Artikelbild: Shutterstock / Von Grigoriy Pil
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Manchmal hat man bei Facebook das Gefühl, sich in einem Museum zu befinden.

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Schier antike Kettenbriefe und Statusmeldungen aus alles Epochen tauchen immer wieder auf, werden bestaunt und so manches Mal neu interpretiert oder missverstanden. Und so kann es auch passieren, dass uralte Werke völlig unreflektiert neu inszeniert werden.

Eines dieser Meisterstücke aus alten Tagen ist der Kettenbrief mit der Entführungswarnung bei h&m. Dieser lautet im lesbaren Klartext:

Liebe Eltern passt auf eure Kinder auf!!!!

… Eine Mutti war mit ihrem 4 jährigen Sohn bei H&M shoppen.
… Die Mutti setzte ihn vor den Fernsehr und sie schaute nach Klamotten,als sie zu ihm ging war er nicht mehr da. Sie schrie was das Zeug hält…alle Türen wurden verschlossen..Zigeuner hatte den Jungen …mit Ethanol betäubt, ihn in ne Umkleidekabine gezerrt, die Haare abrasiert, komplett umgezogen und wollten mit dem Jungen flüchten. Da alle Türen verriegelt waren, wurde er gerettet ! .Er sollte für 100 € verkauft werden und die hätten ihn getötet – zum Organhandel verurteilt..dies ist letzte woche in Steglitz passiert.
Bitte weiter posten, es könnten auch eure Kinder sein [sic!]

Optisch tritt der Kettenbrief in Form eines Screenshots auf, welcher das Datum „gestern“ zeigt. Böse Falle, denn somit suggeriert dieser Screenshot immer eine Aktualität, egal wann er geteilt wird:

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Also kramen wir in unserem großen Mimikama-Archiv und schauen auf die Anfangszeiten von Mimikama, schauen wir auf das Jahr 2011.

18. Oktober 2011

Genau an diesem Datum haben wir bereits über genau diesen Kettenbrief einen Artikel veröffentlicht. Es ist nicht nur genau dieser Kettenbrief, sondern auch exakt derselbe Screenshot. Der dürfte sich also ganz gut gehalten haben (vergleiche).

Es handelte sich bereits damals schon um eine Falschmeldung, die jedoch ihre eigenen Narrative trägt und im Laufe der Zeit sogar dynamisch wurde. Diese beiden Narrative in dem Kettenbrief lauten:

  • Zigeuner / Osteuropäer entführen Kinder (ein übrigens uralter Narrativ)
  • Organmafia

Die Dynamik der Narrative erreichte im Jahr 2014 ihren Höhepunkt, als angeblich überall eine vermeintliche Organmafia gesichtet wurde (so die Facebook-Erzählungen). Wir haben eine große Anzahl ein vermeintlichen Organmafia-Sichtungen in unserem Archiv, von denen keine einzige bestätigt wurde (vergleiche).

Und nun?

Nun hoffen wir, dass dieser Screenshot mit seinem Kettenbrief lediglich eine einzelne Sichtung im Jahre 2019 darstellt. Denn eine aufgekochte Fake-Welle kann am Ende niemand so wirklich gebrauchen.

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