Und damit ist der Fake in Deutschland angekommen. Liebe Facebooknutzer, vielen Dank für eure Ignoranz. Das war ja schon glatt voraussehbar und ist symptomatisch für die “Netzwerkhysterie”, welche augenscheinlich weltweit existiert. Weltweit, denn die folgende Geschichte stammt aus den USA, und wir konnten punktgenau vorhersagen, was mit dieser Geschichte passiert.

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Das Wichtigste am Anfang: in der Story um die HIV Nadel in der Zapfpistole findet sich das klassische Element des HIV-Fakes wieder. Die dabei erzeugte Hysterie ist problematisch, denn sie gibt ein falsches Bild über die Infektionswege von HIV wieder. Wir raten hierzu immer wieder, die Webseite der Deutschen Aids-Hilfe zu besuchen, wenn man sich vernünftig mit diesem Thema auseinandersetzen will.

Und die Deutsche Aids-Hilfe schreibt zu den Übertragungswegen: HIV ist relativ schwer übertragbar. Ein Infektionsrisiko besteht nur, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Zu diesen Körperflüssigkeiten gehören vor allem Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und der Flüssigkeitsfilm auf der Schleimhaut des Enddarms.

Über den Fake:

Wie bereits prognostiziert, ist er nun in Deutschland angekommen. Über WhatsApp, aber auch über Facebook versenden derzeit viele Menschen eine Grafik, die vor HIV-Nadeln an Tankstellen warnt.

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Faktencheck

Nein, dieses Bild stammt NICHT aus Deutschland. Es gibt keine neue “Sache”, es gibt kein flächendeckendes Phänomen. Schauen wir daher auf die Herkunft des Bildes: Das Foto ist echt. Es stammt aus den USA, genauer gesagt, wurde es an einer Tankstelle am Alessandro Boulevard in Moreno Valley aufgenommen. Es war Jose Medina, der auf dem Weg zur Arbeit am 22. Mai 2017 sein Fahrzeug betanken wollte, jedoch dabei von dieser Nadel verletzt wurde. Medina fuhr daraufhin direkt ins Krankenhaus, um sich auf Infektionen untersuchen zu lassen. Ebenso wurde die Polizei informiert und das Thema auch auf Fox11 veröffentlicht. Seine Tochter Jacqueline Medina veröffentlichte anfangs dieses Foto, um zur Vorsicht zu mahnen. Was sie zu dieser Zeit jedoch nicht ahnte: das Bild sollte eine Eigendynamik bekommen und durch Dritte dramatisiert werden, indem es an anderen Stellen ebenso veröffentlicht wurde und dort die Geschichte um die HIV-Komponente erweitert wurde.

Der Hoax ist entstanden!

Dieser Hoax drang nach einiger Zeit auch zu Jacqueline Medina, die daraufhin irritiert war und sich an Snopes (US-amerikansiche Faktenchecker) wandte und die Geschichte dort meldete, damit Snopes aufklären konnte [1]. Mittlerweile ist das Bild und der Hoax bereits quer durch die USA gereist und wurde auch in Florida als Warnung veröffentlicht, mit dem Hinweis, dass in der Gegend um Jacksonville (Florida) diese Nadel gefunden worden wäre. Nach Angaben von Snopes handelt es sich um einen Kettenbrief, in dem ein (augenscheinlich nicht existierender) Captain Abraham Sands der Jacksonville-Polizei vor zahlreichen infizierten Nadeln in mehreren Staaten warne:

My name is Captain Abraham Sands of the Jacksonville, Florida Police Department. I have been asked by state and local authorities to write this email in order to get the word out to car drivers of a very dangerous prank that is occurring in numerous states. Some person or persons have been affixing hypodermic needles to the underside of gas pump handles. These needles appear to be infected with HIV positive blood. In the Jacksonville area alone there have been 17 cases of people being stuck by these needles over the past five months. We have verified reports of at least 12 others in various states around the country.

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Und nun?

Mittlerweile sind die Untersuchungsergebnisse aus dem Krankenhaus bei José Medina angekommen. Seine Tochter veröffentlichte ebenso über Facebook, dass die ersten Ergebnisse negativ ausgefallen seien, also soweit keine Infektion vorliegt. Dennoch werden weitere Tests vorgenommen, um ganz sicher zu gehen.

My father’s lab work came back negative, but he will be getting follow up labs just to continue making sure it stays negative and additional testing to make sure he is cleared of everything.

Ebenso gibt sie an, das Originalfoto entfernt und durch ein anderes Foto mit Namensmarkierung ersetzt zu haben, da sie befürchtet, es würden sonst weitere Falschmeldungen an dieses Bild geheftet werden. Nun, wir haben an dieser Stelle Zweifel, ob diese Idee funktioniert.

Also, um es zum Abschluss nochmals deutlich zu sagen:

Das Bild ist echt. Diesen Vorfall gab es jedoch ein einziges Mal – und zwar im Mai 2017 in Kalifornien. Es wurden bei dem Verletzten keine Infektionen festgestellt. Mehr nicht. Aus. Der Rest ist ein Kettenbrief und Fake! Danke für das Teilen dieses Artikels.

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