Viele Medien berichteten vorschnell über aktive Sterbehilfe

Nein, in den Niederlanden wurde kein 17-jähriges Mädchen euthanasiert!

Von | 6. Juni 2019, 10:43

In den letzten Tagen berichteten mehrere Nachrichtenseiten weltweit von dem Euthanasietod eines jungen Mädchens in den Niederlanden.

Auch viele deutschsprachige Seiten berichteten, dass die 17-jährige Noa Pothoven durch eine Euthanasieklinik aktive Sterbehilfe bekam, nachdem sie an jahrelangen Depressionen litt, da sie im Alter von 11 und 14 Jahren mehrfach vergewaltigt wurde.

Mittlerweile haben nahezu sämtliche großen Nachrichtenportale diese Meldung korrigiert, doch gerade auf kleineren Seiten oder „Clickbait“-Portalen findet sich die Behauptung, dass das Mädchen aktive Sterbehilfe bekam.

Der Ursprung

Erstmals erschien die Geschichte um Noa Pothoven in einem Artikel der Seite „de Gelderlander“ im Dezember 2018.
Das damals 16-jährige Mädchen berichtet von ihren Depressionen, welche sie auch in einer Biographie niederschrieb. In diesem Artikel steht auch bereits, dass sie sich ein halbes Jahr zuvor an eine Euthanasieklinik in Den Haag wandte.
Diese lehnte jedoch ab mit der Begründung, dass sie noch zu jung und ihr Gehirn noch nicht vollständig entwickelt sei.

Das letzte Posting

Auf ihrem mittlerweilen deaktiviertem Instagram-Account dokumentierte Noa Pothoven ihr Leiden und kündigte in einem letzten Post an, dass sie innerhalb der nächsten 10 Tage sterben werde.

„Ich atme, aber ich lebe nicht. Es ist so lange her, dass ich wirklich am Leben gewesen bin.“

Mit Erlaubnis ihrer Eltern habe sie sämtliche Nahrungsaufnahme eingestellt, um endlich ihren Frieden zu finden. Diese Form der passiven Sterbehilfe ist in den Niederlanden ebenfalls gestattet.

Das Rauschen im Blätterwald

Aus unerfindlichen Gründen behaupteten zuerst viele englische und italienische, wenig später auch deutsche Seiten, dass Noa Pothoven aktive Sterbehilfe der „Levenseindekliniek“ („Ende des Lebens-Klinik“) erhalten habe.

Die Klinik sah sich durch Kritik von vielen Seiten dazu gezwungen, ein Statement zu veröffentlichen:

„Um die Falschberichterstattung (insbesondere in ausländischen Medien) über ihren Tod zu beenden, verweisen wir auf die Erklärung von Freunden von Noa heute Nachmittag: Noa Pothoven starb nicht an Euthanasie. Um ihr Leiden zu beenden, hörte sie auf zu essen und zu trinken.

Die Levenseindekliniek beschäftigt sich ausschließlich mit der Sterbehilfe und tut dies mit Nachdruck im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen.“

Noa Pothovens Geschichte ist schon tragisch genug. Leider bauschten sehr viele Seiten weltweit diese Geschichte noch unnötig mit dem Schlagwort „aktive Sterbehilfe“ auf, ohne die Quellen zu überprüfen, was beispielsweise der Korrespondentin gerade einmal 10 Minuten kostete:

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