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Ein knapp 10.000 mal geteilter Artikel, der detailliert und in grausamen Einzelheiten eine Unfallszenerie beschreibt, bewegt nicht nur die Gemüter, sondern erzeugt auch Misstrauen.

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Tränenüberströmt versucht diese Mutter den abgetrennten Kopf ihres Kindes wieder anzubringen….

Darüber das Bild eines schreienden Babys. Die Kombination aus dem Bild und der Überschrift lässt vielen Menschen bereits Tränen in die Augen treiben, der Artikel selber ist noch um einiges heftiger, im wahrsten Sinne des Wortes und der Seite, die diesen Artikel veröffentlichte.

Doch wie glaubhaft ist die Geschichte? Und wann geschah das?

Zuerst zu den verwendeten Bildern in dem Artikel: Jene haben mit der Geschichte nichts zu tun.
Das Vorschaubild mit dem schreienden Baby erscheint im Artikel nicht und stammt auch bestimmt nicht von diesem Unfall. Das Trauerbild in dem Artikel stammt mit Sicherheit ebenfalls nicht von dem Unfall, sondern ist eines von vielen Trauerbildern des Fotografen Robert Lee „Bob“ Driskell, der dieses Bild in seiner Reihe „In Memorium“ 2011 auf Flickr veröffentlichte. Fraglich, ob heftig.co anfragte, ob sie das Bild frei verwenden dürften.

Der Original-Artikel erschien zu einem unbestimmten Zeitpunkt auf Instagram. 72 Wochen später verbreiteten sich Screenshots davon auf Twitter.

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Anmerkung: Dies ist nicht der Twitter-Account der echten Ellen DeGeneres, sondern ein „Parodie“-Account, welcher aber maßgeblich zur Verbreitung der Screenshots beitrug.

Am 4. März schließlich landeten die Screenshots dann auf der Plattform „imgur“, und von dort dann auf „heftig.co“.

Berechtigte Zweifel

Die Geschichte stammt von einem Instagram-User, der augenscheinlich hauptsächlich als Fotograf tätig ist, in diesem Beitrag sich aber als Sanitäter bezeichnet. Wir hoffen mal für ihn, dass das Foto dieses Instagram-Beitrages nicht von dem Unfall ist, da dies laut den Richtlinien des HIPAA (Health Insurance Portability and Accountability Act) höchst illegal für Sanitäter ist, Fotos anzufertigen und zu veröffentlichen. Aber noch andere Zweifel bestehen, wie diverse Sanitäter in den Kommentaren deutlich machen:

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„Lügner. Das ist nie passiert, ich hab die Logs überprüft. Ich bin ein EMT-P (Emergency Medical Technician – Paramedic) und ich weiß, dass man das nicht in dieser Reihenfolge durchführt, es sind maximal 2 Medikamente gleichzeitig. Man erkennt einen Fake an der Schilderung!!“

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„uuuuuund… gefeuert, du DARFST NICHT so etwas öffentlich posten, egal, was es ist. Ich weiß, das gibt gute Klicks, aber es ist höchst illegal.“

„Nicht illegal. Keine Bilder und keine Namen“

„Es gibt lt. HIPAA ein Dreigestirn von Dingen, die nicht genannt werden dürfen: Ort, Beschreibung des Ereignisses und Namen. Werden zwei davon erwähnt (in diesem Fall Ort, San Diego, und Beschreibung), ist dies ein klarer Verstoß. Selbst wenn der Rest der Bevölkerung nicht weiß, um wem es geht, die Familie und die Freunde der Opfer werden es wissen und können ihn verklagen, wenn sie dieser Schilderung nicht zustimmten.“

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„Wir stimmen alle überein, dass dies grausig ist, aber diese Person hat NICHT das Recht, die grausamen Details des Todes des Kindes auf Instagram zu schildern“.

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„Furchtbar. Und außerdem unglaublich illegal für einen Sanitäter, diese Schilderung zu schreiben, da dies jedwede Art von Vertrauensverhältnis zerstört.“

Fazit:

Es ist unmöglich, den Wahrheitsgehalt der Geschichte zu bestätigen oder zu widerlegen. Die Aussagen diverser Sanitäter in den Kommentaren lassen jedoch Zweifel an der Echtheit aufkommen, zumindest aber an der Legalität der Erzählung.

Wie andere Kommentatoren anmerkten, wirke die Erzählung wie die in den USA sehr verbreiteten Geschichten á la „Meine Freundin nahm nur ein einziges Mal Drogen, nun ist sie tot.“ Die Moral der Geschichte liegt auf der Hand: Fahren unter Alkoholeinfluss ist ein absolutes No-Go. Dem sind wir uns hoffentlich alle bewusst! Doch ist es wirklich nötig, mit einer solchen Geschichte, die vielen auf den Magen schlägt, Klicks zu erzeugen?

Ob wahr oder nicht: Mit solchen detaillierten Schilderungen einer Unfallszenerie, auch wenn es in Sachen Gefahrenprävention gut gemeint sein mag, ist ein gewisses Niveau weit unterschritten worden.

Autor: Ralf, mimikama.at